312. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg
Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Leoš Janáček
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Juditha Haeberlin, Violine
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Franck-Thomas Link, Klavier
Der Eintritt ist frei.
Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus
Wolfgang Amadeus Mozart,
Sonate für Klavier und Violine e-moll KV 304 (1778)
Allegro
Tempo di Minuetto
Leoš Janácek,
Sonate für Violine und Klavier (1914 - 21)
Con moto
Ballade
Allegretto
Adagio
Paris, Sommer 1778. Mozart ist 22, allein in einer Stadt, die ihn nicht haben will, und hat gerade seine Mutter begraben.
In diesem Sommer schrieb Mozart die Sonate KV 304. Es ist seine einzige Violinsonate in Moll. Zwei Sätze, kein langsamer Mittelteil, kein dramatischer Ausbruch. Klavier und Violine beginnen das erste Thema im Pianissimo-Unisono, als flüsterten sie. Im zweiten Satz — einem Tempo di Minuetto, das nicht zum Tanzen einlädt — öffnet sich für einen kurzen Mittelteil ein lichtes E-Dur mit der Vortragsbezeichnung dolce: leise, zart, fast tröstlich. Dann schließt sich die Mollwelt wieder.
Alfred Einstein hat diese Sonate einmal ein „Wunder unter Mozarts Werken“ genannt. Wenig Noten, viel Stille.
Leoš Janácek komponierte um 1914 in Brünn, abseits der großen Musikzentren. Zeitgleich mit dem französischen Impressionismus (Debussy, Ravel), der Neuen Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern) und der russischen Moderne (Strawinsky, Prokofjew) entwickelte er seinen eigenen Weg.
Er fand ihn in der Volksmusik Mährens und in der „Sprechmelodie" – einer Nachbildung der natürlichen Sprachrhythmen, die er in seine Kompositionen integrierte. Janácek verabschiedete sich nicht von der romantischen Emotionalität, sondern steigerte sie ins Extreme. Seine Musik klingt oft kantig, aufgewühlt, nervös.
Seine Sonate für Violine und Klavier führt diese Eigenart ins Extreme. Begonnen im Sommer 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, arbeitete Janácek über Jahre an dem Werk. Der Komponist erinnerte sich später: „In der Sonate konnte ich das Stahlgewitter in meinem besorgten Kopf hören."
Zunächst begeisterte sich Janácek als slawischer Patriot für die anfänglichen russischen Siege über die Österreicher – eine Euphorie, die jedoch nur eine Woche anhielt. Die endgültige Fassung entstand bis 1921, geprägt von den Erfahrungen des Krieges.
Die vier Sätze wechseln zwischen extremen Kontrasten. Der erste Satz beginnt mit einer bizarren Akkordgeste der Violine, der dritte ist ein rustikaler Volkstanz – bis das Werk schließlich ungewöhnlich verklingt: mit einer zarten Klavierberceuse, die von nervösen Violineinwürfen attackiert wird, bevor beide Instrumente in träumerischer Ruhe enden.
Wenige Werke in meinem Repertoire sind emotional so fordernd wie diese Sonate. Ich empfinde sie als eine Art „Mega-Romantik" – eine hysterische Romantik, die nichts mit einer bürgerlichen Romantik zu tun hat.
Die deutsche Erstaufführung fand 1923 in Frankfurt statt – mit Paul Hindemith an der Violine.
Franck-Thomas Link
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