Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Marsch der Riesen

Zwei monumentale Klaviertrios mit Modellcharakter.


Ludwig van Beethoven, Erzherzogtrio op. 97

Pause

Johannes Brahms, Trio H-Dur op. 8


Wien war im 19. Jahrhundert eine Stadt von internationaler Strahlkraft. Dies mag auch erklären, warum die berühmtesten Komponisten der Wiener Klassik und Romantik mit Ausnahme von Schubert gar keine gebürtigen Wiener waren. Brahms, der aus Hamburg in die Donaumetropole gekommen war, stellte sich bewusst in die Nachfolge Beethovens, Schuberts und Mozarts. Dabei war er allem Erfolg zum Trotz immer äußerst selbstkritisch. Er veröffentlichte nur Werke, von denen er absolut überzeugt war, wahrscheinlich vernichtete er ebenso viele seiner Kompositionen wie er veröffentlichte. Er liebte es nicht zu konzertieren und sprach nicht gern über seine Arbeit, wie ein Brief an Clara Schumann belegt: "Wundere dich nie, liebe Clara, daß ich nicht von meinen Arbeiten schreibe ... Ich bin nie, oder ganz selten nur etwas zufrieden mit mir. Wohl nie behaglich, sondern wechselnd vergnügt oder finster gestimmt. Ich habe aber so wenig Lust und Anlage, über meinen Mangel an Genie und Geschick zu anderen zu lamentieren, daß ich ganz von selbst immer anders aussehe...". Dennoch baute er in der Tradition derer, die er studierte und bewunderte, sein Lebenswerk auf. Beethoven bezeichnete er oft als den "Riesen, der hinter einem hermarschiert".

Doch auch Beethoven litt innere Qualen, allerdings weniger als Bühnenkünstler denn als politisch denkender Mensch. Dazu kamen Krankheiten und am Ende seines Lebens die Gehörlosigkeit, die ihn zur Verzweiflung brachten, trotzdem trat er regelmäßig als Dirigent oder Pianist auf, was Brahms vielleicht zusätzlich einschüchterte und zu kompositorischer Höchstleistung gemahnte. Sicher ist, dass Brahms das Werk Beethovens gründlich studiert hat und immer wieder konsultierte, wenn er selbst vor kompositorischen Fragen stand.

Im "Marsch der Riesen" sind die Brahms-Solisten Hamburg als Klaviertrio zu hören. Die beiden Trios sind monumentale Meisterwerke, die in ihrem jeweiligen Zusammenhang Modellcharakter haben. Das Programm mutet ein wenig wie ein "Sinfoniekonzert für drei Spieler" an.