Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert

Kammermusik für die Mittagspause

Die Reihe „Lunchkonzerte in der Handelskammer Hamburg“ ist eine Kooperation von Handelskammer Hamburg und Hamburger Kammerkunstverein. Wegen Bauarbeiten in der Handelskammer wandern die Lunchkonzerte im Jahr 2025 an verschiedene Orte der Stadt. Wir laden wieder ein nach Harvestehude / Grindel in die St. Andreas-Kirche.

HVV: Bus-Haltestelle Bezirksamt Eimsbüttel



Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Spenden.


St. Andreas Harvestehude, Bogenstraße 26-30, 20144 Hamburg


St. Andreas Harvestehude


Wolfgang Amadeus Mozart,
Zwölf Variationen in C-Dur über das Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“ KV 265

Felix Mendelssohn Bartholdy,
Variations sérieuses d-moll op. 54


Die Melodie des französischen Liedes „Ah! Vous dirai-je, Maman“ ist in ganz Europa bekannt, allerdings mit völlig unterschiedlichem Inhalt: Auf Französisch ein trotziges Kinderlied, auf Englisch „Twinkle, Twinkle, Little Star" über funkelnde Sterne, auf Deutsch seit 1835 „Morgen kommt der Weihnachtsmann". Ursprünglich war der Text jedoch gar nicht für Kinder gedacht – er erschien 1774 als Liebesgedicht im Stil der Schäferdichtung.

Mozart komponierte seine Variationen Ende 1781 in Wien für seine Schülerin Josepha Barbara von Auernhammer. Der besondere Reiz des Werkes entsteht aus der Spannung zwischen der Schlichtheit des Themas und der Virtuosität der Variationen. Trotz rasender Sechzehntelläufe bleibt der trotzige Charakter zunächst erhalten und wird durch die Umspielungen zu einer Art witzigen Übermuts. Was in einer Variation der einen Hand gewidmet ist, übernimmt die andere in der folgenden, verändert es weiter und spielt es wieder zurück.

In der achten Variation wendet sich alles: Das Thema erscheint in c-Moll, mit kanonischen Einsätzen und überraschenden Dissonanzen. Die elfte Variation im Adagio erinnert mit ihrem aufsteigenden Motiv und den reichen Verzierungen an das berühmte Andante aus Mozarts 21. Klavierkonzert. Im Finale wechselt Mozart in den 3/4-Takt – das Kinderlied, das in kurzer Zeit so viele Verwandlungen durchgemacht hat, endet ein wenig atemlos.


Die „Variations sérieuses“ op. 54 gelten als das bedeutendste Werk für Klavier solo aus Felix Mendelssohn Bartholdys Feder. Das Thema steht im Andante sostenuto und ist wie ein klassischer Streichquartettsatz gebaut. In seufzenden Synkopen und Vorhalten wird der schmerzliche Charakter heraufbeschworen, der im Verlauf des groß angelegten Stücks trotz verschiedenster Veränderungen weitgehend erhalten bleibt.

Über den Titel wurde in der Fachwelt oft diskutiert, wobei unentschieden blieb, ob sich das „sérieux“ (frz. = „ernst") auf den Charakter der Musik bezieht oder auf die Variationstechnik an sich. Denn seit Beethoven hatte die Variationstechnik an Bedeutung gewonnen. Abgesehen von wenigen höchst prominenten Werken wie etwa Bachs Goldberg-Variationen galt sie bis dahin als eine eher spielerische Möglichkeit, ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Beethoven hatte sich von dieser „losen Folge“ verabschiedet und seine großen Variationswerke zu dramaturgisch aufgebauten Gesamtsätzen geformt. Das bedeutete auch, dass sich eine Variation oft aus der Struktur der vorangegangenen ergab, sei es durch weitere Durchführung oder durch starke Kontrastierung. So wurde die Variationsform gewissermaßen revolutioniert und war nicht länger eine Spielerei, an der sich Komponisten üben konnten wie Instrumentalisten an Etüden. Man kann also vermuten, dass Mendelssohn seinem Werk auch deshalb diesen Titel gab, um darin seine kompositionstechnische Absicht anzuzeigen – zweifellos inspiriert von Beethoven, insbesondere von dessen 32 Variationen in c-moll WoO 80.

Aufgrund der technischen Anforderungen an den Pianisten werden die „Variations sérieuses“ oft bei internationalen Klavierwettbewerben als Pflichtstück ausgewählt. Sie sind gewissermaßen ein Katalog aller Klaviertechniken, die bis zur Entstehungszeit des Werkes existierten.

Franck-Thomas Link


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