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Frisch und mild

Feierabendkonzert im Oberhafen

Hindemiths Sonate für Bratsche und Klavier op. 25 Nr. 4 ist ein Stück, das oft erstaunlich kühl und spöde klingt, man könnte auch sagen, es ist von deutscher Hässlichkeit. Gottseidank weiß man, dass Hindemith ein Mann mit großem Humor war, und so können wir vermuten, dass die schroffen Töne sicher auch eine Ironie in sich tragen.

Beethovens Notturno G-Dur op. 42 für Viola und Klavier, urspünglich wahrscheinlich als Klaviertio konzipiert, ist voller weicher, warmer, schwärmerischer Klänge.

Ein Konzert voller Kontraste, die sich insgesamt zu einem erfüllenden Ganzen fügen.

Bar und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 12 € / Abendkasse 17 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Halle 424


Paul Hindemith,
Sonate für Bratsche und Klavier op. 25 Nr. 4

Sehr lebhaft. Markiert und kraftvoll
Sehr langsame Viertel
Finale. Lebhafte Viertel

Ludwig van Beethoven,
Notturno G-Dur op. 42 für Viola und Klavier (1804)

Marcia, Allegro
Adagio
Minuetto
Adagio
Allegretto alla Polacca
Andante quasi Allegretto


Paul Hindemith war selbst Bratschist, was seine besondere Liebe zu diesem Instrument erklärt - er schrieb mehr Musik für Solobratsche als jeder andere Komponist. Neben 4 Solosonaten, 3 Konzerten, einer Trauermusik komponierte er auch 3 Sonaten für Bratsche mit Klavier. Obwohl seine Sonate op. 25 Nr. 4 für Bratsche und Klavier von 1922 ein frühes Werk ist, ist - zumindest in den ersten beiden Sätzen - jeder einzelne Takt schon echt Hindemith. Das Klavier spielt eine ungewöhnlich prominente Rolle, indem es den ersten Satz mit einem ausgedehnten Solo öffnet, bevor die Bratsche für ein getriebenes Allegro mit einem sanfteren, aber kaum friedlicheren zweiten Thema mit einstimmt. Das Verpuffen dieser Energie in der Coda ist umso unerwarteter, wie auch die Eloquenz des langsamen Satzes, einer Art leidenschaftlichen Monologs für die Bratsche gegenüber läutenden Klavierakkorden: manchmal glockenhaft, manchmal wie ein Choral. Das Finale bricht mit brüsk perkussiven Gesten in beiden Instrumenten herein und entwickelt sich in ein entschlossenes, anregendes Moto perpetuo. Dies ist offensichtlich (und für Hindemith ungewöhnlich) von ausgedehnten Anspielungen an osteuropäische Musik erfüllt. Man bekommt das Gefühl, dass seine Begegnung mit den brillanten Kammermusikwerken von Kodály und Bartók auf zeitgenössischen Musikfestspielen auf ihn abgefärbt hatte.


Wer sich über die Entstehung des Notturno in D-Dur informiert, findet verschiedene Erklärungen, von denen man keine als eindeutig zutreffend bezeichnen möchte. Selbst die Musikwissenschaft hält mehrere Theorien für möglich, keine jedoch für die Richtige. In jeder Hinsicht gibt es viel Anlass zu Spekulationen. Fest steht, dass mit diesem Werk eine Perle der Kammermusik auf die Bühne geholt wird.

Das heute gespielte Notturno op. 42 für Viola und Klavier wurde im Jahr 1804 veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nahm man an, das Werk sei von Beethoven selbst nach seiner Serenade für Violine, Viola und Violoncello arrangiert worden.

Ulrich Druner, Experte für Viola-Musik des 19. Jahrhunderts, vermutet in diesem Zusammenhang hingegen, dass die veröffentlichte Transkription in Wirklichkeit das Werk eines anderen Künstlers sei. Möglicherweise liege der Verdienst bei Franz Xaver Kleinheinz oder Ferdinand Ries. Beethoven selbst sei lediglich für das Sichten des Manuskripts sowie für einige Korrekturen in der Partitur verantwortlich gewesen. Er begründet dies auf der Grundlage von Beethovens Aufzeichnungen. Im Jahr 1979 veröffentlichte Druner letztlich einen exemplarischen Urtext des Notturno. Zuvor bereits gewann das Werk eine ungeahnte Popularität durch die überarbeitete Druckversion des Viola-Virtuosen William Primrose. Trotz der vielen, durchaus zweifelhaften Freiheiten, die sich Primrose bei seiner Edition gegenüber dem originalen Notentext erlaubte, bestritt er mit „seinem Notturno“ unzählige Aufführungen.

Die beim heutigen Konzert verwendete Ausgabe basiert zwar auf dem Urtext, ist aber gleichzeitig ein Versuch, die Aussagekraft beider Instrumente sowie deren künstlerische Qualitäten durch interpretatorische Vorschläge anzugleichen.

Henning Albrecht



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