Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

344. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Lieder von Johannes Brahms u. a.

Jale Papila und Franck-Thomas Link

Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


Claude Debussy,
Trois Chansons de Bilitis

La flûte de Pan
La Chevelure
Le tombeau des Naiades

Johannes Brahms,
Lieder von Johannes Brahms

Nicht mehr zu dir zu gehen (Georg Friedrich Daumer) op. 33 Nr. 2
Ach wende diesen Blick (Georg Friedrich Daumer) op. 57 Nr. 4
Meine Liebe ist grün (Felix Schumann) op. 63 Nr. 5
Wie bist Du, meine Königin (Georg Friedrich Daumer) op. 32 Nr. 9
Immer leiser wird mein Schlummer (Hermann von Lingg) op. 105 Nr. 2


Pierre Louys, der Textdichter, der „Trois Chansons de Bilitis“ von Claude Debussy aus den Jahren 1898 / 99, ist ein Verkünder einer neuen, heiteren Antike, eines sinnenfroh-amourösen Hellenismus, und übte als naher Freund Debussys tiefen Einfluss auf den Komponisten au. Er hat Teil an Debussys Wandlung vom Impressionisten zum Klassizisten, zum Meister französischer Klarheit und Diskretion. „La flûte de Pan“ ist eine Liebesszene, von der Hirtin Bilitis erzählt: Pan schenkt ihr eine Syrinx und lehrt sie, die auf seinen Knien sitzt, das Spielen; ihre Münder wechseln sich ab, ihre Melodien antworten einander, ihre Lippen finden sich, es wird Nacht. Dies wird mit leichten, graziösen Strichen als bezauberndes Miniaturbild gemalt, ohne Leidenschaft und Schwüle, mit heiterer, spielender Naivität, mit klassischer Einfachheit der musikalischen Mittel. Ernster, leidenschaftlicher empfunden ist „La Chevelure“, die Vortragsbezeichnung lautet „très expressif et passionnément concentré“. Der Liebende träumt, er habe das Haar des Mädchens um Hals und Nacken gewunden, er fühlt, wie er mit ihr eins wird, sie erschauert vor seinem Blick; seufzende Motive, chromatisch drängende Linien steigern sich zum Höhepunkt, dem geträumten Kuss. Ein trauriges Bild steht am Ende: „Le tombeau des Naiades“. Der Winter ist gekommen, Satyrn und Nymphen sind tot, die vereiste Quelle ist zum Grab der Najaden geworden. Die Melancholie der erstarrten Natur klingt in den gleichförmigen Terzenketten der Klaviers, der müden, wie tonlosen Deklamation der Singstimme.

Jale Papila


Unsere Auswahl aus den Liedern von Johannes Brahms kreist um das Thema der leidenschaftlichen Liebe. Johannes Brahms gibt Georg Friedrich Daumers Gedicht „Nicht mehr zu dir zu gehen“ den Boden, um in meisterhafter Art absolut hingebungsvolle, wahrscheinlich heimliche Liebe nachzeichnen zu können: „Ach rede, sprich ein Wort nur, ein einziges, gib Leben oder Tod mir ...“ Man denkt dabei unwillkürlich an die nie offen gelebte Liebe zwischen Brahms und Clara Schumann.

Auch in „Ach, wende diesen Blick“ werden wir Zeuge einer Begegnung zweier Leidensgenossen in puncto Liebe, nämlich Daumer und Brahms. Hier geht es allerdings nicht um die Aufforderung, „ja“ oder „nein“ zu sagen. Der liebende Sänger wehrt sich gegen noch mehr Pein: „Mit ewig neuem Harm erfülle nicht!“ ist die Forderung des Verliebten, der seine unglückliche Liebe wie den Biss einer Schlange in sein Herz empfindet.

An dieser Stelle brauchen wir eine erklärende Pause vom Liebesleid, mit dem sich Brahms immer wieder in seinen Liedern beschäftigt hat. „Meine Liebe ist grün“ zeigt einen stürmisch liebenden Komponisten und einen nicht weniger stürmischen Dichter, nämlich Felix Schumann, den Sohn von Clara und Robert. An dieser Stelle wird deutlich, dass großes Liebesleid nur im Falle von leidenschaftlicher Liebesfähigkeit entstehen kann.

Nach dieser Tröstung lassen wir es noch einmal auf eine Begegnung zwischen den leidenschaftlichen Liebenden Brahms und Daumer ankommen. In dem Lied „Wie bist Du meine Königin“ beschreiben die beiden Autoren die zärtliche Liebe zu der Frau, für die sie bereit sind, durch die Wüste zu gehen. „Ob auch die herbste Todesqual die Brust durchwüte, wonnevoll“, „Wie bist, Du meine Königin, durch sanfte Güte, wonnevoll“.

In „Immer leiser wird mein Schlummer“ behält das Unglück der unglücklichen Liebe die Oberhand. Hermann Lingg beschreibt das Sterben der geliebten Frau. Auf dem Sterbebett sagt sie: „...eine Andre wirst Du küssen, wenn ich bleich und kalt ... willst du mich noch einmal seh'n, o komme bald.“

Franck-Thomas Link


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