Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.


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Festkonzert Johannes Brahms


Marstall in Winsen (Luhe)
Schlossplatz 1, 21423 Winsen

Telefonische Kartenreservierung: 0 41 71 - 60 19 90
Die Abendkasse ist ab 19.15 Uhr geöffnet
Eintritt: 18 - 10 EUR.



Kulturverein Winsen / Luhe


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Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-moll op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro

Johannes Brahms,
Drei Lieder für Alt und Klavier

Von ewiger Liebe (Wenzig) op. 43 Nr. 1
Nicht mehr zu Dir zu gehen (Daumer) op. 32 Nr. 2
Meine Liebe ist grün (Felix Schumann) op. 63 Nr.5

Johannes Brahms,
Scherzo c-moll für Violine und Klavier

Brahms Beitrag zur FAE-Sonate

Johannes Brahms,
Zwei Lieder für Altstimme, Viola und Klavier op.91

Gestillte Sehnsucht
Geistliches Wiegenlied

Johannes Brahms,
Klavierquartett g-moll op. 25, 1861

Allegro
Intermezzo: Allegro ma non troppo
Andante con moto
Rondo alla zingarese


Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Johannes Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, früher noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich viersätzig, entfernte Brahms jedoch kurzerhand vor der Veröffentlichung das Adagio; möglicherweise aus Sorge, die Sonate könne zu lang werden. Sehr zum Leidwesen der Musikforschung vernichtete er, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte, wahrscheinlich auch diesen langsamen Satz. Die erste öffentliche Aufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass Brahms Name noch zum Entstehungszeitpunkt der Sonate keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge trafen erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.

In der abendländischen Musiktradition gilt Brahms nicht als der erste Komponist, der eine Sonate für Violoncello und Klavier schuf. Vielmehr sind Beethovens Cello-Sonaten als Grundlage dieser Gattung anzusehen, die sich anschließend durch Brahms Kompositionen in der europäischen Romantik und Moderne auf umfangreiche Art entwickelte. Natürlich war sich Brahms der Rolle als Nachfolger Beethovens schon sehr früh bewusst und hatte mit Sicherheit Beethovens Cello-Sonaten nicht nur gründlich studiert, sondern auch, als ausgezeichneter Pianist, häufig selbst aufgeführt. Vermutlich reichte bereits jene gute Kenntnis der Beethoven-Sonaten zur Inspiration für seine beiden großen Cello-Sonaten aus. In Bezug auf Brahms bekanntlich differenziertes Verhältnis zur Tradition verwundert es nicht, dass die Beziehung seiner e-moll Sonate zu den Vorgängern eine besondere ist. Während der erste Satz stark an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, lassen sich beim Finale eher Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen.

Henning Albrecht


In "Von ewiger Liebe" beschreiben Joseph Wenzig und Johannes Brahms die Situation eines Bauernburschen, der seine Geliebte freigeben möchte, weil sie seiner niedern Herkunft wegen verspottet und immer wieder gekränkt wird. Aber das Mädchen bleibt bei ihm und trotzt der Verachtung, der sie durch diese liebe ausgesetzt ist.

"Nicht mehr zu Dir zu gehen" ist eines von rund 50 Gedichten Georg Friedrich Daumers, die Johannes Brahms vertonte. Interessant ist, dass Daumer derjenige war, dem die Erziehung des Findlings Kaspar Hauser angetragen war, über dessen Herkunft und Entwicklung Daumer mehrere Veröffentlichungen gemacht hat. Dieser Stoff ist noch heut von großem öffentlichen Interesse und hat auch als Vorlage für einen berühmten Film gedient. Im Gedicht "Nicht mehr zu Dir zu gehen" geht es um die Hoffnungslosigkeit eines unglücklichen Liebenden, der sich vergeblich bemüht, sein Gefühl hinter sich zu lassen.

"Meine Liebe ist grün" ist eine stürmische Schwärmerei eines leidenschaftlich verliebten Menschen, der vom Rausch seiner Liebe erzählt. Dieses Gedicht stammt aus der Feder Felix Schumanns, dem Sohn von Clara und Robert Schumann.

Franck-Thomas Link


Zur Ehrung des Geigers Joseph Joachim, einem engen Freund von Brahms und Schumann, komponierten drei Komponisten, Robert Schumann, Albert Dietrich und Johannes Brahms gemeinsam eine Violinsonate. Brahms schrieb für dieses Werk den dritten Satz, das Scherzo, Dietrich den Kopfsatz und Schumann den zweiten und vierten Satz. Zwar sind die vier Sätze stilistisch vollkommen unterschiedlich, allerdings haben alle drei beteiligten Komponisten der Sonate jeweils Meisterwerke beigesteuert. So erklärt sich auch, warum die einzelnen Sätze sehr oft auch einzeln aufgeführt werden. Zur gemeinsamen Grundlage der Sonate lag die Tonfolge FAE, gewissermaßen als Kürzel für das Lebensmotto Joseph Joachims, das dieser immer mit "frei aber einsam" beschrieb. Brahms komponierte mit seinem Scherzo ein überschäumendes Werk, in dessen Vordergrund das Klavier steht, der Violinpart spielt gewissermaßen eine untergeordnete Rolle, wenngleich er dem Geiger technisch vieles abverlangt. Der Gestus des Scherzos erinnert an das Scherzo aus Brahms erster Klaviersonate (C-Dur op. 1), die er ebenfalls Joseph Joachim gewidmet hatte.

Franck-Thomas Link


"Gestillte Sehnsucht" (Rückert) und "Geistliches Wiegenlied" (Lope de Vegas) op. 91 für Alt, Viola und Klavier Brahms besetzte in op. 91 interessanterweise neben dem Klavier die tiefe Frauenstimme und die Bratsche.

Diese Kombination beider tiefen, warmen Klänge steht in der Liedliteratur beinahe einzig da. Zum fast übergroßen Reichtum in der Begleitung und ihrer rhythmischen Kompliziertheit bilden die beiden Stimmen eng miteinander verflochten und klangreich ein Gegengewicht. Im ersten der beiden Lieder konzertieren Alt und Bratsche miteinander ein Sehnsuchtsthema. Im „Geistlichen Wiegenlied“ erklingt das weihnachtliche Motiv "Joseph, lieber Joseph mein", hier ausschließlich von der Bratsche gespielt. Der Liedtext lässt offen, ob Maria das Jesuskindlein im Schoße wiegt, oder nicht vielmehr die Mater dolorosa den gekreuzigten Christus.

Franck-Thomas Link


Die Gattung Klavierquartett (Klavier, Violine, Viola, Violoncello) hat eine langsame Entwicklung über Jahrhunderte durchgemacht. Die ersten Werke in dieser Besetzung stammen von Mozart, danach hat erst Robert Schumann sich wieder damit beschäftigt. Johannes Brahms hat mit drei demonstrativ großen Monumenten dafür gesorgt, dass diese Besetzung auch noch heute in der Kammermusik eine sehr wichtige Rolle spielt. So schloss z.B. der für das 20. Jahrhundert äußerst wichtige amerikanische Komponist Morton Feldman sein Lebenswerk mit einem solchen Quartett ab. Das g-moll Quartett gilt auf den Konzertpodien der ganzen Welt als eines der beliebtesten Werke seiner Gattung, nicht zuletzt weil sich der Ernst und die Tiefe der ersten drei Sätze im „Rondo alla zingarese“ aufhellen. Dieses Finale ist ein zigeunermusikalisches Feuerwerk, mit allen Stilmitteln, die die Zigeunermusik zu bieten hat: ein großes Cymbal-Solo (in Vertretung vom Klavier zelebriert), melancholische Melodien, und vor allem das immer wiederkehrende, tanzende Ritornell. Der Satz scheint ein ganzes Zigeunerfest zu verkörpern. Brahms' Affinität zur Zigeunermusik (man denke in diesem Zusammenhang auch an seine beiden Zyklen von Zigeunerliedern op. 103 und op. 112) geht einerseits auf seine tiefe Liebe zur Volksmusik zurück, andererseits war die Zigeunermusik in Wien in Mode. Es war populär, in „exotischem“ Stil zu komponieren. In vergleichbarem Zusammenhang entstanden auch Brahms' Ungarische Tänze. Das g-moll Quartett ist so reich in seiner Architektur und in seinen musikalischen Nuancen, dass Arnold Schönberg dieses Werk für Orchester bearbeitet hat, um, wie er sagte, „endlich einmal alles zu hören, was in der Partitur steht“.

Franck-Thomas Link