Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Premiere "Fast Faust"


Probenraum des Kammerkunstvereins, Conventstraße 8-10, Haus D, 3. Stock


Fast Faust

Ein Lustspiel für zwei Schauspieler
von Albert Frank
Regie: Franz Burkhard

Premiere: Samstag, 24. Juni 2006, 20.00 Uhr im Kammerkunstverein

Weitere Vorstellung im Kammerkunstverein: So, 25. Juni, 20.00 Uhr

Vorstellungen im Hamburger Sprechwerk, Klaus-Groth-Str. 23: 4. bis 6. Juli 2006, jeweils 19.30 Uhr


"Weg mit dem Ballast! Hin zum Wesentlichen! Hin zum Dichter!" Das ist das Motto der drei Schauspieler des "Dramenterzetts". Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die großen Dramen der Literatur unters einfache Volk zu bringen. Sie brauchen für 57 Rollen keine aufwändigen Bühnenbilder oder Kostüme. In der auf drei Personen reduzierten Version, dosiert auf leicht verdauliche 90 Minuten, liegen sie ganz im Trend der Zeit. Auch Goethes Monumentaldrama "Faust" mit Titelheld Faust, Mephisto und Gretchen ist im Grunde locker zu dritt zu schaffen - wenn nichts dazwischenkommt. Doch es kam etwas dazwischen. Die Darstellerin des Gretchen hat Rolle mit Leben verwechselt und befindet sich in anderen Umständen - geschwängert von Heiner, dem zweiten Schauspieler. André, der Impressario, wütend über soviel Ignoranz der Kunst gegenüber, zwingt seinen Kollegen Heiner, nun auch alle Rollen Hannahs zu übernehmen und verleiht dem Stück damit ungewollt völlig neue Dimensionen ...

Das Lustspiel "Fast Faust" ist deutsches Bildungsgut mit Spaßgarantie. Es erzählt den hehren Klassiker als vergnügliches Theater auf dem Theater.


WENN FAUST MAL GANZ GEHÖRIG AUS DER ROLLE FÄLLT
mopo, 7. Juli 2006, Dagmar Fischer

Im Theater Tränen zu lachen, könnte uncool sein, ist aber bei "Fast Faust" unvermeidlich. Autor Albert Frank stutzte den mehrstündigen Goethe-Klassiker auf das Format von 90 Minuten, schob private Beziehungen der Schauspieler ein, und hat damit sämtliche Zuschauer-Lacher auf seiner Seite. Wenn dann noch zwei wie Ben Jung und Mirko Thiele die Rollen von Faust, Gott, Mephisto, Gretchen und allen anderen übernehmen, wird Theater zum Brüllen komisch.

Die Idee liegt auf der Hand: in Zeiten inflationär auftretender Abkürzungen auch Theaterstücke zu kürzen. Vom Original bleibt in "Fast Faust" noch genug übrig, um die Schauspieler kurzzeitig als Klassik-Interpreten gut aussehen zu lassen: ein qualmender, hinkender Mephisto, ein zweifelnder Faust. Doch da die weibliche Darstellerin, frei nach Gretchens Vorbild, schwanger wurde, übernehmen die beiden Männer, bezopft und mit Luftballonbusen, die Frauenrollen. Und weil das der cholerische Regisseur und Faust-Darsteller erst kurz nach Beginn der Vorstellung erfährt, ergeben sich beste Slapstick-Situationen und gut improvisierte Pannen. Auch das Publikum muss einspringen, schließlich beherrscht keiner der Männer Gretchens Text wirklich flüssig. Faust jedoch fällt immer wieder aus der Rolle und wirft seinem einzig verbleibenden Mitarbeiter höchst privat nicht nur das Schwängern der Kollegin vor, sondern auch noch die Kündigung hin - alles zwischen Hexenküche und Studierzimmer. Allerbestes Komödiantentum.