Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Bach - Hindemith - Bach

Klassik 424: Feierabendkonzert mit Lesung und Imbiss

Franck-Thomas Link und Simon Strasser, 2014

JS Bach, Partita II c-moll BWV 826 für Klavier

Paul Hindemith, Sonate für Englischhorn und Klavier (1941)

JS Bach, Sonate g-moll BWV 1020 für Oboe und Klavier

Texte von Paul Hindemith

Mehr zur Reihe Klassik 424.



10 Euro / Kammerkunstmitglieder frei

VVK unter 040 / 66 97 62 55 und unter buero@kammerkunst.de

Abendkasse und Gastro sind ab 17 h geöffnet.


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Johann Sebastian Bach,
Partita II c-moll BWV 826 für Klavier

Sinfonia
Allemande
Courante
Sarabande
Rondeaux
Capriccio

Paul Hindemith,
Sonate für Englischhorn und Klavier (1941)

Langsam
Allegro pesante
Moderato
Scherzo, schnell
Moderato
Allegro pesante

Johann Sebastian Bach,
Sonate für Oboe g-moll BWV 1020

Allegro
Adagio
Allegro


Johann Sebastian Bach war bekanntermaßen ein wichtiger Komponist seiner Zeit, dessen Bedeutung aber erst nach seiner Wiederentdeckung durch Mendelssohn Bartholdy eingeordnet werden konnte. Dass er ein großer Pädagoge war, ist sogar dem heutigen Publikum nicht immer bewusst. Er hat nicht nur seine Söhne, die sich zu Lebzeiten größeren Rufes als ihr Vater erfreuten, ausgebildet, sondern er hat als Lehrer systematisch gearbeitet.

Die Partiten sind Teil von Bachs „Clavierübungen“. Der Hinweis, dass es sich ihren Titel nach um Lehrmaterial handelt, wirkt vielleicht profan, denn es handelt sich bei diesen Stücken um Meisterwerke, die ihren Platz im internationalen Konzertleben haben. Wahrscheinlich waren sie auch nicht als technische Übungsstücke angelegt, sondern sollten auch zur „Ergötzung“, wie Bach sich selbst darüber äußerte, gespielt werden. In den Jahren 1726 bis 1731 schrieb er jeweils eine seiner sechs Partiten für Klavier solo. Sicher ist es kein Zufall, dass er auch jeweils sechs vergleichbare Werke für Violine solo (Partiten) und für Violoncello solo (Suiten) geschrieben hat.“

Formal handelt es sich bei den Partiten um Suiten (frz. = Folgen) von stilisierten Tänzen der Gesellschaft. Inhaltlich allerdings hat J.S. Bach mit diesen Werken Meisterwerke hinterlassen, die aus dem Repertoire von Pianisten, Violinisten und Cellisten nicht wegzudenken sind.

In der 2. Partita für Klavier c-moll stellt Bach der klassischen Folge einer Tanzsuite („Allemande“, „Courrente“, „Menuett“) einen Eingangssatz im französischem Stil voran: Überschrieben mit „Sinfonia“ hören wir hier eine französische Ouvertüre, überschrieben mit „Grave“ eine Aria, die eigentlich einem Blasinstrument zugedacht sein könnte, und ein „Allegro“, das eine fulminante Eröffnung des Werkes garantiert. Den für die Suite erforderlichen Tanz-Sätzen lässt Bach noch zwei abschliessende Sätze folgen, die mit ihren hohen pianistischen Anforderungen dem Gesamtkontext Klavierübungen Tribut zollen, nämlich ein „Rondo“ und ein „Capriccio“, die dem Pianisten höchste Geschicklichkeit abverlangen.

Franck-Thomas Link


1921 wurde der damals 26 jährige Paul Hindemith durch die Aufführung einiger seiner Werke bei den Donaueschinger Musiktagen, deren Leitung er knapp 10 Jahre später übernehmen sollte, weltberühmt. Sein unermüdlicher Einsatz für die Neue Musik, auch als Bratscher, Violinist und später auch als Dirigent machte Paul Hindemith zu einem der wichtigsten Repräsentanten der der Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So unterschiedlich wie all die verschiedenen musikalischen Strömungen dieser Zeit waren, hatten alle auch etwas gemeinsam, das man als „Aufbruch aus der Romantik“ beschreiben kann. Dieser Aufbruch wurde in fast allen Ländern sehr unterschiedlich voran getrieben. Deutlich wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass Hindemith in zeitlicher und künstlerischer Nachbarschaft mit Prokovieff, Strawinski, Schönberg, Debussy, Poulend, arbeitete, um nur einige wenige zu nennen.

In seinen jungen Jahren wurde Hindemith oft als „Bürgerschreck“ bezeichnet, weil er mit sehr provokanten Klängen, unerhörten Dissonanzen, oft auch mit Elementen des Jazz komponierte. Später entwickelte er einen fast schon neoklassischen Kompositionsstil, der einen neuen Blick auf die klassischen Formen Sonate, Symphonie und Fuge möglich machte. 1927 wurde Paul Hindemith als Professor für Komposition an die Berliner Hochschule für Musik berufen und unterrichtete auch an der neueröffneten Musikschule Neukölln. Obwohl er nach seinen plötzlichen Erfolgen in Donaueschingen und auch durch eine so renommierte Professur an der Spitze der musikalischen Avantgarde stand, behinderten die Nationalsozialisten seine Arbeit. So wurde Hindemith 1935 von Berlin beurlaubt und erhielt den Auftrag, in der Türkei das Konservatorium von Ankara aufzubauen. 1936 verurteilte das nationalsozialistische Regime seine Musik als „untragbar“ und verhängte ein Aufführungsverbot. Neben der Kritik an seiner Musik wurde auch immer wieder die jüdische Abstammung von Hindemiths Ehefrau Gertrud an den Pranger gestellt. Darum verließ das Ehepaar noch vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs Deutschland, zog zunächst 1938 in die Schweiz, zwei Jahre später nach New Haven, USA, wo Paul Hindemith an der Yale University für viele Jahre Komposition unterrichte. Auch nach der Rückkehr in die Schweiz 1953 pendelte Hindemith regelmäßig zwischen dem Konservatorium in Zürich und der Yale Univesity.

Als Instrumentalist trat Hindemith vor allem mit der Bratsche oder der Violine vor das Publikum. Allerdings war er auch mit den Spieltechniken der meisten Orchesterinstrumente vertraut. So erklärt sich, dass er für fast alle Instrumente mindestens eine Sonate mit Klavier komponierte. In dieser Reihe steht die 1941 entstandene Sonate für Englischhorn und Klavier. Auch hier wird sehr deutlich, dass Hindemith die klassische Sonate formal quasi in ein neues Gewand hüllt. Auf den ersten Blick ist das Werk 6-sätzig, was sogar an einen Sonaten-Vorläufer, die Suite, denken lässt. Allerdings sind die Sätze thematisch und harmonisch so stark mit einander verbunden, dass man schnell versteht, dass es sich hier um einen einzigen Satz in sechs Abschnitten handelt.

Franck-Thomas Link


Die Urtextausgabe der Sonate g-moll BWV 1020 erschien beim Henle-Verlag im zweiten Band der Flötensonaten von J. S. Bach. Während der erste Band "Die vier authentischen Sonaten" enthält, finden sich im zweiten Band "Drei J. S. Bach zugeschriebene Sonaten". Ob das Werk wirklich von Johann Sebastian oder vielleicht doch von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel, dem "Hamburger Bach", stammt, ist nicht ganz sicher. Man vermutet, dass der Vater beim Entstehen der Sonate zumindest helfend eingegriffen hat, so dass Carl Philipp Emanuel sie nicht als sein eigenes Werk herausgeben wollte. Sicher ist ebenso wenig, für welches Melodieinstrument die Sonate ursprünglich geschrieben worden ist. Man hielt sie zunächst für eine frühe Violinsonate, bis man feststellte, dass der Tonraum der tiefen G-Saite gar nicht ausgenutzt wird. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich in der Bachforschung deshalb die Auffassung verbreitet, es handele sich um eine Flötensonate. Die Besetzung war zu Bachs Zeit jedoch ohnehin oft eine variable Komponente. Das gilt sowohl für die Kammermusik als auch für viele Solokonzerte: Die Violinkonzerte beispielsweise werden jeweils um einen Ton tiefer auch auf dem Klavier gespielt, auf der anderen Seite gibt es einige Klavierkonzerte in der Bearbeitung für Violine. Das Doppelkonzert in d-moll für Violine, Oboe und Orchester wird auch in c-moll an zwei Klavieren gespielt, weitere Beispiele lassen sich problemlos finden. Und so verwundert es nicht, dass sowohl die große Flötensonate in h-moll als auch die heute gespielte g-moll Sonate für Oboe bearbeitet worden ist.