Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Treffpunkt Hamburg

Zwei große Hamburger Komponisten begegnen sich.


Alfred Schnittke, Klavierquintett (1972-1976)

Pause

Johannes Brahms, Klavierquintett op. 34 (1862-1864)


Johannes Brahms wurde 1833 als Sohn eines einfachen Musikanten in Hamburg geboren. Früh musizierte er mit seinem Vater in Hamburgs Schänken, was neben frühen musikalischen Prägungen auch zur Folge hatte, dass ihm nichts Menschliches fremd war. Seine Vorliebe fürs Musikantische spiegelt sich u. a. in den berühmten "Ungarischen Tänzen", den "Walzern" und seinen Volksliedbearbeitungen wider. Aber auch in seinem kammermusikalischen und sinfonischen Werk trifft man auf melodische Eigentümlichkeiten, deren volksmusikalischer Ursprung nicht zu verkennen ist – ein Aspekt, der manchmal in der Brahms-Rezeption, die geprägt ist von der Bewunderung für Polyphonie und Formstrenge, zu wenig Beachtung findet. Später engagierte sich Johannes Brahms für Antonín Dvorák, nicht zuletzt wegen des folkloristischen Moments in dessen Werk.

Brahms' Karriere fand im Wesentlichen in Wien statt. Doch darf man nicht vergessen, dass er sich immer wieder nach Hamburg zurück bewarb. Aber in seiner geliebten Heimatstadt ließ man ihn einfach nicht zum Zuge kommen.

Die Brahms-Solisten kombinieren in ihrem Programm "Hamburg" Brahms' Klavierquintett op. 34 mit dem Klavierquintett von Alfred Schnittke. Das Brahms-Quintett entstand in den Jahren 1862-64 und erfuhr einige Umstrukturierungen. Zunächst als Streichquintett konzipiert, hatte Brahms das Werk seinem Freund, dem Geiger Joseph Joachim vorgelegt, der ihm zu dieser ersten Fassung schrieb: "So wie das Quintett ist, möchte ich es nicht öffentlich produzieren - aber nur weil ich hoffe, du änderst hie und da einige selbst mir zu große Schroffheiten und lichtest hie und da das Kolorit." Brahms' Reaktion auf diese freundschaftliche, aber vernichtende Kritik war typisch. Er arbeitete das Werk komplett um, zunächst in die große Sonate für zwei Klaviere in f-moll, die er als op. 34 b veröffentlichte und die heute zum Repertoire vieler Klavierduos gehört. Die Idee, doch wieder zu einer Fassung mit Streichern zurückzukehren und eine Synthese aus der ersten und der zweiten Fassung herzustellen, nämlich mit Klavier und Streichquartett, verdankte Brahms dem Dirigenten Hermann Levi. Auf diese Weise dauerte die Arbeit am Klavierquintett op. 34 gut zwei Jahre. Nach dem Quintett sollte Brahms' Klavierkammermusik - mit Ausnahme des Trios für Horn, Violine und Klavier op. 40 - für etwa 20 Jahre ruhen.

Alfred Schnittke trat 1990 die Nachfolge Ligetis als Kompositionsprofessor in Hamburg an. Gewissermaßen war ihm vergönnt, wonach Brahms sich ein Leben lang gesehnt hatte. In seinem Klavierquintett arbeitet Schnittke mit vielen folkloristischer Ansätzen, die sich aus seinem Credo erklären, dass er "nichts Vorhandenes verscheuchen" wolle. In dieser Haltung sehen die Brahms-Solisten Hamburg eine große Nähe Schnittkes zu Brahms, denn ähnlich wie Schnittke fühlte sich Brahms der Musik seiner Zeit sehr verbunden.