Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Brahms der Fortschrittliche

Dreh- und Angelpunkt zwischen Wiener Klassik und Moderne.


Wolfgang Amadeus Mozart, Quartett g-moll KV 478

Arnold Schönberg, 6 kleine Klavierstücke op. 19

Wolfgang Amadeus Mozart, Duo G-Dur KV 423 für Violine und Viola

Ludwig van Beethoven, Duett mit zwei obligaten Augengläsern für Viola und Violoncello WoO 32

Anton Webern, Fünf Sätze für Streichquartett op. 5

Pause

Johannes Brahms, Klavierquintett op. 34


Johannes Brahms wurde auf Arnold Schönberg wegen dessen frühen Streichquartetts aufmerksam. Schönbergs Freund und späterer Schwager Alexander Zemlinsky, der von Brahms sehr gefördert wurde, hatte ihm die Partitur des Quartetts gegeben. Das Quartett wurde später auch im Wiener Musikverein aufgeführt. Brahms soll sogar ein Stipendium für seinen autodidaktischen jungen Kollegen angeboten haben, das Schönberg aber nie angenommen hat. Allerdings hat sich Schönberg genau über die Arbeitsmethoden seines Idols Johannes Brahms unterrichten lassen. Es ist bekannt, dass Brahms die Partituren seiner Vorgänger immer in Reichweite des Schreibpultes, an dem er arbeitete, bereithielt und immer wieder studierte, wie die großen Meister kompositorische Probleme lösten, vor denen er selbst gerade stand. Diese tiefe Verbundenheit mit Bach, der Wiener Klassik, Schubert, Mendelssohn, Schumann, aber auch Meistern der Renaissance und des Frühbarock imponierte Schönberg und beeinflusste seine eigene Arbeitsweise als Komponist und Lehrer tiefgehend.

Arnold Schönberg war der Begründer der "Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen" (Zwölftonmusik) und Lehrer vieler wichtiger Komponisten wie Alban Berg, Anton Webern und Hanns Eisler. Schönberg war Haupt der "Neuen Wiener Schule", deren Einfluss bis in die Moderne des 21. Jahrhunderts hineinstrahlt. Auch wenn Schönberg die Tonalität, deren Grenzen Brahms nie überschritt, auflöste und damit die musikalische Moderne einleitete, betrachtete er Brahms als Vorläufer moderner Kompositionstechniken (z.B. das Prinzip der "entwickelnden Variation").

Entgegen der gängigen Auffassung von Brahms als ausschließlich rückwärtsgewandtem Klassizisten stellt Schönberg ihn in seinem Aufsatz "Brahms, der Fortschrittliche" als Dreh- und Angelpunkt zwischen der Wiener Klassik und der Moderne dar. Diesen Aspekt beleuchten die Brahms-Solisten Hamburg in ihrem Programm "Brahms der Fortschrittliche".