Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Meine Ruh' ist hin

Feierabendkonzert im Oberhafen



Ein syphiliskranker Komponist und eine sensationelle Instrumentenerfindung, die aus der Zeit fiel – Franz Schuberts Sonate für Arpeggione entstand unter keinem guten Stern. Traurig und heiter zugleich berührt sie zutiefst.

Schuberts psychische Disposition war überaus fragil, als er die Arpeggione-Sonate komponierte, vielleicht stand ihm deshalb das fehleranfällige Instrument so nahe.

Schubert verwandelte durch große Ehrlichkeit Schwächen ins Stärken.

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 8 € / Abendkasse 10 € / Kammerkunstmitglieder frei

Gastronomie und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Ticketbestellung mit Sitzplatzwahl über tickets@feierabendkonzert.de und Telefon 040 / 317 96 94 0


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Franz Schubert,
Sonate für Arpeggione und Klavier a-moll D 821

Allegro moderato
Adagio
Allegretto


Franz Schubert steckte sein gesamtes Berufsleben lang in finanziellen Schwierigkeiten. Andere Komponisten verdienten sich am aufsteigenden Bürgertum eine goldene Nase. So versetzte beispielsweise Gioachino Rossini Wien in einen wahren Walzertaumel und feierte mit Champagner, während Schubert hungrig und durchgefroren in der feuchten Bude eines Freundes saß. Geld interessierte Schubert nicht, wenn es um die Musik ging. Er komponierte aus anderen Gründen.

1823 war der Arpeggione erfunden worden, ein mit dem Bogen gestrichenes, sechssaitiges Instrument, das wie eine Gitarre gebaut war. Der Arpeggione war schwer zu spielen, sein dynamischer Umfang war gering und sein gambenartiger Ton erschien den Zeitgenossen anachronistisch. Er wurde nur ca. 10 Jahre lang gespielt und geriet dann in Vergessenheit. Der Arpeggione, ein fragiles und angreifbares Instrument, traf den Ton von Schuberts Gemütslage. Und genau darum ging es Schubert: Seine Gemütslage in Tönen auszudrücken.

Dass Franz Schubert ausgerechnet für den Arpeggione schrieb, erzählt viel über ihn. Eigentlich war er kein Kind von Traurigkeit. Er gehörte zur Wiener Boheme und ging in den einschlägigen Wirtshäusern ein und aus. Ab 1822 mied Schubert jedoch ganz plötzlich das öffentliche Leben. Schuld daran war eine Syphilisinfektion, die er sich auf einem seiner Streifzüge durch die dunklen Ecken der Stadt zugezogen hatte. Die damaligen Behandlungsmethoden waren barbarisch, durch Quecksilberanwendung kam es zu schweren Vergiftungserscheinungen, Übelkeit und Haarausfall. Noch schwerer als die körperlichen Probleme wird Schubert die soziale Stigmatisierung belastet haben, die mit der Syphilis einherging.

„Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer“, diesen Seufzer von Gretchen am Spinnrad vertonte Schubert als op. 2, also am Anfang seiner Komponistentätigkeit. Zum Ende seines Lebens hin, schon als gezeichneter Mann, wagte sich Schubert, seinem schweren Herzen zum Trotz, mit seiner Sonate für Arpeggione und Klavier a-moll D 821 noch einmal in die Öffentlichkeit. Wir erleben, verpackt in eine elegant-virtuose Sonate, ein Wechselbad von Trost und Trauer, wir hören Schuberts Melancholie, in der Glück und Wehmut untrennbar miteinander verbunden sind.