Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Klassikkonzert zum neuen Jahr bei Bünte Live

Klaviertrios von Mozart, Beethoven und Mendelssohn

Kritik, Harburger Anzeiger, 7. Januar 2008



Bünte Treff, Lühmannstraße 13, 21075 Hamburg, (Harburg, Bushaltestelle Lübbersweg)


Wolfgang Amadeus Mozart,
Klaviertrio C-Dur KV 548

Allegro
Andante cantabile
Allegro

Ludwig van Beethoven,
Klaviertrio c-moll op. 1 Nr. 3

Allegro con brio
Andante cantabile con Variazioni
Menuetto. Quasi allegro
Finale. Prestissimo

Felix Mendelssohn Bartholdy,
Klaviertrio Nr. 1 op. 49 d-moll

Molto allegro agitato
Andante con moto tranquillo
Scherzo: Leggiero e vivace
Finale: Allegro assai appassionato


Mozarts Trio in der geläufigen Tonart C-Dur (KV 548) entstand im Juli 1788; es ist insgesamt knapper und unaufwändiger angelegt und hält nicht ganz die Höhe seiner Vorgänger und auch nicht die seiner übermächtigen Zeitgenossen, der beiden großen Sinfonien Es-Dur und C-Dur. Seinen Schwerpunkt bildet zweifellos das abgeklärt in sich ruhende Andante (F-Dur, 3/4).


Wien, 1795. Der 24-jährige Beethoven eröffnet offiziell seine Werkliste — und tut es mit einer Provokation. Nicht mit einer freundlichen Sonatine oder einem höflichen Divertimento: mit drei Klaviertrios, die er „Opus 1“ nennt, wie eine Visitenkarte. Das dritte, in c-moll, ist das kühnste.

Bei der ersten Hörprobe im Salon des Fürsten Lichnowsky war auch Joseph Haydn zugegen, gerade von seinem zweiten Londoner Triumphzug zurückgekehrt. Er lobte alle drei Trios, riet aber dringend, das dritte nicht zu drucken: das Publikum werde es nicht verstehen. Beethoven hielt es für sein bestes Stück und deutete Haydns Warnung als Neid. Gedruckt wurde es trotzdem — und verkaufte sich glänzend.

Was hatte Haydn beunruhigt? Vier Sätze statt der üblichen drei. Ein Finale in Sonatenform statt eines harmlosen Rondos. Und die Tonart c-moll: dunkel, unruhig, mit einem Pianissimo-Unisono, das sich wie ein Rätsel stellt, bevor der erste Satz überhaupt beginnt. Dieselbe Tonart, in der Beethoven zwanzig Jahre später die Fünfte Sinfonie schreiben wird. Das Trio endet merkwürdig: ein langer, erschöpfter Schleichweg von c-moll nach C-Dur, der sich nicht wie Erlösung anfühlt, sondern wie Verstummen.


Eines der berühmtesten romantischen Klaviertrios ist das d-moll-Trio von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Trio ist ein musikalisches Feuerwerk, das an motivischem Ideenreichtum, emotionalen Melodien und virtuoser Leidenschaft kaum zu überbieten ist. Als langjähriger Dirigent des Gewandhauses in Leipzig setzte Mendelssohn Maßstäbe. Er brachte Werke von Johann Sebastian Bach, der zu Mendelssohns Zeiten weitgehend in Vergessenheit geraten waren, ebenso wie die Neuheiten seiner Kollegen zur Aufführung – weitaus seltener jedoch seine eigenen Kompositionen. 1840 spielte Mendelssohn selbst den Klavierpart bei der Uraufführung seines d-Moll-Trios.

Der erste Satz, „Molto Allegro agitato“, ist stürmisch und in sprudelnde Arpeggien des Klaviers gehüllt. Formal vereint dieser Kopfsatz die klassische Sonatenform mit dem romantischen Ausdruck und schafft so eine „unendliche Melodie“. Das Klavier löst sich bald aus dem rauschenden Klanggrund des Anfangs und fügt dem Dialog der Oberstimmen jene brillante Passagen hinzu, die Mendelssohns Klaviermusik bis heute zu einer pianistischen Herausforderung machen.

Das folgende Andante ist ein „Lied ohne Worte“, in dem das Klavier eine achttaktige Episode einleitet, die von der Violine aufgegriffen und vom Violoncello kommentiert wird. Das Klavier unterstützt und umspielt den Gesang, der im Wechselspiel mit den anderen Instrumenten weitergeführt wird.

Das Scherzo ist geprägt von Mendelssohns charakteristischer Leichtigkeit – ein wahrer Elfenreigen.

Das Finale beginnt im Pianissimo. Ein Seitenthema, von beiden Streichern vorgetragen, kann sich nicht durchsetzen, und die Rhythmik trägt einen triumphalen Sieg davon.

„Es ist das Meistertrio der Gegenwart“, rezensierte Robert Schumann das Werk in seiner „Neuen Zeitschrift für Musik“. Weiter schrieb er, Mendelssohn sei „der Mozart des neunzehnten Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und als Erster versöhnt.“