Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Russische Nacht

Ein faszinierender Einblick in die Entwicklung der russischen Kammermusik von der Romantik bis zur Moderne.


Sergej Rachmaninow, Trio élégiaque g-moll

Sergej Prokofieff, Sonate Nr. 3 op. 28 für Klavier solo

Sofia Gubaidulina, "Freuet Euch!" für Violine und Violoncello

Pause

Peter Tschaikowsky, Trio a-moll op. 50


Dieses Programm fokussiert die russische Kammermusik zur Zeit der Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert. Der Sprung von der Romantik zur Musik des 20. Jahrhunderts in Russland interessiert die Brahms-Solisten Hamburg im selben Maße wie die Entwicklung der deutsch-österreichischen oder der französischen Musik im selben Zeitraum. In ganz Europa stellten sich klangliche, harmonische und emotionale Veränderungen ein, die zu einer neuen Epoche führten. In Russland fand aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen und einer anderen politischen Situation zeitgleich eine vollkommen andere musikalische Entwicklung statt.

Während in Frankreich (groupe des six) eine eher nüchterne Intellektualität das Musikschaffen prägte und in Wien das klassisch-romantische Erbe mit neuer harmonischer Grammatik angetreten wurde (Neue Wiener Schule), lebte die russische Musik weiterhin von der großen Emotion. Dies erklärt sich teilweise aus dem Phänomen, das man gemeinhin als die "russische Seele" bezeichnet. Dieses typisch dunkel-melancholische Moment wird in den Klaviertrios von Tschaikowsky und Rachmaninow besonders deutlich.

Die der russischen Romantik nachfolgenden sowjetischen Komponisten hatten zum größten Teil mit politischen Repressionen zu kämpfen und konnten nicht ohne weiteres jede neue Idee umsetzen. Sie waren darauf angewiesen, zu subtileren künstlerischen Mitteln zu greifen wie Ironie, Witz und feinsinnigem Sarkasmus. Das ungebrochen hohe technische Niveau der Instrumentalisten, man denke an Richter, Oistrach oder Rostropovitsch, ließ den Gedanken an eine Minimierung der musikalischen Dimensionen, wie sie etwa bei der Neuen Wiener Schule zu beobachten war, nicht aufkommen. Die Virtuosität blieb auch nach der Oktoberrevolution in der Musik der Sowjetunion immer ein wesentlicher Teil des künstlerischen Ausdrucks.

In der "Russischen Nacht" öffnen die Brahms-Solisten Hamburg ein kleines Fenster, durch das man auf das weite Feld einer faszinierenden musikalischen Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts in Russland sehen kann.