Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Brahms-Solisten Hamburg

Kniefall vor hoher Liedkunst

Nartum (ti). Das einzigartige Ambiente des Hauses Kreienhoop nutzten am Freitag Altistin Jale Papila und Pianist Franck-Thomas Link zu einem betörenden Liederabend. Die Musiker des Hamburger Kammerkunstvereins präsentierten unter anderem verschiedene Versionen der Mignon-Lieder.

„Ich habe selten ein Haus gesehen, das soviel Geist und Herz in jedem Winkel hat. Es ist etwas ganz Besonderes“, sagte Altistin Jale Papila. „Es ist alles so persönlich hier“, sagte Pianist Franck-Thomas Link, der bereits zum vierten Mal im Haus Kreienhoop spielte. „Ich fühle mich hier wie zuhause.“ Den Zuhörern, die von Raum zu Raum zu flanierten, sich in den unzähligen Details aus dem Leben des Dichters verloren oder von den kleinen Trauben aßen, deren Reben an der Decke wuchsen, schien es ebenso zu gehen. Gastgeberin Hildegard Kempowski dankte dafür ihrem Mann, dem 2007 verstorbenen Dichter Walter Kempowski: „Dass wir in solch einem Ambiente Musik genießen dürfen, das hat er ermöglicht.“

Hochklassig nahm sich das musikalische Programm des Abends aus. „Es ist eine Pracht“, pries Hildegard Kempowski bereits im Voraus die Stimme Jale Papilas - und das strahlend blaue Kleid der Altistin. Das Duo hatte bereits im November letzten Jahres im Haus Kreienhoop mit einem Liederabend Eindruck gemacht. Hauptfigur dieses Abends sollte Mignon werden, die tragische Mädchengestalt aus Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Ihre Lieder hatten gleich mehrere Komponisten zu Vertonungen inspiriert.

Zunächst jedoch die Zigeunermelodien Antonin Dvoraks, deren Stimmungen zwischen dem schwermütigen „Als die alte Mutter“ und dem schwungvollen „Rein gestimmt die Seiten“ wechselten. Nach ausgiebigem Applaus folgten die „Gesänge der Mignon“ in der Vertonung Robert Schumanns, unter denen vor allem das tieftraurige „Heiss' mich nicht reden“ das Publikum rührte. Deutlich lebhafter ging es nach einer kurzen Pause weiter.

Vier Lieder der Komponistin Pauline Viardot-Garcia sang Papila in Italienisch, Spanisch und Französisch. Im letzten Lied machten „Les Filles des Cadix“ – die Töchter der Stadt Cadiz – von sich reden. Das vielleicht lebhafteste Lied des Abends riss erneut zu Applaus und Bravo-Rufen hin, auch wenn kaum jemand der Lyrik folgen konnte. „Beim nächsten Mal brauchen wir die Texte“, räumte Hildegard Kempowski ein.

Schließlich gab es die „Lieder der Mignon“ des Komponisten Hugo Wolf. Sie klangen strenger, erwachsener als die Schumanns. Hier verwickelte eine deutlich reifere Person die Zuhörer in eine intensive Ansprache. Dem erneuten Applaus folgten als Zugabe zwei Lieder Johannes Brahms'. „Brahms ist doch Norddeutscher, der gehört einfach dazu“, sagte Papila im Anschluss. Auch für Link war Brahms Herzensangelegenheit: „Der muss dabei sein.“ Höchstes Lob zollte im Anschluss Gastgeberin Hildegard Kempowski: „Vor den Texten, vor den Lieder und vor dieser Musik müsste man auf die Knie fallen.“ Die Chancen, dass das Duo auch in der nächsten Saison im Haus Kreienhoop zu Gast ist, stehen offenbar recht gut.

Zevener Zeitung, 8. September 2009


Wenn Beethovens Werk zum unvergesslichen Erlebnis wird

Einen unvergesslichen Kammerkonzert-Abend erlebten die fast 100 Besucher, die am schwülheißen Freitagabend in das Haus Kreienhoop gekommen waren. Der Pianist Franck-Thomas Link und der Geiger Benjamin Spillner spielten Klavier- und Violinsonaten von Ludwig van Beethoven.

Nartum (rsk). „Ich kann leider keine Fächer verteilen heute Abend. Ich hoffe, dass die Künstler durchhalten“, so die Gastgeberin Hildegard Kempowski bei ihrer Begrüßung zur „Musik im Haus Kreienhoop“. Das Publikum griff derweil zum Programmzettel.

Der Hamburger Pianist Franck-Thomas Link begann die Klaviersonate Opus 10 Nr. 3 D-Dur von Ludwig van Beethoven furios mit dem einleitenden Presto-Satz. Der langsame Satz largo e mesto, schön und schwermütig, folgte. Das Menuett führt mit seiner Leichtigkeit zu einer heiteren Stimmung zurück, die zu dem Rondo-Finalsatz passt, der voller fröhlicher Einfälle die Klaviersonate abschließt. Das Publikum dankte ihm mit großem Applaus.

Es folgten zwei der bekanntesten Beethoven-Sonaten für Violine und Klavier. Vor der Pause war die Frühlingssonate Nr. 5 in F-Dur opus 24 mit dem Geiger Benjamin Spillner und Franck-Thomas Link zu hören. Das Werk mit seinem hellen und heiteren Charakter und die Spielfreude der Musiker, die auch nicht nachließ, als sich selbst die Zuhörer den Schweiß von der Stirn wischen mussten, ließen den Abend zu einem Erlebnis werden.

Die berühmteste Beethovensche Violinsonate, die Kreutzer-Sonate (Nr. 9 A-Dur opus 47) war nach der Pause zu hören. Diese Sonate sprengte fast den kammermusikalischen Rahmen und wirkte an manchen Stellen wie ein Konzert mit Orchester. Schwirrende Geigenklänge und ein Zusammenspiel der Instrumente, das sich mit gezupfter Violine (piccicato) und Piano-Perlen in atemberaubende Höhen hochschraubte und abbrach, um mit dem gleichen Thema aufs Neue von unten aufzusteigen.

Nicht enden wollender Beifall forderte eine Zugabe. Die Künstler wählten den langsamen Satz aus der Frühlingssonate, interessanterweise in einer anderen Interpretation als vor der Pause – diesmal langsam und romantisch. Da fand das Gewitter keine passende Stelle für seinen Einsatz und verzog sich nach einigen wenigen Tropfen.

Zevener Zeitung, 13. Juli 2009


Schlosskonzert verführte zum Träumen

Brahms-Solisten entführten Publikum in andere Dimensionen

Winsen. Eine Kammerkonzert-Delikatesse bot der Kulturverein Winsen am Wochenende anlässlich des 175. Geburtstages von Johannes Brahms. Brahms galt schon in jungen Jahren als Ausnahmemusiker. Mit seinem Werk voller Schmelz und Dramatik verzauberten die Brahms-Solisten aus Hamburg die Besucher des Schlosskonzertes im Marstall.

Barbara Bultmann (Violine), Miriam Götting (Viola), Cosima Gerhard (Violoncello) und Franck-Thomas Link (Flügel) lebten den Sturm und Drang der Musik Brahms' mit und boten den Zuhörern ein leidenschaftliches Bekenntnis voller zu Herzen gehender Innigkeit. Schon zu Beginn des Programms verführten sie das Publikum mit der Sonate für Violoncello und Klavier zum Schwelgen. Die weich gestrichenen Klänge des Cellos wiegten sich mit den Pianotönen. Die Instrumentalisten lebten die Musik ohne gefühlsduselig zu sein. Franck-Thomas Link zeigte auf dem Flügel eine Virtuosität voller Kontraste, die sowohl Solo als auch im Zusammenspiel brillierte. Bei den Liedern unterstrich die hervorragende Altstimme von Jale Papila die Klänge der Musik ohne sie zu überlagern. Klavier und Stimme ergänzten sich in Klangfarbe und Klarheit. Besonders "Meine Liebe ist grün" gefiel den Besuchern. Den Liedtext dazu dichtete einst Brahms' Patensohn Felix Schumann, das jüngste Kind von Clara Schumann.

Beim geistlichen Wiegenlied, das die Melodie von Josef, lieber Josef mein" variierte, erzeugte die Romantik schon fast eine Gänsehaut. Und mit "Guten Abend, gute Nacht" entließen die Brahms-Solisten die Zuhörer voller Weichheit aus einem Traumkonzert in andere Träume.

Winsener Anzeiger, Oktober 2008


Meisterkonzert Limburg, Januar 2008

Limburg. Juditha Haeberlin, Corinna Guthmann (Violinen), Miriam Götting (Viola), Saskia Ogilvie (Violoncello) und der Pianist Franck-Thomas Link bilden das Ensemble „Brahms-Solisten“ aus Hamburg, das am Montagabend das vierte Meisterkonzert bestritt. Die Streicherinnen sind auch Mitglieder des Hamburger „Ensembles Resonanz“, das bekannt ist für neue unkonventionelle Herangehensweisen an traditionelle Musik.

Mit Werken von Beethoven und Brahms war ein Programm zusammengestellt worden, das das Herz jedes Kammermusik-Liebhabers höher schlagen ließ. Dabei stand ein reiner Beethoven-Teil mit mehreren eher kompakten Stücken zu Beginn einer einzigen, dafür umso eindrucksvolleren Brahms-Komposition nach der Pause gegenüber.

Den Höhepunkt der ersten Hälfte bildete die Frühlingssonate Nr. 5, F-Dur, op. 24. Corinna Guthmann und Franck-Thomas Link spielten die vier Sätze des heiteren Werks mit schönem Schwung, verspielt und keck zu Beginn und im Scherzo, gefühlvoll im langsamen Satz und flott im Schluss-Rondo. Das Klavierquintett f-Moll, op. 34, welches nach der Pause erklang, gilt nicht umsonst als Höhepunkt der ersten Epoche Brahms’ scher Klavierkammermusik. Voller Dramatik, Feuer und Virtuosität zieht es vom ersten bis zum letzten Ton in Bann. Den Brahms-Solisten gelang eine wunderbar dichte Interpretation mit großem Ausdruck und eindrucksvollem Zusammenspiel. Zwei zupackend musizierte Ecksätze umrahmten ein kantables Andante, dem es nicht an Tragik fehlte. Besonders schön war der dritte Satz, ein rhythmisch sehr pointiertes Scherzo, dessen Unruhe die Musiker herrlich plastisch darstellten. So bekam der Konzertabend einen ausgesprochen gelungenen Abschluss, der auch begeistert beklatscht wurde.

Frankfurter Neue Presse, Januar 2008


Bünte Live, Januar 2008

Das Programm begann mit dem sehr konzentrierten Trio C-Dur KV 548 von Mozart. Wirkte der Kopfsatz noch sehr spielerisch, so wirkte das Finale sehr durchgeistigt. Beim langsamen Satz warfen sich die Musiker das Thema nur so zu. Dieser Eindruck blinden Vertrauens blieb auch bei Beethovens Trio c-moll op. 1 Nr. 3 bestehen. Hier zeigte sich aber auch wie dramatisch das Trio zu Werke gehen kann. Im langsamen Satz brachten die drei Musiker immer wieder neue Klangfarben hervor. Wer nun meinte, damit sei das Repertoire der Drei erschöpft, wurde nach der Pause angenehm überrascht. Bei Mendelssohns Trio d-moll op. 49 frönten sie ungehemmt romantischem Überschwang. Unglaublich, was da an Klangfülle entstand. So kam es zu einem äußerst mitreißenden Finale, auf das ein lang anhaltender Beifall folgte. Ein unerwartet reicher Musikabend an einem unerwarteten Ort.

Harburger Nachrichten, Januar 2008