Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

359. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Werke von Bach und Poulenc


Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


Johann Sebastian Bach,
Sonate für Flöte und Klavier h-moll BWV 1030

Andante
Largo e dolce
Presto

Francis Poulenc,
Sonate für Flöte und Klavier (1957)

Allegro malincolico
Cantilena
Presto giocoso


Unglaubliche Welten tun sich auf, wenn der Großmeister Bach persönlich seine ganze Genialität in solistische oder klein besetzte Kammermusik verpackt. Seine zahlreichen Sonaten für Traversflöte oder Violine und obligates Cembalo üben eine magische Anziehungskraft aus, der sich kein Kammermusiker entziehen kann. Die Sonate für Flöte und Klavier (Cembalo) in h-Moll BWV 1030 blickt auf eine lange Entstehungszeit zurück. Sie beginnt mit einer gegen 1720 in Köthen konzipierten Fassung in g-Moll, doch der Autograph der endgültigen Fassung ist auf Mitte 1730 datiert, eine Zeit, in der Bach schon lange in Leipzig lebte. Die Sonate ist dreisätzig, nach der Concerto-Ordnung schnell-langsam-schnell angelegt. Ein eher feierliches Andante eröffnet den Satz, dessen gemessenes Tempo unerläßlich erscheint angesichts seines komplizierten Satzaufbaus und der höchst farbigen Kontrapunktik. Dieses Andante zählt nicht nur zu den längsten, sondern auch zu den bedeutendsten Bachschen Sonatensätzen. Bachs künstlerische Ökonomie, seine großartige Fähigkeit, in keinen Augenblick den Eindruck kalkulierter Konstruktion entstehen zu lassen, lassen den Satz trotz seiner zahlreichen polyphonen Verflechtungen dennoch nicht überladen oder kopflastig erscheinen.

Henning Albrecht


Der erste Satz verarbeitet in einer freien, dreiteiligen Form ein melancholisches Hauptthema und ein heiter aufspringendes Gegenthema. Der sangliche zweite Satz (Tempovorgabe Assez lent) erinnert an die der Opernfigur Constance zugedachte Musik im kurz zuvor entstandenen „Dialogues des Carmélites“. Ein vorwiegend heiter-virtuoser Satz, in den gegen Ende Subito piu lento eine Reminiszenz an den melancholischen ersten Satz eingeblendet wird, beschließt die Sonate wirkungsvoll. Die amerikanische Erstaufführung erlebte die Flötensonate Poulencs im Coolidge Auditorium der Library of Congress in Washington, D.C. am 14. Februar 1958 mit Jean-Pierre Rampal und dem Pianisten Robert Veyron-Lacroix, und wurde ein großer Erfolg. In der Folge avancierte Poulencs Flötensonate zu einem der beliebtesten Werke des Komponisten und zugleich zum Bestandteil des flötistischen Standardrepertoires.


Mehr zur Reihe Lunchkonzerte in der Handelskammer Hamburg.