Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

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Seelenklänge

Feierabendkonzert im Oberhafen

Johannes Krebs und Franck-Thomas Link

Der Gesang des Cellos rührt „auf tiefer, unergründlicher Ebene an unser Gefühl“, wie Yehudi Menuhin sagte. Der Klang des Violoncellos kommt dem der menschlichen Stimme sehr nahe. Die große Sonate für Violoncello und Klavier e-moll op. 38 von Johannes Brahms steht im Zentrum dieses Konzertes.

Gastronomie und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 9 € / Abendkasse 12 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Ludwig van Beethoven,
7 Variationen für Violoncello und Klavier über: Bei Männern, welche Liebe fühlen, 1801

Graf Johann Georg von Browne gewidmet

Johannes Brahms,
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-moll op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro


Die Variationen für Violoncello und Klavier über Pamina und Papagenos Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ stammen aus Beethovens mittlerer Periode. Er hat noch ein zweites Variationswerk über ein Thema aus der „Zauberflöte“ geschrieben, nämlich über Papagenos „Ein Mädchen oder Weibchen“. Es war durchaus üblich, berühmte Opernthemen kammermusikalisch zu bearbeiten, um diese Musik auch der Hausmusik zugänglich zu machen. Der große Reiz dieser Werke besteht im Kontrast zwischen populären, volksliedhaften Themen und dem kompositorischen Anspruch in der Behandlung der Variationsform, der von den Interpreten höchste technische Brillianz fordert.

Franck-Thomas Link


Die großen Cellosonaten von Beethoven, Schubert oder Brahms sind Ausdruck der Blütezeit des bürgerlichen Konzertlebens. Das unbekannte Selbst faszinierte den Bürger. Die Seele des genialen Künstlers trug heroische Menschwerdungskämpfe aus. Der dunkle Ton des Violoncellos verlieh kaum geahnten Empfindungen des Künstlers Ausdruck. Der Gesang des Cellos rührt „auf tiefer, unergründlicher Ebene an unser Gefühl“, sagte der Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin. Und tatsächlich kommt der Klang des Violoncellos dem der menschlichen Stimme sehr nahe.

Die e-moll-Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 von Johannes Brahms entstand in zwei Etappen. Sie ist die erste der beiden Sonaten, die Brahms für diese Gattung schrieb. Die ersten drei Sätze Allegro, Adagio und Allegretto entstanden 1862 in Bad Münster am Stein und in Hamburg-Hamm, das damals noch ein Dorf weit vor den Toren Hamburgs war. Das Finale komponierte Brahms erst drei Jahre später in Baden-Baden. Ursprünglich war die Sonate viersätzig, Brahms entfernte jedoch vor der Veröffentlichung das Adagio. Möglicherweise fürchtete er, die Sonate könnte zu lang werden. Leider vernichtete er diesen langsamen Satz wahrscheinlich, so wie viele seiner Kompositionen, die er nicht veröffentlichen wollte. Die Uraufführung des Werkes fand erst 1871 statt. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Brahms‘ Name zum Entstehungszeitpunkt der Sonate noch keineswegs etabliert war. Seine großen Erfolge traten erst mit der Aufführung des Deutschen Requiems und der Ungarischen Tänze in den Jahren 1868 und 1869 ein.

Beethovens Cello-Sonaten gelten gemeinhin als Grundlage dieser Gattung, die sich, ausgehend von den brahms‘schen Kompositionen in der europäischen Romantik, bis zur Moderne umfangreich weiterentwickelte. Natürlich war sich Brahms seiner Rolle als Nachfolger Beethovens bewusst. Mit Sicherheit hat er Beethovens Cello-Sonaten gründlich studiert und sie, als ausgezeichneter Pianist, selbst aufgeführt. Brahms hatte ein differenziertes Verhältnis zur Tradition, weshalb es nicht verwundert, dass der erste Satz der e-moll-Sonate an Beethovens Cello-Sonate op. 69 erinnert, während sich im Finale Verbindungen zu Bachs Kunst der Fuge erkennen lassen.

Franck-Thomas Link



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