Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Tickets

Flautissimo: Slawische Klänge

Feierabendkonzert im Oberhafen

Rebecca Lenton, 2020

Nach der Uraufführung von Prokofjew Flötensonate wurde der Geiger David Oistrach bei Prokofjew vorstellig und bat den Komponisten darum, die Sonate auch für die Violine einzurichten. Umgekehrt gehören Bartóks Rumänische Tänze zum Standardrepertoire der Violine, lassen sich aber ausgezeichnet auf der Flöte darstellen. Überraschend vielfältige Flötenklänge also in diesem Feierabendkonzert.

Bar und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



- entfällt wegen Corona -

Gekaufte Karten können bei einem anderen Konzert verwendet werden, wir erstatten auch zurück, schreiben Sie uns einfach, oder Sie belassen den bereits bezahlten Betrag als Unterstützung für den Kammerkunstverein bei uns. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Halle 424


Béla Bartók,
Rumänische Volkstänze für Violine und Klavier

1. Jocul cu bâta (Stabtanz). Allegro moderato
2. Brâul (Rundtanz). Allegro
3. Pe Loc (Stampftanz). Moderato
4. Bubiumeana (Kettentanz). Moderato
5. Poarga românesca (Rumänische Polka)
6. Allegro
7. Mâruntel (Zwei Schnelltänze). Allegro
8. Allegro vivace

Sergei Sergejewitsch Prokofjew,
Sonate op. 94a für Flöte (Violine) und Klavier

Moderato
Presto
Andante
Allegro con brio


Ausgestattet mit Spazierstock, Rucksack und Phonograph begab sich 1905 ein junger Komponist aus Budapest auf die Reise. Der 24jährige Béla Bartók hatte sich vorgenommen, in den Weiten des damaligen Königreichs Ungarn die authentische Bauernmusik zu erforschen. Das kitschige Gefiedel der pseudo-ungarischen Zigeunerkapellen in Budapests Kaffeehäusern hatte für ihn nichts mit originaler Volksmusik zu tun. Er wollte bei den Bauern selbst durch Schall- und Notenaufzeichnung die überlieferten Volksmelodien und -tänze dokumentieren.

Für Bartók wurde dieses Vorhaben zum Lebenswerk, das ihn Jahrzehnte lang beschäftigte. Er widmete ihm später nicht nur eine vierbändige Anthologie der Volksgesänge seiner Heimat, sondern auch diverse eigene Kompositionen – vom Volksliedarrangement bis hin zur freien Verarbeitung der Melodien.

Vor 1918 gehörte zu Ungarn auch Siebenbürgen, die teilweise deutsch besiedelte Region im heutigen Rumänien. Auch dort sammelte Bartók Volksmelodien und fasste sie zu der Sammlung Rumänische Volkstänze aus Ungarn zusammen, eine Anthologie, die nicht weniger als 1115 instrumentale Melodien enthält. Sieben von ihnen stellte er 1915 zu einer kleinen Klaviersuite zusammen, die er einem Gymnasiallehrer in Belényes, dem rumänischen Beius, widmete, der ihm bei seinen Volksliedforschungen in Siebenbürgen hilfreich zur Seite gestanden hatte. 1917 arrangierte Bartók diese Klaviersuite wiederum für kleines Orchester, eine Fassung, an die sich andere Bearbeitungen für Streichorchester oder auch Violine und Klavier anschlossen. Wir hören die Fassung für Streichorchester mit Solovioline.

Die Bauern in Ungarn und Rumänien reihten ihre Dorftänze gewöhnlich zu Fünfer- oder Siebenerfolgen auf. Bartók hat den Aufbau einer solchen Folge nachgeahmt. Auf den einleitenden Stabtanz der jungen Männer (Nr. 1) folgt ein Braúl, ein Rundtanz aus Torontal (Nr. 2). Erst danach vereinen sich die Paare zum Stampftanz (Nr. 3). Aus dem Dorf Butschum stammt der folgende Kettentanz (Nr. 4). Die Rumänische Polka ist in Wahrheit ein „Zwiefacher“, ein Tanz, der ständig zwischen Zweier- und Dreiertakt wechselt (Nr. 5). Zwei Schnelltänze beschließen die Serie (Nr. 6). Der erste stammt aus Bihar, der zweite aus Torda. Beide lassen, obwohl rein instrumental, noch die Gliederung solcher Gruppentänze erkennen: Jeweils durch Zuruf wechselte die Konstellation der Tanzenden. Auch sonst ist es der rustikale Charme, die unverstellte Authentizität dieser Musik, die uns in den Bann zieht. Bartóks Rumänische Volkstänze schmecken förmlich nach Dorfschenke.

kammermusikfuehrer.de


Die Sonate op. 94 für Flöte und Klavier von Sergej Prokofjew wurde im Jahre 1943 uraufgeführt. Prokofjew war in dieser Zeit 52 Jahre alt und bereits auf der ganzen Welt berühmt, vor allem als Konzertpianist. Er hatte Konzertreisen nach Frankreich und England, sowie in die USA und nach Japan hinter sich und einige Jahre in Frankreich gelebt, wo er insbesondere Maurice Ravel, Francis Poulenc und Richard Strauss begegnet war. Danach war er nach Moskau zurückgekehrt, wo er die letzten knapp 20 Jahre seines Lebens verbrachte.

Prokofjew selbst sagte über seine Sonate, sie weise vier Grundlinien auf:

1. Die klassische Linie. Obwohl zu Prokofjew Zeit sehr viele formale, kompositorische Traditionen über Bord geworfen worden waren, bewegte er sich oft in einer neoklassizistischen Weise in den Formen der Sonate und den Tanzformen des 18. Jahrhunderts, so auch im 2. Satz der Flötensonate.

2. Die moderne Linie. Prokofjew forderte eine „harmonische Sprache zum Ausdruck machtvoller Empfindungen“, die bis an den „Irrweg“ des Atonalismus führen konnte. Bereits nach dem ersten Weltkrieg stieß sein zweites Klavierkonzert deshalb als „futuristisch“ beim Publikum auf Ablehnung. 1948 wurde er wegen „atonaler und formalistischer Tendenzen und Verstößen gegen den Geist des sozialistischen Realismus“ öffentlich gerügt.

3. Die motorische Linie. Wieder ausgehend von einer historischen Form, der Toccata, die nach Bach erst Robert Schumann wieder ins Gespräch brachte (C-Dur Toccata op. 7), gibt es in Prokofjews Klavier- und Klavierkammermusik eigentlich in fast allen Fällen diese rhythmisch-motorische Kraft.

4. Die lyrische Linie. Seit den Visions fugitives op. 22 gehört dieser Aspekt unerlässlich zu Prokofiews Musik. Damit meint Prokofjew allerdings nicht den gewohnten romantischen Klang, sondern meist den Ausdruck von Skurrilem und Groteskem.

Die Flötensonate ist das Werk des erfahrenen und als Komponist ausgereiften Prokofjew. Es ist selten, dass ein Komponist so eindeutig über seine Musik sprechen konnte und wollte. Sie ist ein Meisterwerk, weil sie Einblick in die wesentlichen Schattierungen des Schaffens des genialen Komponisten gewährt. Der Erfolg der Sonate war so groß, dass David Oistrach direkt nach der Uraufführung Prokofjew um eine Adaption für Violine bat. Die hat er auch bekommen und deshalb wird die Sonate op. 94a auch als 2. Violinsonate bezeichnet.

Franck-Thomas Link



Tickets

Reservierung über tickets at antispam-dies-bitte-entfernen kammerkunst punkt de und +49 40 31796940.

Oder einfach online reservieren und, wenn gewünscht, bezahlen:


Flautissimo: Slawische Klänge
Feierabendkonzert im Oberhafen








  Stück

Dieses Feld bitte leer lassen, es dient als Spam-Falle.


Dürfen wir Sie künftig per Email einladen?

Ja, gerne