Hamburger Kammerkunstverein

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Feierabendkonzert im Oberhafen

Die Cellosonaten von Schubert und Prokofjew an diesem Abend sind beides Spätwerke und zeugen von zwei an Erfahrungen reichen Komponistenleben.

Bar und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 10 € / Abendkasse 15 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Halle 424


Franz Schubert,
Sonate für Arpeggione und Klavier a-moll D 821

Allegro moderato
Adagio
Allegretto

Sergei Sergejewitsch Prokofjew,
Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op. 119

Andante grave
Moderato
Allegro, ma non troppo


Franz Schubert steckte sein gesamtes Berufsleben lang in finanziellen Schwierigkeiten. Andere Komponisten verdienten sich am aufsteigenden Bürgertum eine goldene Nase. So versetzte beispielsweise Gioachino Rossini Wien in einen wahren Walzertaumel und feierte mit Champagner, während Schubert hungrig und durchgefroren in der feuchten Bude eines Freundes saß. Geld interessierte Schubert nicht, wenn es um die Musik ging. Er komponierte aus anderen Gründen.

1823 war der Arpeggione erfunden worden, ein mit dem Bogen gestrichenes, sechssaitiges Instrument, das wie eine Gitarre gebaut war. Der Arpeggione war schwer zu spielen, sein dynamischer Umfang war gering und sein gambenartiger Ton erschien den Zeitgenossen anachronistisch. Er wurde nur ca. 10 Jahre lang gespielt und geriet dann in Vergessenheit. Der Arpeggione, ein fragiles und angreifbares Instrument, traf den Ton von Schuberts Gemütslage. Und genau darum ging es Schubert: Seine Gemütslage in Tönen auszudrücken.

Dass Franz Schubert ausgerechnet für den Arpeggione schrieb, erzählt viel über ihn. Eigentlich war er kein Kind von Traurigkeit. Er gehörte zur Wiener Boheme und ging in den einschlägigen Wirtshäusern ein und aus. Ab 1822 mied Schubert jedoch ganz plötzlich das öffentliche Leben. Schuld daran war eine Syphilisinfektion, die er sich auf einem seiner Streifzüge durch die dunklen Ecken der Stadt zugezogen hatte. Die damaligen Behandlungsmethoden waren barbarisch, durch Quecksilberanwendung kam es zu schweren Vergiftungserscheinungen, Übelkeit und Haarausfall. Noch schwerer als die körperlichen Probleme wird Schubert die soziale Stigmatisierung belastet haben, die mit der Syphilis einherging.

„Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer“, diesen Seufzer von Gretchen am Spinnrad vertonte Schubert als op. 2, also am Anfang seiner Komponistentätigkeit. Zum Ende seines Lebens hin, schon als gezeichneter Mann, wagte sich Schubert, seinem schweren Herzen zum Trotz, mit seiner Sonate für Arpeggione und Klavier a-moll D 821 noch einmal in die Öffentlichkeit. Wir erleben, verpackt in eine elegant-virtuose Sonate, ein Wechselbad von Trost und Trauer, wir hören Schuberts Melancholie, in der Glück und Wehmut untrennbar miteinander verbunden sind.


Die Sonate C-Dur für Violoncello und Klavier op. 119 ist das letzte kammermusikalische Werk Sergei Prokofjews. Sie entstand 1949, in einer Zeit, in der sich der Komponist gleich von mehreren Schicksalsschlägen erholen musste: Im Jahr zuvor hatte man nicht nur seine erste Frau, die spanische Sängerin Carolina Codina, der Spionage bezichtigt und verhaftet, auch war sein bester Freund, Sergei Eisenstein, gestorben.

Zudem war Prokofjew 1948 vom Zentralkomitee der KPdSU als „Formalist“ verurteilt und künstlerisch zu mehr „Volkstümlichkeit“ aufgerufen worden. Er musste sich öffentlich selbst bezichtigen und versuchte daraufhin, sich mit seiner neuen Oper „Die Geschichte vom wahren Menschen“ mithilfe eingängiger Melodien zu rehabilitieren. Dennoch blieben die Vorwürfe der Regierung bestehen, ihm wurde weiterhin vorgeworfen, die Sowjetunion im „grobschlächtigen, naturalistischen Stil“ behandelt zu haben.

Nach dieser künstlerisch-politischen wie auch persönlichen Krise distanzierte sich Prokofjew vom sowjetischen Komponistenverband. Er wandte sich mit seiner Sonate für Violoncello und Klavier op. 119 wieder der Kammermusik zu, was seiner neuen Gleichgültigkeit gegenüber der „sowjetischen Musik mit ihrem angeblichen Realismus“ Ausdruck verlieh.

Prokofjews Sonate für Violoncello und Klavier op. 119 ist, wie viele andere seiner letzten Werke, von weiten Melodien, lyrischer Stimmung, leiser Resignation und einem fast romantischen Tonfall gekennzeichnet. Erstaunlich, dass die Regierung dieses Werk akzeptierte und zur öffentlichen Aufführung freigab.

Auch wenn er die Sonate für Violoncello und Klavier op. 119 offiziell dem Arrangeur und Komponistenkollegen Lewon Atowmjam widmete, schrieb Prokofjew das Werk eigentlich für den damals 22-jährigen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, der gemeinsam mit dem Pianisten Swjatoslaw Richter die Uraufführung am 1. März 1949 in Moskau spielte.

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