Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.


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Johannes Krebs und Franck-Thomas Link

Kammerkonzert in Nartum

Zu Gast bei der Kempowski Stiftung

Freitag, 3. September 2010, 20.00 Uhr
Haus Kreienhoop, 27404 Nartum

Die Fahrt nach Kreienhoop, dem ehemaligen Wohnsitz Walter Kempowskis, lohnt sich: Es erklingen Werke von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms, gespielt von Johannes Krebs, 1. Solocellist der Bremer Philharmoniker, und Franck-Thomas Link, künstlerischer Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins.



kempowski.de


Ludwig van Beethoven,
7 Variationen über das Duett: Bei Männern, welche Liebe fühlen

entstanden 1801, Graf Johann Georg von Browne gewidmet

Ludwig van Beethoven,
Sonate für Violoncello und Klavier A-Dur op. 69

Allegro ma non tanto
Scherzo: Allegro molto
Adagio cantabile
Allegro vivace

Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier e-moll op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro


Die Variationen für Violoncello und Klavier über das Duett von Pamina und Papageno „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ stammen aus der mittleren Periode Beethovens. Beethoven hat außer diesem Zyklus auch noch ein zweites Variationswerk über ein Thema aus der „Zauberflöte“ geschrieben, nämlich über die Arie des Papageno „Ein Mädchen oder Weibchen“. Beide Zyklen entstanden um die Jahrhundertwende, die Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“ erschienen 1798, die über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ 1801. Es war durchaus üblich, berühmte Opernthemen kammermusikalisch zu bearbeiten, um diese Musik auch der Hausmusik zugänglich zu machen. In der Entstehungszeit der Variationen war Beethovens Musik zum großen Teil davon bestimmt, dass Beethoven selbst viel konzertierte und den Status eines Stars in Wien genoss. Der große Reiz dieser Werke besteht im Kontrast zwischen populären, volksliedhaften Themen und kompositorischen Anspruch in der Behandlung der Variationsform, die von den Interpreten höchste technische Brillianz fordert.

Franck-Thomas Link


Große Sonaten für Violoncello und Klavier waren zu Beethovens Zeiten gewissermaßen eine Novum. Zwar hatte sich die klassische Violinsonate bereits bei Mozart und Haydn etabliert, aber die anderen Streichinstrumente waren von dieser Entwicklung bis zu Beethovens Zeit nahezu unberührt geblieben. Beethoven hat fünf Cellosonaten geschrieben, bei denen die A-Dur Sonate an dritter, also zentraler Stelle steht. Obwohl Beethoven in dieser Gattung quasi Neuland betrat, sind alle fünf Sonaten große Meisterwerke, die auch heute noch in allen Konzertzentren der Welt von größter Bedeutung sind. Die beiden ersten Sonaten wurden unter op. 5 zusammengefasst, die beiden letzten zu op. 102 und die A-Dur Sonate steht allein als op. 69. Diese Opuszahlen verraten einiges darüber, aus welchen Schaffensperioden die Sonaten stammen. Eigentlich repräsentieren die Cellosonaten die drei wesentlichen Perioden Beethovens (früh-mittel-spät) sehr charakteristisch. Die A-Dur Sonate entstand 1808, also in der Schaffensphase, in der Beethoven außerordentlich erfolgreich war und das Wiener Konzertleben absolut bestimmte. Der Sonate vorangegangen waren die 5. (Schicksalssymphonie) und die 6. (Pastorale) Symphonie und nach ihr entstand sehr bald die Oper „Fidelio“. Beethoven war gewissermaßen ein Star und ständig selbst auf der Bühne als Pianist oder Dirigent tätig. So überrascht es nicht, dass die Sonate gegenüber den 4 anderen Cellosonaten wohl die publikumswirksamste ist. Sie war direkt für den Konzertsaal geschrieben und weniger ein Experiment wie die beiden frühen Sonaten oder eine philosophische Aussage wie die beiden späten Sonaten, die entstanden, als Beethovens bereits im Zustand der Taubheit und Vereinsamung lebte.

Franck-Thomas Link


Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Johannes Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, früher noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich viersätzig, entfernte Brahms jedoch kurzerhand vor der Veröffentlichung das Adagio; möglicherweise aus Sorge, die Sonate könne zu lang werden. Sehr zum Leidwesen der Musikforschung vernichtete er, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte, wahrscheinlich auch diesen langsamen Satz. Die erste öffentliche Aufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass Brahms Name noch zum Entstehungszeitpunkt der Sonate keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge trafen erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.

In der abendländischen Musiktradition gilt Brahms nicht als der erste Komponist, der eine Sonate für Violoncello und Klavier schuf. Vielmehr sind Beethovens Cello-Sonaten als Grundlage dieser Gattung anzusehen, die sich anschließend durch Brahms Kompositionen in der europäischen Romantik und Moderne auf umfangreiche Art entwickelte. Natürlich war sich Brahms der Rolle als Nachfolger Beethovens schon sehr früh bewusst und hatte mit Sicherheit Beethovens Cello-Sonaten nicht nur gründlich studiert, sondern auch, als ausgezeichneter Pianist, häufig selbst aufgeführt. Vermutlich reichte bereits jene gute Kenntnis der Beethoven-Sonaten zur Inspiration für seine beiden großen Cello-Sonaten aus. In Bezug auf Brahms bekanntlich differenziertes Verhältnis zur Tradition verwundert es nicht, dass die Beziehung seiner e-moll Sonate zu den Vorgängern eine besondere ist. Während der erste Satz stark an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, lassen sich beim Finale eher Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen.

Henning Albrecht