Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Brahms und Wien II

Der Komponist und die europäische Musikmetropole.


Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate B-Dur für Violine und Klavier KV 454

Arnold Schönberg, 6 kleine Klavierstücke op. 19

Ludwig van Beethoven, Sonate für Horn und Klavier op. 17

Anton Webern, Vier Stücke für Geige und Klavier op. 7

Pause

Franz Schubert, Sonate für Violine und Klavier A-Dur D 574 oder Sonatine a-moll (D 385)

Johannes Brahms, Trio für Horn, Violine und Klavier op. 40


Wien war im 19. Jahrhundert eine Stadt von internationaler Strahlkraft. Dies mag auch erklären, warum die berühmtesten Komponisten der Wiener Klassik und Romantik mit Ausnahme von Schubert gar keine gebürtigen Wiener waren. Brahms, der aus Hamburg in die Donaumetropole gekommen war, stellte sich bewusst in die Nachfolge Beethovens, Schuberts und Mozarts. Dabei war er allem Erfolg zum Trotz immer äußerst selbstkritisch. Er veröffentlichte nur Werke, von denen er absolut überzeugt war, wahrscheinlich vernichtete er ebenso viele seiner Kompositionen wie er veröffentlichte. Er liebte es nicht zu konzertieren und sprach nicht gern über seine Arbeit, wie ein Brief an Clara Schumann belegt: "Wundere dich nie, liebe Clara, daß ich nicht von meinen Arbeiten schreibe ... Ich bin nie, oder ganz selten nur etwas zufrieden mit mir. Wohl nie behaglich, sondern wechselnd vergnügt oder finster gestimmt. Ich habe aber so wenig Lust und Anlage, über meinen Mangel an Genie und Geschick zu anderen zu lamentieren, daß ich ganz von selbst immer anders aussehe...". Dennoch baute er in der Tradition derer, die er studierte und bewunderte, sein Lebenswerk auf. Beethoven bezeichnete er oft als den "Riesen, der hinter einem hermarschiert".

Beethoven, Mozart und Schubert hatten Spielregeln etabliert, die Brahms in seinen Kompositionen zum Teil bestätige, zum Teil durchbrach. Und auch Anton Webern war im weitesten Sinne ein Abkömmling dieser, wenn auch zu seiner Zeit bereits überlebten Epoche. Sein Lehrer Arnold Schönberg bezeichnete Brahms, der als Dreh- und Angelpunkt zwischen der klassisch-romantischen Tradition und der Moderne steht als "den Fortschrittlichen", der seine Progressivität immer auch aus dem Studium der alten Meistern speiste. Er selbst hatte die Wiener Tradition in einer neuen Richtung radikal weiterentwickelt, aus der die "Neue Wiener Schule" entstand.

Schönberg unterrichtete seinen Schüler Webern in diesem Sinne und inspirierte ihn zu Werken, über die Wissenschaftler später sagen sollten: "Webern komponierte Klangstenogramme von nie da gewesener Kürze, die in ihrer fragilen Gebärde so radikal waren wie Brahms' monumentale Musik. Aufs Molekül orientierte Arbeitsprozesse traten bei ihm an die Stelle expansiven Schaffensrausches."


Für die Brahms-Solisten gehören die Wiener Klassik, die Schubert-Brahmssche Romantik und die Neue Wiener Schule inhaltlich in einen Tiegel. In anderer Besetzung gehen sie im Programm Brahms und Wien I noch einmal auf die Stadt Wien ein, deren Bedeutung für die abendländische Musik gar nicht hoch genug einzuschätzen ist.