Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Pianissimo

Klassik im Tunnel - Matineekonzert in der Gallery Mytoro

Franck-Thomas Link, Gallery Mytoro

Der Pianist Franck-Thomas Link begrüßt den Flügel an einem ungewöhnlichen Ort: Ludwig van Beethoven, Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3; Frédéric Chopin, Ballade Nr. 1 g-moll op. 23; Claude Debussy, Images II; Modest Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung



Der Eintritt ist frei, für das leibliche Wohl wird gesorgt. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, wir bitten um telefonische Reservierung bei der Gallery Mytoro unter 040 / 55431313 oder per Email unter gallerist@mytoro.de.


Gallery Mytoro, Lüneburger Straße 1a, 21073 Hamburg, Gloriatunnel, Bhf. Harburg, Ausg. Moorstraße, beim Cinemaxx


Programm als PDF


Ludwig van Beethoven,
Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3

Presto
Largo e mesto
Menuetto: Allegro - Trio - Allegro
Rondo: Allegro

Frédéric Chopin,
Ballade Nr. 1 g-moll op. 23

Claude Debussy,
Six Images, Deuxième Livre

IV. Cloches à travers les feuilles. Lent.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut. Lent.

VI. Poissons d'or. Animé.

Modest Mussorgski,
Bilder einer Ausstellung

Promenade
Gnomus
Promenade
Das alte Schloss
Promenade
Tuillerien
Bydlo
Promenade
Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen
Samuel Goldberg und Schmuyle
Promenade
Der Marktplatz von Limoges
Catakombae: Sepulcrum romanum - Con mortuis in lingua mortua
Die Hütte der Baba Yaga
Das große Tor von Kiew


Die Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 gehört zu den frühen Sonaten Beethovens und entstand im Jahre 1798. Der erste Satz „Presto“ ist der klanglich und technisch reichste Sonatenhauptsatz, den Beethoven bis dahin geschrieben hatte. Er zeichnet sich durch eine, wie es Reclams Klaviermusik-Führer beschreibt, „wirbelnde Fülle kontrastierender Gestalten und Stimmungen“ aus. Gleichwohl ist dieser Satz mit sehr sparsamen Mitteln konzipiert. Beide Hauptthemen sind aus sehr ähnlichem Material komponiert. Der stürmische Charakter des Satzes, der eigentlich bereits in der Exposition etabliert zu sein scheint, wird in der Durchführung noch weiter getrieben, indem Beethoven sofort die eigentliche Tonart verlässt und nach B-Dur ausbricht. Es wirkt, als hätte sich Beethoven in großer Hast lediglich die Zeit genommen, den Kopf des ersten Hauptthemas mitzunehmen, denn nur der wird in der Durchführung eine Rolle spielen. Das restliche thematische Material taucht erst in der Reprise wieder auf. Über den zweiten Satz „Largo e mesto“ ist es schwer zu schreiben, so eindeutig ist er in seiner musikalischen Komposition. Wie die Vortragsbezeichnung „mesto“ (ital. „traurig“) bereits mitteilt, gilt dieser Satz als einer der finstersten und tragischsten Sätze in Beethovens Klaviermusik. Er habe den Seelenzustand eines Melancholikers schildern wollen, hat Beethoven einmal seinem Schüler Schindler erklärt. Die Schlichtheit und Einfachheit des dritten Satzes, dem Menuett, scheint die tiefe Trauer, von der vorher die Rede war, zu trösten und zu transformieren. Das führt uns direkt in den Finalsatz „Rondo“, der im Gegensatz zum tragischen Zentrum des Werkes äußerst fröhlich und und voller Esprit und Einfallsreichtum diese herrliche Klaviersonate zu Ende führt.

Franck-Thomas Link


Die Ballade Nr. 1 g-moll op. 23 ist die erste von vier Balladen, die Frédéric Chopin komponierte. Er entwarf sie 1831 auf einer Reise nach Wien und stellte sie vier Jahre später in Paris fertig. Sie ist Baron Nathaniel Stockhausen gewidmet und erschien 1836 gleichzeitig in Frankreich, England und Deutschland. Balladen sind in der romantischen Klaviermusik zuweilen durch literarische Balladen inspiriert, oft aber gibt es keinen konkreten Inhalt. Die Komposition greift dann vor allem den episch-erzählerischen Charakter und lyrischen Ausdruck der Balladenform auf und macht die Musik zum eigentlichen Inhalt - so auch hier.

Formal ist die Ballade g-moll in einer Mosaikform gehalten, was bedeutet, dass es große Episoden gibt, in denen nicht mit Durchführungstechniken wie z.B. Variationsformen oder Umkehrungen gearbeitet wird, die wie einzelne Blöcke dastehen. Diese Blöcke sind auf literarischer Ebene am ehesten mit einzelnen Geschichten vergleichbar. In diesem brillanten Werk geht jedoch fast jede musikalische Entwicklung motivisch, wenn auch oft versteckt, auf eines der drei Hauptthemen zurück, was den vordergründig poetischen und dramatischen Inhalt des Werkes auf einen musikalisch äußerst fundierten Boden stellt. So gelingt es Chopin meisterhaft, die einzelnen Episoden miteinander zu verbinden und einen großen erzählerischen Bogen zu spannen.

Zunächst öffnet sich der „Vorhang“ mit einer kurzen Unisono-Introduktion, und das melancholische Hauptthema erscheint. Diese erste Exposition bleibt aber nur eine kurze Episode und wird von einem stürmischen zweiten Themenblock überrollt. Nachdem dann auch das dritte lyrische Thema (in Dur) vorgestellt ist, wächst sich jedes der drei Themen in einem dichten Klaviersatz zu dramatischer Größe aus. Kurz bevor die Coda der Ballade erreicht wird, erscheint wieder das erste Thema in seiner ursprünglichen Tonart g-moll, diese Mal allerdings nicht von den zarten Akkorden des Anfangs begleitet, sondern mit getupftem tiefem Orgelpunkt auf der Dominante D. Dieses Klopfen oder Tupfen wirkt fast erschöpft. Und doch bäumt sich das Werk noch einmal wogend auf und steigert in der Coda die Dramatik und Dynamik in einem bis dahin noch nicht dagewesenen Maße.

Franck-Thomas Link


Claude Debussy gilt als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus, obwohl er sich gegen diese aus der Malerei entlehnte Bezeichnung zeitlebens gewehrt hat. „Die Dummköpfe nennen es ‚Impressionismus“ – ein Begriff, der so schlecht angewandt ist wie nur irgend möglich!“, wird er zitiert. Debussy wollte mit seiner Musik Stimmungsbilder erschaffen, ein Kompositionsprinzip, das sich in den beiden Bänden der „Images“ besonders gut erfahren lässt. Von der Wirkung seiner „Images“ war der Komponist absolut überzeugt: „Ich glaube, dass diese Stücke […] ihren Platz in der Klavierliteratur einnehmen werden, […] zur Linken Schumanns und zur Rechten Chopins.“

IV. Cloches à travers les feuilles - Glockenklang durchdringt die Blätter

Der Musikkritiker und Schriftsteller Louis Laloy, der Debussy zu diesem und zu dem folgenden „Image“ anregte, teilt mit, dass altem ländlichen Brauch zufolge von Allerheiligen bis Allerseelen die Glocken geläutet wurden, deren Klang sich als zarter akustischer Schleier über die herbstliche Landschaft legte. Debussy vereint hier die Reize des Lichts und das Irisieren der Blätter mit dem Klang der Glocken zu verschiedenen perspektivischen Schichten, die Nähe und Ferne suggerieren, verdichtet zu einem musikalisch-konstruktivistischen Naturgemälde.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut - Und der Mond senkt sich über den vergangenen Tempel

Ein antikes, orientalisch geprägtes Bild mit Momenten von Stille und quälend einsamer Entrückung. Dem „Canope“ aus dem zweiten Band der Préludes ähnlich, beschwört es nicht nur die Vision des Monduntergangs über einer Tempelruine, sondern erscheint wie ein fernes Traumbild, als Ahnung der Gegenwart vergangener Kulturen.

VI. Poissons d'or - Goldfische

Angeregt von einer japanischen Lackmalerei. Die musikalische Realität dieses Stückes geht weit über die eher beschaulichen Assoziationen, die der Titel weckt, hinaus und entwickelt sich mehr und mehr zu einer humoristischen Wassermusik, die sich bei aller Strenge ihrer „harmonischen Chemie“ (Debussy) einem ungemein heiter-turbulenten Finale, das den Hörer zu dem Sujet des ersten Images („Reflets dans l'eau“) zurückführt, nicht verschließt.


Modest P. Mussorgski (1839-1881) wurde hauptsächlich durch seine Oper „Boris Godunow“ bekannt. Er war Offizier und Beamter. Das Komponieren betrieb er, ohne auf die musikalischen Regeln der Zeit zu achten. Er machte daher sozusagen schon Zukunftsmusik, während die Kollegen ihn eher als Dilettanten betrachteten. Nachhaltigen Eindruck hinterließ er aber mit einem genialen Klavierwerk. Als im Jahre 1873 sein bester Freund Victor Hartmann verstarb, ein Architekt und Maler, widmete Mussorgski ihm eine Komposition, die er „Bilder einer Ausstellung“ nannte. Die Anregung dafür gab ihm eine Ausstellung mit Bildern des verstorbenen Freundes. Die Eindrücke, die er beim Betrachten der Bilder hatte, setzte er um in eine Reihe von Musikstücken mit sehr unterschiedlichem Charakter. Es entstanden für zehn Bilder zehn Sätze, die den Bildinhalt lautmalerisch umsetzen. Diese Teile werden verbunden durch den musikalischen Gang von Bild zu Bild, der „Promenade“. Ravel bearbeitete den Zyklus für Orchester, was wesentlich zu seiner weiten Verbreitung beitrug.

Franck-Thomas Link