Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Von malendem Erzählen zu inniger Sanglichkeit

Konzertabend mit Jale Papila und Franck-Thomas Link. Von Uwe Lehmann

Nartum. „Das Kunstlied ist in den Gesellschaftssalons des 19. Jahrhunderts entstanden. Heute im Haus Kreienhoop kehrt es wieder dorthin zurück“, erklärte die Sängerin Jale Papila ihrem Publikum in der Kempowski-Stiftung. Zusammen mit dem Pianisten Franck-Thomas Link gab die Altistin einen glanzvollen, hoch beglückenden Konzertabend mit Liedern von Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms.

Papila, Dozentin an der Sängerakademie Hamburg und Gast bei der Dresdener Philharmonie sowie in verschiedenen Opernhäusern, interpretierte Schumanns Dichterliebe nach Gedichten von Heinrich Heine. Die 16 Lieder beschreiben die Gefühle der erwachenden und verschmähten Liebe, wobei es Schumann darum ging, den dichterischen Ausdruck der Stimmungswechsel im seelischen Befinden musikalisch zu gestalten. Die 1840 entstandenen Kompositionen wurden 1861 von Johannes Brahms in Hamburg uraufgeführt.

Felix Mendelssohn, den Schumann als „Mozart des 19. Jahrhunderts“ lobte, habe „die Widersprüche der Zeit versöhnt“. Auch er prägte die Empfindungswelt der Romantik. Im Haus Kreienhoop erklangen Kompositionen nach Texten von Heine und anderen romantischen Lyrikern. Kompositorisch und in der Auswahl der zugrunde gelegten Texte geht Johannes Brahms eine Generation nach Mendelssohn deutlich neue Wege.

In der kongenialen Interpretation durch die Altistin und den begleitenden Link, künstlerischer Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins, ergab sich ein vollendeter Dreiklang der beteiligten Komponisten. Die biegsame, stets beherrschte Stimme Papilas wechselte mühelos von zartester, durchglänzter Klarheit zum Ausdruck voller dramatischer Wucht. Heutiger Auffassung entsprechend, setzte sie bedeutungsschweres Vibrato angenehm sparsam ein. Von lyrisch verhaltenem Timbre zu keckem Hüpfen, von schönem, malendem Erzählen zu inniger Sanglichkeit mit immer wieder strahlendem Aufblühen entführte sie ihre Zuhörer und ließ sie „träumen einen seligen Traum“ (Heine), am Flügel begleitet mit schönen Empfindungsbögen. Link nahm die Gefühle der Hörer auf, artikulierte und gestaltete sie, verstand aber auch, sie zu beruhigen. Stimmungs- und Rhythmuswechsel bahnte er an, bündelte sie ausleitend.

Am Vortag hatte eine Spenderin aus dem Bielefelder Raum der Stiftung ein Gemälde des Rostocker Malers Egon Tschiersch von 1936 übergeben, das nach dem Konzert im Rostock-Zimmer begutachtet wurde.

Rotenburger Rundschau, Juni 2014


Den Tod wie einen guten Freund einfach umarmen

Obernkirchen. Von Frank Westermann

Er wird zu gern als eine Art Bilderstürmer der Klaviergeschichte dargestellt: als Pianist, der seine Werke gnadenlos herunternagelt und dabei die Grenzen der Harmonik mit Dissonanzen und ungewohnten Akkordkombinationen bis auf das Äußerste strapaziert. Doch Sergej Prokofjew wäre so nur unzureichend umschrieben. Franck-Thomas Link führt es im Rahmen der Internationalen Klavierkonzerte im Stiftssaal vor, als er die Sonate Nummer 3 in a-Moll des russischen Pianisten und Komponisten spielt: sehr milde, sehr angereichert mit Spuren des Spätromantischen – aber auch mit dem Witz, Sarkasmus und heftigem Wahnwitz behaftet, die diese Musik teilweise bis an die äußersten Grenzen der Tonalität führt. Link und Prokofjew, das passt prima zusammen, und wir hören im Konzert schon eine zupackende, hart ausmeißelnde Hand, die gerne auch richtig Vollgas gibt.

Auch Claude Debussy liegt dem Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins: Die „Images II“ lassen viel Platz für das virtuose Klavierspiel, das bei Link indes niemals eitel im Vordergrund steht: Zwar liefert er den Tastendonner, ohne den ein Klavierabend wohl nicht auskommt, aber selbst in den Extremen verlässt er nie den Rahmen der am Stück orientierten interpretatorischen Lauterkeit: Volltönend und tief wie ein Canyon in Utah, und kristallklar und schillernd wie ein zugefrorener Eissee im Mitternachtsmond – Link lässt Debussy viel Platz, damit sich die Harmonien entfalten können.

Landpartie in Bückeburg, Start der Frauen-WM und dazu allerbestes Grillwettter nach einem verregneten Wochenende: Am Sonntag konnte das Konzert gegen diese Konkurrenz zahlenmäßig nicht bestehen, nur 40 Zuhörer verloren sich ein bisschen im Saal. Sie wurden Zeuge eines Konzertes, in dem sich Franck-Thomas Link etwas traut und mit Debussy und Prokofjew zwei Komponisten des 20. Jahrhunderts auf zwei Werke von Joseph Haydn und Franz Schubert prallen lässt, die noch tief ihren Entstehungsjahren verhaftet sind.

Während Link Haydns zauberhaftes „Andante con variazioni in f-Moll“ leuchten lässt, es fließend und galant und graziös interpretiert, so vergießt er sein Herzblut bei Schuberts Sonate in B-Dur; und zwar Tropfen für Tropfen.

Im Leben des mit 31 Jahren jung gestorbenen Musikers nimmt sie eine Sonderstellung ein, gemeinsam mit der C-Moll- und der A-Dur-Sonate entstand sie im letzten Lebensjahr, allgemein wird angenommen, dass Schubert sich seines baldigen Abschiedes bewusst war und sein fleißiges Arbeiten immer vom Gedanken und Gefühlen zu Leben und Tod begleitet war. Die B-Dur-Sonate, der Link den gesamten Raum nach der Pause einräumt, schwelgt geradezu in „freundlichen Melodien“ (Link), so als habe sich Schubert mit dem Tode abgefunden, als klinge in ihm eine innere Stimme, die sich auf den Abschied eingestellt hat.

Und so wie in der Romantik das große Weltganze der Einsamkeit des Individuums nur den Weg der Qual und der Verzweiflung offenlässt, der untrennbar mit der Verklärung der Gefühle verbunden ist, so findet Schubert hier einen anderen, einen ganz eigenen Ausweg, den Link einmal selbst so beschrieben hat: „Schubert lässt uns mit seiner Misere, dass er jetzt stirbt, nicht einfach stehen. Er beendet sein Sonatenwerk und sein Leben mit Freundlichkeit und Traurigkeit, mit heiteren Melodien aus dem Material des Seufzers.“ Link, bei dem sich höchste Präzision mit brillanter Anschlagskultur paart, spielt eine über weite Strecken verinnerlichte und sehr zurückgenommene Version, was die Eindringlichkeit der Darbietung noch maßgeblich steigen lässt. Er entlässt seine Zuhörer mit dem Gedanken, ob man nicht selbst auch den Tod – in ferner Zukunft – wie einen Freund einfach umarmen sollte.

Mehr kann ein Konzert nicht erreichen.

Schaumburger Nachrichten, Juni 2011


Kniefall vor hoher Liedkunst

Nartum (ti). Das einzigartige Ambiente des Hauses Kreienhoop nutzten am Freitag Altistin Jale Papila und Pianist Franck-Thomas Link zu einem betörenden Liederabend. Die Musiker des Hamburger Kammerkunstvereins präsentierten unter anderem verschiedene Versionen der Mignon-Lieder.

„Ich habe selten ein Haus gesehen, das soviel Geist und Herz in jedem Winkel hat. Es ist etwas ganz Besonderes“, sagte Altistin Jale Papila. „Es ist alles so persönlich hier“, sagte Pianist Franck-Thomas Link, der bereits zum vierten Mal im Haus Kreienhoop spielte. „Ich fühle mich hier wie zuhause.“ Den Zuhörern, die von Raum zu Raum zu flanierten, sich in den unzähligen Details aus dem Leben des Dichters verloren oder von den kleinen Trauben aßen, deren Reben an der Decke wuchsen, schien es ebenso zu gehen. Gastgeberin Hildegard Kempowski dankte dafür ihrem Mann, dem 2007 verstorbenen Dichter Walter Kempowski: „Dass wir in solch einem Ambiente Musik genießen dürfen, das hat er ermöglicht.“

Hochklassig nahm sich das musikalische Programm des Abends aus. „Es ist eine Pracht“, pries Hildegard Kempowski bereits im Voraus die Stimme Jale Papilas - und das strahlend blaue Kleid der Altistin. Das Duo hatte bereits im November letzten Jahres im Haus Kreienhoop mit einem Liederabend Eindruck gemacht. Hauptfigur dieses Abends sollte Mignon werden, die tragische Mädchengestalt aus Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Ihre Lieder hatten gleich mehrere Komponisten zu Vertonungen inspiriert.

Zunächst jedoch die Zigeunermelodien Antonin Dvoraks, deren Stimmungen zwischen dem schwermütigen „Als die alte Mutter“ und dem schwungvollen „Rein gestimmt die Seiten“ wechselten. Nach ausgiebigem Applaus folgten die „Gesänge der Mignon“ in der Vertonung Robert Schumanns, unter denen vor allem das tieftraurige „Heiss' mich nicht reden“ das Publikum rührte. Deutlich lebhafter ging es nach einer kurzen Pause weiter.

Vier Lieder der Komponistin Pauline Viardot-Garcia sang Papila in Italienisch, Spanisch und Französisch. Im letzten Lied machten „Les Filles des Cadix“ – die Töchter der Stadt Cadiz – von sich reden. Das vielleicht lebhafteste Lied des Abends riss erneut zu Applaus und Bravo-Rufen hin, auch wenn kaum jemand der Lyrik folgen konnte. „Beim nächsten Mal brauchen wir die Texte“, räumte Hildegard Kempowski ein.

Schließlich gab es die „Lieder der Mignon“ des Komponisten Hugo Wolf. Sie klangen strenger, erwachsener als die Schumanns. Hier verwickelte eine deutlich reifere Person die Zuhörer in eine intensive Ansprache. Dem erneuten Applaus folgten als Zugabe zwei Lieder Johannes Brahms'. „Brahms ist doch Norddeutscher, der gehört einfach dazu“, sagte Papila im Anschluss. Auch für Link war Brahms Herzensangelegenheit: „Der muss dabei sein.“ Höchstes Lob zollte im Anschluss Gastgeberin Hildegard Kempowski: „Vor den Texten, vor den Lieder und vor dieser Musik müsste man auf die Knie fallen.“ Die Chancen, dass das Duo auch in der nächsten Saison im Haus Kreienhoop zu Gast ist, stehen offenbar recht gut.

Zevener Zeitung, 8. September 2009


Wenn Beethovens Werk zum unvergesslichen Erlebnis wird

Einen unvergesslichen Kammerkonzert-Abend erlebten die fast 100 Besucher, die am schwülheißen Freitagabend in das Haus Kreienhoop gekommen waren. Der Pianist Franck-Thomas Link und der Geiger Benjamin Spillner spielten Klavier- und Violinsonaten von Ludwig van Beethoven.

Nartum (rsk). „Ich kann leider keine Fächer verteilen heute Abend. Ich hoffe, dass die Künstler durchhalten“, so die Gastgeberin Hildegard Kempowski bei ihrer Begrüßung zur „Musik im Haus Kreienhoop“. Das Publikum griff derweil zum Programmzettel.

Der Hamburger Pianist Franck-Thomas Link begann die Klaviersonate Opus 10 Nr. 3 D-Dur von Ludwig van Beethoven furios mit dem einleitenden Presto-Satz. Der langsame Satz largo e mesto, schön und schwermütig, folgte. Das Menuett führt mit seiner Leichtigkeit zu einer heiteren Stimmung zurück, die zu dem Rondo-Finalsatz passt, der voller fröhlicher Einfälle die Klaviersonate abschließt. Das Publikum dankte ihm mit großem Applaus.

Es folgten zwei der bekanntesten Beethoven-Sonaten für Violine und Klavier. Vor der Pause war die Frühlingssonate Nr. 5 in F-Dur opus 24 mit dem Geiger Benjamin Spillner und Franck-Thomas Link zu hören. Das Werk mit seinem hellen und heiteren Charakter und die Spielfreude der Musiker, die auch nicht nachließ, als sich selbst die Zuhörer den Schweiß von der Stirn wischen mussten, ließen den Abend zu einem Erlebnis werden.

Die berühmteste Beethovensche Violinsonate, die Kreutzer-Sonate (Nr. 9 A-Dur opus 47) war nach der Pause zu hören. Diese Sonate sprengte fast den kammermusikalischen Rahmen und wirkte an manchen Stellen wie ein Konzert mit Orchester. Schwirrende Geigenklänge und ein Zusammenspiel der Instrumente, das sich mit gezupfter Violine (piccicato) und Piano-Perlen in atemberaubende Höhen hochschraubte und abbrach, um mit dem gleichen Thema aufs Neue von unten aufzusteigen.

Nicht enden wollender Beifall forderte eine Zugabe. Die Künstler wählten den langsamen Satz aus der Frühlingssonate, interessanterweise in einer anderen Interpretation als vor der Pause – diesmal langsam und romantisch. Da fand das Gewitter keine passende Stelle für seinen Einsatz und verzog sich nach einigen wenigen Tropfen.

Zevener Zeitung, 13. Juli 2009


Schlosskonzert verführte zum Träumen

Brahms-Solisten entführten Publikum in andere Dimensionen

Winsen. Eine Kammerkonzert-Delikatesse bot der Kulturverein Winsen am Wochenende anlässlich des 175. Geburtstages von Johannes Brahms. Brahms galt schon in jungen Jahren als Ausnahmemusiker. Mit seinem Werk voller Schmelz und Dramatik verzauberten die Brahms-Solisten aus Hamburg die Besucher des Schlosskonzertes im Marstall.

Barbara Bultmann (Violine), Miriam Götting (Viola), Cosima Gerhard (Violoncello) und Franck-Thomas Link (Flügel) lebten den Sturm und Drang der Musik Brahms' mit und boten den Zuhörern ein leidenschaftliches Bekenntnis voller zu Herzen gehender Innigkeit. Schon zu Beginn des Programms verführten sie das Publikum mit der Sonate für Violoncello und Klavier zum Schwelgen. Die weich gestrichenen Klänge des Cellos wiegten sich mit den Pianotönen. Die Instrumentalisten lebten die Musik ohne gefühlsduselig zu sein. Franck-Thomas Link zeigte auf dem Flügel eine Virtuosität voller Kontraste, die sowohl Solo als auch im Zusammenspiel brillierte. Bei den Liedern unterstrich die hervorragende Altstimme von Jale Papila die Klänge der Musik ohne sie zu überlagern. Klavier und Stimme ergänzten sich in Klangfarbe und Klarheit. Besonders "Meine Liebe ist grün" gefiel den Besuchern. Den Liedtext dazu dichtete einst Brahms' Patensohn Felix Schumann, das jüngste Kind von Clara Schumann.

Beim geistlichen Wiegenlied, das die Melodie von Josef, lieber Josef mein" variierte, erzeugte die Romantik schon fast eine Gänsehaut. Und mit "Guten Abend, gute Nacht" entließen die Brahms-Solisten die Zuhörer voller Weichheit aus einem Traumkonzert in andere Träume.

Winsener Anzeiger, Oktober 2008


Wenn Wünsche musikalisch in Erfüllung gehen

Liederabend im Kur- und Kongresshaus begeistert Zuhörer

Berchtesgaden. Am vergangenen Freitag sollten die Gefühle der Zuhörer angesprochen werden. Das Programm war wahrhaftig kein gefühlsduseliges Allerlei, sondern vielmehr mit höchstem Fingerspitzengefühl ausgewählt und zusammengestellt.

Jale Papilas (Alt) hohes stimmliches Niveau wurde bereits aus dem kleinen Lebenslauf im Programmheft ersichtlich. Sie studierte an der Musikhochschule in Dresden, absolvierte Meisterkurse bei den ganz Großen wie Elisbeth Schwarzkopf, Peter Schreier und Cord Garben. Bereits seit Jahren in ganz Europa zu hören, unterrichtet sie seit 2005 als Dozentin an der Sängerakademie Hamburg.

Franck-Thomas Link als Pianist und Liedbegleiter begann sich bereits sehr früh der Musik und da speziell dem Klavier zuzuwenden. Auch er ist seit vielen Jahren international gefragt. Seit 1999 leitet er den Kammermusikverein Hamburg. Als Solist profilierte er sich mit seinem Können bereits in Kanada, Japan und China.

Dass diese beiden sich kongenial ergänzen, konnte man an diesem Abend hören und sehen. Eine Art Symbiose von Instrument und Stimme fand hier statt, in der das Gleichgewicht stimmte, in der das Klavier, zwar ursprünglich mehr als Begleitung gedacht, dennoch aber eher als Vervollständigung zum perfekten Ganzen, spürbar wurde, ohne je der Stimme der Sängerin Raum und Entfaltungsmöglichkeit zu nehmen. Einer Altstimme, die alle Facetten der Klangkunst beherrschte und dabei immer die richtigen Register ziehen konnte, ohne je aufdringlich zu wirken.

Die Zeit der Romantiker des 19. Jahrhunderts ließen die Musiker mit Liedern von Robert Schumann (1810-1856) und Franz Schubert (1797-1828), viele mit elegischem, ja traurigem Charakter wundervoll interpretiert, ebenso wie die des Schumannverehrers und Zeitgenossen Johannes Brahms (1833-1897) wieder auferstehen, ohne eine depressive Stimmung zu vermitteln. Trotz aller Mollklänge. Besonders erfrischend auch die von Jale Papila leicht szenisch und schwungvoll untermalten heiteren Lieder Brahms', wie beispielsweise das der ständig von der Mutter fordernden und dabei unentschlossenen Tochter: "Och Modder, ich will en Ding han." Bis sich dann schlussendlich herausstellt, dass dies "Ding" doch ein ganz bestimmter junger Mann ist.

Nach der Pause folgte eine Uraufführung eines Stücks von Komponist R. Hiaeschen und Textautor C. G. Waller, die beide anwesend waren: der Liederzyklus "Sternenträume" mit den Liedern "Romeo und Julia", "Mondnacht", "Vaterunser" und "Himmlisches Wiegenlied". Dass diese Klänge erst vor kurzem entstanden sein sollen, erstaunte. Und erfüllte sicher nicht die Erwartung, eine zeitgenössische Komposition zu hören. Andererseits bedienten sie unseren aktuellen Zeitgeist und den darin entstehenden Wunsch zur einfachen Harmonie, zum "Früher", ohne in Oberflächliches abzugleiten.

Wie passend daher "Nur wer die Sehnsucht kennt" von Peter Tschaikowsky (1860-1903), Hugo Wolfs (1860-1911) "Kennst du das Land", Gustav Mahlers (1860-1911) "Urlicht" und Richard Wagners (1813-1883) "Träume". Hier konnten wahrhaft Wünsche, Träume und Sehnsüchte zumindest musikalisch aufs Beste in Erfüllung gehen. Und dass dies gelang, bezeugte der lange und intensive Applaus, der mit drei Zugaben belohnt wurde. Insgesamt war es also ein, ganz dem Thema entsprechend, romantischer Abend. Wohlgemerkt romantisch, nicht oberflächlich seicht.

Berchtesgadener Anzeiger, Februar 2008


Hamburger zeigt musikalische Tiefe und ungebärdigen Übermut

Franck-Thomas Link versteht es, Kraftvolles, zuweilen Ekstatisches mit weitbogiger Gesanglichkeit zu verbinden. Dank nuancierter Anschlagskultur durchwehten opalisierende Töne den Saal und verwandelten das Instrument in eine Palette von Klangfarben.

Schaumburger Zeitung, Januar 2005


Viel Licht, wenig Schatten

Erfreulich stellt sich das Grieg-Recital von Silke Schimkat dar. In der Subtilität der Gestaltung kann die Altistin sehr wohl mit Anne Sophie von Otters preisgekrönter CD konkurrieren, nicht zuletzt durch Schimkats intensive Auseinandersetzung mit der norwegischen Sprache und die klanglich delikate Begleitung von Franck-Thomas Link.

CD mit Liedern von Edvard Grieg, Fonoforum, April 2003


Makellose Virtuosität

Franck-Thomas Link verfügt über eine makellose Virtuosität, einen von Nuancen erfüllten Anschlag, eine seltene Expressivität, explosives Temperament, kurz: alles, was die ganz Großen ausmacht. Dazu kommt sein Auftreten, ein Kontakt zum Publikum, das sich ihm, gleich als er das Podium betrat, ergab.

L´Indpendant


Lunchkonzerte in der Handelskammer Hamburg

Auszeit: Pianist Franck-Thomas Link entführt Donnerstags in das Reich der Musik

Jeden Donnerstag Mittag tauchen Geschäftsleute und Stadtbummler für eine halbe Stunde in die Welt der Klassik ab - und das bereits 200 Mal: Die Lunchkonzerte in der Handelskammer haben sich zur beliebten Auszeit von der täglichen Hektik entwickelt. Das Konzept findet zunehmend Nachahmer. Kurz vor 12 Uhr, in den Börsenarkaden: Zwei junge Frauen halten Ausschau nach einer Freundin, die Plätze frei halten wollte. Die begehrtesten Sitze, nahe am Klavier, sind bereits seit einer halben Stunde belegt. Ein Programmblatt in die Handtasche und hinüber zum Getränketisch, wo der Ratsweinkeller wieder ein Glas Sekt spendiert. Ein Herr in dunklem Anzug wirft schon vordem Konzert ein paar Münzen in die Spendenbox: "Die Musik ist hier doch jede Woche ein Hochgenuss", sagt er. "Eintritt frei?", fragt ein anderer ungläubig. "Wo gibt's denn das noch?" Jeden Donnerstag um 12 bei den Lunchkonzerten in der Handelskammer. "Die Idee finde ich großartig", lobt Kultursenatorin Karin von Welck, als sie am 26. August das 200. Konzert besucht. Ihre Behörde hat die Lunchkonzerte neben Auftritten des NDR-Orchesters, der Hamburger Philharmoniker und anderer renommierter Ensembles in das Programm der "Kammermusikoffensive" aufgenommen. Die Bilanz der beliebten Reihe: 200 Konzerte in vier Jahren, rund 20 000 Besucher, über 60 hochkarätige Musiker aus ganz Europa, Japan, China, Südamerika und den USA. Komplett durch Sponsoren finanziert steht die Reihe nach Meinung von Präses Dr. Karl-Joachim Dreyer beispielhaft für die gelungene Partnerschaft von Kultur und Wirtschaft in der Hansestadt. Die Idee ist denkbar einfach. "Wir bieten mittags eine halbe Stunde lang Auszeit vom Alltags- und Geschäftleben, und zwar mitten in der City, wo die Menschen arbeiten und unterwegs sind", erklärt der Pianist Franck-Thomas Link, künstlerischer Leiter der Lunchkonzerte. "Der freie Eintritt und die ungezwungene Atmosphäre bieten zusätzliche Anreize, die Konzerte zu besuchen, gerade fürjunge Leute, die sonst nur schwer für Kammermusik zu begeistern sind." Mit dem aus Großbritannien stammenden Konzept der "Lunch-time-Concerts" übernahm die Handelskammer vor vier Jahren eine Vorreiterrolle in Deutschland. Mittlerweile wird das Erfolgsmodell kopiert. Die Hamburger Innenstadt belebt sich musikalisch auch außerhalb der etablierten Spielstätten, der Konzertbeginn richtet sich immer häufiger nach den Terminkalendern der Angestellten und Geschäftsleute. Die Lunchkonzerte selbst haben mit den Feierabendkonzerten in den Colonnaden eine erfolgreiche Seitenreihe bekommen. In der Handelskammer haben sich die Konzerte längst durchgesetzt. Umbauarbeiten in den Börsensälen stoppen Punkt 12 Uhr, und manche Kollegin nimmt Ihre Stöckelschuhe lieber in die Hand, als durch Absatzklappern das Konzert zu stören. "Viele Bereiche fragen an, ob wir auch im Rahmen anderer Veranstaltungen spielen können", erzählt Ulrich Bildstein, Geschäftsführer des Hamburger Kammerkunstvereins. "Seit die Handelskammer mit den Lunchkonzerten selbst als Konzertveranstalter auftritt, spielt die Musik im ganzen Haus eine andere Rolle." Den Erfolg der Reihe führt Bildstein auf drei Hauptfaktoren zurück. "Erstens setzen wir dauerhaft auf Qualität und verpflichten ausgewählte, hochkarätige Musiker. Die Stimmführer des Ensemble Resonanz beispielsweise treten regelmäßig bei uns auf. Zweitens gehen wir auf die Bedürfnisse unseres Zielpublikums ein. Wir bieten kurze Konzerte, kurze Wege und die Möglichkeit, nebenbei etwas zu essen. Und drittens lebt die Reihe von dem enormen persönlichen Engagement, das sowohl die Musiker als auch die Organisatoren und Sponsoren einbringen." Für das wöchentliche Stück Konzert-Kultur machen sich in de aktuellen saison die Berenberg bank, die HSH Nordbank, GlaxoSmithKline, Steinway & Sons sowie die Rotary Clubs Hamburg- Deichtor und Hamburg-Steintor stark. Im Oktober starten die Lunchkonzerte mit neuen Sponsoren in die 5. Saison. Auf Grund der Bauarbeiten am "Haus im Haus" können die Konzerte in gewohnter Weise nur bis Mai 2005 stattfinden. "Wir wollen aber unbedingt weitermachen", sagt Franck-Thomas Link. "Hamburg sioll die Kammermusikstadt Nr. 1 in deutschland werden, auch dank der Lunchkonzerte.

Hamburger Wirtschaft, Magazin der Handelskammer Hamburg, Oktober 2004