Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

341. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Robert Schumann, Frauenliebe und -leben op. 42


Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Robert Schumann,
Frauenliebe und -leben op. 42

Seit ich ihn gesehen Er, der herrlichste von allen
Ich kann's nicht fassen, nicht glauben
Du Ring an meinem Finger
Helft mir, ihr Schwestern
Süßer Freund, du blicktest
An meinem Herzen, an meiner Brust
Nun hast du mir den ersten Schmerz getan


Der Lieder-Zyklus „Frauenliebe und -leben“ op. 42 von Robert Schumann entstand im Jahre 1840 und hat seinen festen Platz unter Schumanns berühmten Liederzyklen wie z. B. „Dichterliebe“ oder den beiden „Liederkreisen“. „Frauenliebe und -leben“ ist die Vertonung von acht Gedichten aus Adelbert von Chamissos gleichnamigem Gedichtband. Auf die Vertonung des letzten der ursprünglich neun Gedichte verzichtete Schumann.

Zeitlich ist der Zyklus fast um die Hälfte kürzer als die meisten Zyklen von Robert Schumann. Die Texte des Zyklus sind unproblematisch, wie schon Zeitgenossen Schumanns anmerkten. Sie beschreiben den Lebensweg einer Frau vom ersten Verliebtsein bis zum Tod des Ehemanns. Im neunten, nicht vertonten Gedicht beschreibt Chamisso noch das hohe Alter und schließlich den Tod jener Frau, die er in seinen Gedichten sprechen lässt.

Es spricht eine hingebungsvolle, demütige, selbstverständlich treue und unterwürfige Frau. Dabei darf man nicht übersehen, dass hier Männer eine Frauenfigur sprechen bzw. singen lassen. Vermutlicht sind diese Texte eher Männerphantasien, wie die ideale Frau sein sollte, als eine realistische Beschreibung davon, wie Frauen zu Schumanns geliebt und gelebt haben. Durch die Tatsache, dass Adelbert von Chamisso homosexuell war, lässt sich dieser bizarre dichterische Vorgang noch schwerer einordnen. Es hat einen Beigeschmack von Entmündigung, wenn ein Mann einer Frau derartige Demut und Selbstverleugnung in den Mund legt. Es wirkt wie eine Aufforderung an die Frau, nur ihm und natürlich dem Kinde zu dienen.

Im siebten Gedicht, in dem das Mutterglück thematisiert wird, heisst es: „Nur eine Mutter weiß allein, was lieben heißt und glücklich sein. O wie bedaur ich doch den Mann, der Mutterglück nicht fühlen kann!“

Vielleicht ist es dieser Diskrepanz wegen, dass der Zyklus nicht ganz so oft zur Aufführung kommt wie beispielsweise die „Dichterliebe“. Da kann ich nur mit dem Beginn des dritten Gedichtes antworten: „Ich kann es nicht fassen, nicht glauben“, dass Männer ein solches Frauenbild in die Öffentlichkeit gebracht haben.

Interessant ist es auch, dass zwar inzwischen Sängerinnen typische Männer-Zyklen wie die „Dichterliebe“ oder gar Schuberts „Winterreise“ bzw „Die Schöne Müllerin“ aufführen, aber „Frauenliebe und -leben“ bislang nicht von einem Mann gesungen wurde, obwohl ein männlicher Sänger vielleicht zu der literarischen Wahrheit des Werkes auch etwas beitragen könnte.

Es gibt auch eine Vertonung aller neun Gedichte von Carl Loewe, in der deutlich der Text im Vordergrund steht. Wahrscheinlich ist genu das der Grund, warum diese Fassung fast in Vergessenheit geraten ist. Das wahrhaft Kunstvolle an „Frauenliebe und -leben“ ist die einzigartige Musik, die Chamissos Gedichtesammlung inhaltlich stark aufwertet.

Franck-Thomas Link


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