Hamburger Kammerkunstverein

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Ein Riese, der hinter einem her marschiert

Feierabendkonzert im Oberhafen

Der überaus selbstkritische Brahms war sich seiner Rolle als Nachfolger Beethovens im Wiener – und dadurch im internationalen – Konzertleben durchaus bewusst. Es ist bekannt, dass Brahms in seinem Komponierzimmer immer von den Partituren der älteren Großmeister, vor allem Bach, Mozart, Haydn, Beethoven, umgeben und mit dem Repertoire seiner Vorgänger tief vertraut war. So war er wohl teilweise inspiriert und teilweise nahezu entmutigt von der Meisterschaft seiner Vorgänger. Das machte ihn zuweilen so unzufrieden mit sich selbst, dass er viele seiner Kompositionen gar nicht erst der Öffentlichkeit zugänglich machte und wahrscheinlich eine große Menge von eigenen Werken ins Feuer warf. Niemand weiß, was für einen Schatz Brahms uns durch seine scharfe Selbstkritik vorenthalten hat.In diesem Konzert zeigen Ralf-Andreas Stürzinger und Franck-Thomas Link, dass Brahms in seiner genialen Meisterschaft keineswegs seinem großen Vorgänger unterlegen war.

Bar und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 12 € / Abendkasse 17 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Halle 424


Ludwig van Beethoven,
Sonate op. 102 Nr. 1 C-Dur für Violoncello und Klavier

Andante
Allegro vivace
Adagio
Allegro vivace

Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-moll op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro


Beethovens Werk wird in der Musikwissenschaft zurecht in die drei Epochen Früh-Mittel-Spät eingeteilt. Allerdings lohnt es sich, die teils subtilen, teils qualvollen Übergänge von einer Lebensphase zur nächsten in Beethovens Leben musikalisch wahrzunehmen. Die C-Dur Sonate op. 102 Nr. 1 für Cello und Klavier entstand in den Jahren 1814-15. D. h. mehr als 12 Jahre, nachdem Beethoven sein Heiligenstädter Testament geschrieben hatte. Der zentrale Satz dieses Testamentes, das weniger eine Verfügung über seinen finanziellen Nachlass als viel mehr ein Hilferuf des taub gewordenen und vereinsamten Musikers und Weltstars darstellt, war: „Wie ein Verbannter muß ich leben.“

Die Sonate ist eine der drei großen Werke der Eintrittsphase Beethovens in seine späte Schaffensperiode. Wichtige 'Nachbarwerke' sind zuvor die Klaviersonate op. 101, die bereits ein erstes Zeugnis für den späten Beethoven ist, der sich eigentlich nie ohne Trauer mit seiner Taubheit abfinden konnte, aber doch einen neuen Weg in dieser Innerlichkeit, in die er „verbannt“ war, gefunden hatte.

Das andere große Nachbarwerk zur C-Dur Cellosonate ist die Hammerklaviersonate op. 106. Die Klaviere wurden besser und Beethoven hat darauf gespielt. Wir wissen zwar nicht, ob er die neuen Klaviere überhaupt noch wirklich hören konnte. Aber er hat sich als Komponist darauf eingelassen! In der Hammerklaviersonate geht Beethoven rein klaviertechnisch noch einmal aufs Ganze. Hier wird kein musikalischer Gedanke zugunsten des Instrumentalisten ausgelassen... Es entsand eine neue Art von Virtuosität, die das gesamte Spätwerk Beethovens beinflussen sollte. Die C-Dur Sonate befindet sich in dieser Übergangsphase Beethovens genau zwischen diesen beiden berühmten Werken.

Interessant finde ich, dass Beethoven gleichzeitig sehr viel Kammermusik, hauptsächlich für Bläser, geschrieben hat. Das ist für mich ein weiteres Zeugnis seiner „In-sich-Kehr“. Auch op. 104, die Bearbeitung für Streichquintett des sehr frühen c-moll Klaviertrios op. 1. Nr. 3, das wir kürzlich im Original im Kammerkunstverein gespielt haben, kommt mir vor wie ein letzter Blick auf die Jugend, bevor Beethoven seine letzte Schaffensphase beginnen konnte: Ein Leben in der Verbannung, reich, einsam und verlassen.

Franck-Thomas Link


Die großen Cellosonaten von Beethoven, Schubert oder Brahms sind Ausdruck der Blütezeit des bürgerlichen Konzertlebens. Das unbekannte Selbst faszinierte den Bürger. Die Seele des genialen Künstlers trug heroische Menschwerdungskämpfe aus. Der dunkle Ton des Violoncellos verlieh kaum geahnten Empfindungen des Künstlers Ausdruck. Der Gesang des Cellos rührt „auf tiefer, unergründlicher Ebene an unser Gefühl“, sagte der Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin. Und tatsächlich kommt der Klang des Violoncellos dem der menschlichen Stimme sehr nahe.

Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 von Johannes Brahms entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, das damals noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs war. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich war die Sonate viersätzig, Brahms entfernte jedoch vor der Veröffentlichung das Adagio. Möglicherweise fürchtete er, die Sonate könnte zu lang werden. Leider vernichtete er diesen langsamen Satz wahrscheinlich, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte. Die Uraufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Brahms‘ Name zum Entstehungszeitpunkt der Sonate noch keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge traten erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.

Beethovens Cello-Sonaten gelten gemeinhin als Grundlage dieser Gattung, die sich, ausgehend von den brahms‘schen Kompositionen in der europäischen Romantik, bis zur Moderne umfangreich weiterentwickelte. Natürlich war sich Brahms seiner Rolle als Nachfolger Beethovens bewusst. Mit Sicherheit hat er Beethovens Cello-Sonaten gründlich studiert und sie, als ausgezeichneter Pianist, selbst aufgeführt. Brahms hatte ein differenziertes Verhältnis zur Tradition, weshalb es nicht verwundert, dass der erste Satz der e-moll-Sonate an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, während sich im Finale Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen lassen.

Franck-Thomas Link



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