Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

La France moderne

Französische Kammermusik des 20. Jahrhunderts.


Francis Poulenc, Sonate für Klarinette und Klavier

Maurice Ravel, Sonate für Violine und Violoncello

Olivier Messiaen, thème et variations für Violine und Klavier

Pause

Olivier Messiaen, Quattuor pour la fin du temps


Mit dem Programm "La France moderne" verlassen die Brahms-Solisten Hamburg das Territorium der Romantik. Im ersten Teil des Konzerts spielen die vier Musiker in Duobesetzungen französische Kammermusik des 20. Jahrhundert.

Die Sonate für Klarinette und Klavier von Francis Poulenc entstand im Jahre 1957 und ist das jüngste Stück des Konzertprogramms. Sie ist ganz im Sinne der "groupe des six" komponiert (Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Germaine Tailleferre, Louis Durey und Georges Auric), einer Gruppe von Komponisten, die sich vorgenommen hatten, den spätromantischen Stil aus der französischen Musik zu verbannen, ohne aber wie beispielsweise Schönberg die Tonalität gänzlich aufzugeben, die sie als "Grundprinzip der wahren (musikalischen) Architektur" verstanden. Die Klarinettensonate ist ein unsentimentales Werk voller Esprit und eröffnet voller Spielfreude und Raffinement das Konzert.

Ravels Sonate für Violine und Violoncello ist der späteren Schaffensperiode des Komponisten zuzuordnen. Ihrer Form nach eine klassische Sonate mit vier Sätzen, ist die Sonate ein sehr progressives Stück, harmonisch zum Teil bitonal, manchmal atonal. Ravel war einer der großen französischen Impressionisten, gleichzeitig ist der Sonate deutlich anzumerken, dass Ravel auch die Musik von Strawinsky und Schönberg, zwei Gegenpolen in diesen Jahren, bekannt war.

Während die Variationen für Violine und Klavier von Olivier Messiaen ein überaus erfreuliches Stück Musik sind, nämlich das liebevolle Hochzeitsgeschenk Messiaens an seine Frau, handelt es sich beim "Quartett für das Ende der Zeit" um ein sehr ernstes Werk. Messiaen schrieb es im Kriegswinter 1940/41 als Kriegsgefangener im schlesischen Görlitz, die Uraufführung fand vor über 5000 Gefangenen statt. Der Komponist saß selbst am Klavier und berichtete später, nie wieder danach habe er ein Publikum erlebt, das mit solcher Aufmerksamkeit und so viel Verständnis zuhörte. Messiaen sagte später über das Werk, es umschließe "alles, was ich geliebt habe und noch immer liebe. Zuerst den Regenbogen, Symbol der Klangfarbe, der farbigen Visionen, die mir beim Hören und Lesen von Musik vor das innere Auge treten".

Das Werk besteht aus sieben Sätzen. Die Zahl Sieben, so Messiaen, symbolisiert die sechstägige Schöpfung, geheiligt durch den siebten Tag, den Sabbat. Übersetzt lauten die Satztitel:

1. Kristallene Liturgie
2. Vokalise für den Engel, der das Ende der Zeit verkündet
3. Abgrund der Vögel
4. Intermezzo
5. Lobpreisung der Ewigkeit Jesu
6. Tanz der Raserei für die sieben Posaunen
7. Lobpreisung der Unsterblichkeit Jesu.