Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.


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Delikate Kammerkunst

Der Hamburger Kammerkunstverein zu Gast im Restaurant Esskultur.


Trommelstraße 4
20359 Hamburg

Beethoven und Brahms

Delikate Kammerkunst, Pressemeldung als PDF



Esskultur Hamburg


Ludwig van Beethoven,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 3 A-Dur op. 69

Allegro ma non tanto
Scherzo: Allegro molto
Adagio cantabile
Allegro vivace

Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-moll op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro


Große Sonaten für Violoncello und Klavier waren zu Beethovens Zeit ein Novum. Zwar hatte sich die klassische Violinsonate bereits bei Mozart und Haydn etabliert, aber die anderen Streichinstrumente waren von dieser Entwicklung nahezu unberührt geblieben. Beethoven schrieb fünf Cellosonaten, die A-Dur Sonate steht an dritter, also zentraler Stelle. Obwohl Beethoven in dieser Gattung Neuland betrat, sind alle fünf Sonaten Meisterwerke. Die A-Dur Sonate entstand 1808, also in der Schaffensphase, in der Beethoven außerordentlich erfolgreich war und das Wiener Konzertleben absolut bestimmte. Der Sonate vorangegangen waren die 5. (Schicksalssymphonie) und die 6. (Pastorale) Symphonie, und nach ihr entstand sehr bald die Oper „Fidelio“. Beethoven war ein Star und ständig selbst auf der Bühne als Pianist oder Dirigent präsent. Die A-Dur Sonate war direkt für den Konzertsaal geschrieben und ist weniger ein Experiment wie die beiden frühen Sonaten, oder eine philosophische Aussage wie die beiden späten Sonaten, die entstanden, als Beethoven bereits im Zustand der Taubheit und Vereinsamung lebte.

Franck-Thomas Link


Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Johannes Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, früher noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich viersätzig, entfernte Brahms jedoch kurzerhand vor der Veröffentlichung das Adagio; möglicherweise aus Sorge, die Sonate könne zu lang werden. Sehr zum Leidwesen der Musikforschung vernichtete er, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte, wahrscheinlich auch diesen langsamen Satz. Die erste öffentliche Aufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass Brahms Name noch zum Entstehungszeitpunkt der Sonate keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge trafen erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.

In der abendländischen Musiktradition gilt Brahms nicht als der erste Komponist, der eine Sonate für Violoncello und Klavier schuf. Vielmehr sind Beethovens Cello-Sonaten als Grundlage dieser Gattung anzusehen, die sich anschließend durch Brahms Kompositionen in der europäischen Romantik und Moderne auf umfangreiche Art entwickelte. Natürlich war sich Brahms der Rolle als Nachfolger Beethovens schon sehr früh bewusst und hatte mit Sicherheit Beethovens Cello-Sonaten nicht nur gründlich studiert, sondern auch, als ausgezeichneter Pianist, häufig selbst aufgeführt. Vermutlich reichte bereits jene gute Kenntnis der Beethoven-Sonaten zur Inspiration für seine beiden großen Cello-Sonaten aus. In Bezug auf Brahms bekanntlich differenziertes Verhältnis zur Tradition verwundert es nicht, dass die Beziehung seiner e-moll Sonate zu den Vorgängern eine besondere ist. Während der erste Satz stark an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, lassen sich beim Finale eher Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen.

Henning Albrecht