Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

386. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Johannes Brahms, 4 ernste Gesänge op. 121 u. a.


Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


Johannes Brahms,
4 Lieder nach Texten von Daumer u. a.

Nicht mehr zu dir zu gehen (Georg Friedrich Daumer) op. 32 Nr. 2
Ach, wende diesen Blick (Georg Friedrich Daumer) op. 57 Nr. 4
An eine Äolsharfe (Eduard Mörike) op. 19 Nr. 5
Wie bist du, meine Königin (Georg Friedrich Daumer) op. 32 Nr. 9

Johannes Brahms,
4 ernste Gesänge op. 121

Denn es geht dem Menschen (Prediger Salomo, Kap. 3, Ecclesiasticus III)
Ich wandte mich (Prediger Salomo, Kap. 4, Ecclesiasticus IV)
O Tod, wie bitter bist du (Jesus Sirach, Kap. 41, Ecclesiasticus 41)
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete (Paulus an die Korinther I, Kap. 13)


Johannes Brahms gibt Georg Friedrich Daumers Gedicht „Nicht mehr zu dir zu gehen“ den Boden, um in meisterhafter Art absolut hingebungsvolle, wahrscheinlich heimliche Liebe nachzeichnen zu können: „Ach rede, sprich ein Wort nur, ein einziges, gib Leben oder Tod mir ...“ Man denkt dabei unwillkürlich an die nie offen gelebte Liebe zwischen Brahms und Clara Schumann.

Auch in „Ach, wende diesen Blick“ werden wir Zeuge einer Begegnung zweier Leidensgenossen in puncto Liebe, nämlich Daumer und Brahms. Hier geht es allerdings nicht um die Aufforderung, „ja“ oder „nein“ zu sagen. Der liebende Sänger wehrt sich gegen noch mehr Pein: „Mit ewig neuem Harm erfülle nicht!“ ist die Forderung des Verliebten, der seine unglückliche Liebe wie den Biss einer Schlange in sein Herz empfindet.

In „An eine Äolsharfe“ zeigt sich die meisterhafte Zusammenarbeit zwischen Dichter und Liedkomponist: Während Brahms in der Klavierbegleitung das Wesen dieses eigentümlichen Instrumentes, der Äolsharfe, heraufbeschwört, beschreibt Mörike den Wind, der durch die Äolsharfe als Bote der Liebe auftritt. Beide Apekte sind in diesem Kleinod verborgen so groß wie der Fuji-San.

In dem Lied „Wie bist Du meine Königin“ beschreiben die beiden Autoren, Daumer und Brahms, die zärtliche Liebe zu der Frau, für die sie bereit sind, durch die Wüste zu gehen. „Ob auch die herbste Todesqual die Brust durchwüte, wonnevoll“... „Wie bist, Du meine Königin, durch sanfte Güte, wonnevoll“.

Franck-Thomas Link


Die „4 ernsten Gesänge“ op. 121 von Johannes Brahms sind, ähnlich wie in seinem „Requiem“, das er 30 Jahre vor den ernsten Gesängen komponierte, Vertonungen biblischer Texte. Johannes Brahms schrieb diesen Liederzyklus am Ende seines Lebens und in der Vorahnung des sich ankündigenden Todes seiner engen Freundin Clara Schumann. Die Lieder führen aus der Düsternis ins Licht. Bespielsweise geschieht der musikalisch magische Moment im dritten Lied in der Auflösung von der Textstelle: „O Tod, wie bitter bist du“ zu „O Tod, wie wohl tust du“. Nachweislich verwendete Brahms für die Gesänge musikalisches Material aus Sizzen für eine fünfte Sinfonie, die er nicht mehr fertigstellen konnte.

Franck-Thomas Link


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