Kammerkonzert in Nartum
Zu Gast bei der Kempowski Stiftung
Haus Kreienhoop, 27404 Nartum
Die Fahrt nach Kreienhoop, dem ehemaligen Wohnsitz Walter Kempowskis, lohnt sich: Es erklingen Werke von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms, gespielt von Johannes Krebs, 1. Solocellist der Bremer Philharmoniker, und Franck-Thomas Link, künstlerischer Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins.
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Johannes Krebs, Bremen, Violoncello
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Franck-Thomas Link, Klavier
Ludwig van Beethoven,
7 Variationen für Violoncello und Klavier über: Bei Männern, welche Liebe fühlen, 1801
Graf Johann Georg von Browne gewidmet
Ludwig van Beethoven,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 3 A-Dur op. 69
Allegro ma non tanto
Scherzo: Allegro molto
Adagio cantabile
Allegro vivace
Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-moll op. 38
Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro
Die Variationen für Violoncello und Klavier über Pamina und Papagenos Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ stammen aus Beethovens mittlerer Periode. Er hat noch ein zweites Variationswerk über ein Thema aus der „Zauberflöte“ geschrieben, nämlich über Papagenos „Ein Mädchen oder Weibchen“. Es war durchaus üblich, berühmte Opernthemen kammermusikalisch zu bearbeiten, um diese Musik auch der Hausmusik zugänglich zu machen. Der große Reiz dieser Werke besteht im Kontrast zwischen populären, volksliedhaften Themen und dem kompositorischen Anspruch in der Behandlung der Variationsform, der von den Interpreten höchste technische Brillianz fordert.
Franck-Thomas Link
Große Sonaten für Violoncello und Klavier waren zu Beethovens Zeit ein Novum. Zwar hatte sich die klassische Violinsonate bereits bei Mozart und Haydn etabliert, aber die anderen Streichinstrumente waren von dieser Entwicklung nahezu unberührt geblieben. Beethoven schrieb fünf Cellosonaten, die A-Dur Sonate steht an dritter, also zentraler Stelle. Obwohl Beethoven in dieser Gattung Neuland betrat, sind alle fünf Sonaten Meisterwerke. Die A-Dur Sonate entstand 1808, also in der Schaffensphase, in der Beethoven außerordentlich erfolgreich war und das Wiener Konzertleben absolut bestimmte. Der Sonate vorangegangen waren die 5. (Schicksalssymphonie) und die 6. (Pastorale) Symphonie, und nach ihr entstand sehr bald die Oper „Fidelio“. Beethoven war ein Star und ständig selbst auf der Bühne als Pianist oder Dirigent präsent. Die A-Dur Sonate war direkt für den Konzertsaal geschrieben und ist weniger ein Experiment wie die beiden frühen Sonaten, oder eine philosophische Aussage wie die beiden späten Sonaten, die entstanden, als Beethoven bereits im Zustand der Taubheit und Vereinsamung lebte.
Franck-Thomas Link
Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Johannes Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, früher noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich viersätzig, entfernte Brahms jedoch kurzerhand vor der Veröffentlichung das Adagio; möglicherweise aus Sorge, die Sonate könne zu lang werden. Sehr zum Leidwesen der Musikforschung vernichtete er, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte, wahrscheinlich auch diesen langsamen Satz. Die erste öffentliche Aufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass Brahms Name noch zum Entstehungszeitpunkt der Sonate keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge trafen erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.
In der abendländischen Musiktradition gilt Brahms nicht als der erste Komponist, der eine Sonate für Violoncello und Klavier schuf. Vielmehr sind Beethovens Cello-Sonaten als Grundlage dieser Gattung anzusehen, die sich anschließend durch Brahms Kompositionen in der europäischen Romantik und Moderne auf umfangreiche Art entwickelte. Natürlich war sich Brahms der Rolle als Nachfolger Beethovens schon sehr früh bewusst und hatte mit Sicherheit Beethovens Cello-Sonaten nicht nur gründlich studiert, sondern auch, als ausgezeichneter Pianist, häufig selbst aufgeführt. Vermutlich reichte bereits jene gute Kenntnis der Beethoven-Sonaten zur Inspiration für seine beiden großen Cello-Sonaten aus. In Bezug auf Brahms bekanntlich differenziertes Verhältnis zur Tradition verwundert es nicht, dass die Beziehung seiner e-moll Sonate zu den Vorgängern eine besondere ist. Während der erste Satz stark an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, lassen sich beim Finale eher Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen.
Henning Albrecht
kammerkunst.de/767/