Licht und Dunkel
Feierabendkonzert im Oberhafen
Das Leben kann ungerecht und grausam sein. Die Musik von Beethoven und Smetana beschönigt das nicht. Wie klingt es, wenn man sich ehrlich mit Enttäuschung und Trauer auseinandersetzt? Beiden Komponisten gelingt das Kunststück, Unsagbares auf großartige Weise in Töne zu fassen.
Bar und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h
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Michael Stürzinger, Violine
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Ralf-Andreas Stürzinger, Violoncello
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Franck-Thomas Link, Klavier
- entfällt wg. Corona -
Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg
Ludwig van Beethoven,
Klaviertrio c-moll op. 1 Nr. 3
Allegro con brio
Andante cantabile con Variazioni
Menuetto. Quasi allegro
Finale. Prestissimo
Friedrich Smetana,
Klaviertrio g-moll op. 15
Moderato assai
Allegro, ma non agitato – Alternativo I. Andante – Alternativo II. Maestoso
Finale. Presto
Wien, 1795. Der 24-jährige Beethoven eröffnet offiziell seine Werkliste — und tut es mit einer Provokation. Nicht mit einer freundlichen Sonatine oder einem höflichen Divertimento: mit drei Klaviertrios, die er „Opus 1“ nennt, wie eine Visitenkarte. Das dritte, in c-moll, ist das kühnste.
Bei der ersten Hörprobe im Salon des Fürsten Lichnowsky war auch Joseph Haydn zugegen, gerade von seinem zweiten Londoner Triumphzug zurückgekehrt. Er lobte alle drei Trios, riet aber dringend, das dritte nicht zu drucken: das Publikum werde es nicht verstehen. Beethoven hielt es für sein bestes Stück und deutete Haydns Warnung als Neid. Gedruckt wurde es trotzdem — und verkaufte sich glänzend.
Was hatte Haydn beunruhigt? Vier Sätze statt der üblichen drei. Ein Finale in Sonatenform statt eines harmlosen Rondos. Und die Tonart c-moll: dunkel, unruhig, mit einem Pianissimo-Unisono, das sich wie ein Rätsel stellt, bevor der erste Satz überhaupt beginnt. Dieselbe Tonart, in der Beethoven zwanzig Jahre später die Fünfte Sinfonie schreiben wird. Das Trio endet merkwürdig: ein langer, erschöpfter Schleichweg von c-moll nach C-Dur, der sich nicht wie Erlösung anfühlt, sondern wie Verstummen.
Der große Tragiker unter den böhmischen Komponisten des 19. Jahrhunderts war Bedrich bzw. Friedrich Smetana. Die Tragödie seines Lebens – die durch eine Syphillis-Infektion hervorgerufene Taubheit – hat er zum Thema seiner beiden Streichquartette gemacht, und auch sein drittes Kammermusikwerk, das Klaviertrio, steht in autobiographischem Zusammenhang. Als trauernder Vater trug Smetana im Herbst 1855 seine Tochter Bedriska (Friederike) zu Grabe. Es war das zweite von drei Kindern, die innerhalb von zwei Jahren starben, und das am meisten Geliebte. Das Klaviertrio g-moll op. 15 ist ihr gewidmet.
kammerkunst.de/1103/