Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

312. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Leoš Janáček


Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


Tagesprogramm als PDF


Wolfgang Amadeus Mozart,
Sonate für Klavier und Violine e-moll KV 304 (1778)

Allegro
Tempo di Minuetto

Leoš Janáček,
Sonate für Violine und Klavier (1914)

Con moto
Ballade
Allegretto
Adagio


Die Sonate KV 304 e-moll für Violine und Klavier von W. A. Mozart gehört zu den sechs Mannheimer Sonaten, die er auf seiner großen Reise nach Mannheim und Paris geschrieben hatte, um sich an den verschiedenen Höfen vorzustellen.

1778 veröffentlichte Mozart die Sonaten in Paris und widmete sie der Kurfürstin Maria Elisabeth von der Pfalz. Diese Werke sind mehrheitlich zweisätzig, erst KV 306 erhält die später klassische Form schnell - langsam - schnell.

Die e-moll-Sonate ist die einzige Violin-Sonate von Mozart in Moll. Mozart komponierte sie, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.


Musikhistorisch betrachtet lebte Leoš Janáček in einer Zeit des Wandels – des Abschieds von der Romantik, der in verschiedenen musikalische Strömungen seinen Niederschlag fand. Janáček war einerseits mit Dvorák befreundet (einem großen Romantiker, den auch Brahms wegen seiner Nähe zur Volksmusik ins Herz geschlossen hatte), andererseits war er Zeitgenosse der französischen Impressionisten (Debussy, Ravel etc.), der Neuen Wiener Schule (Schönberg, Webern, Berg etc.) und der russischen Moderne (Prokovieff, Strawinsky etc.). Es ist ein lohnendes Thema, sich mit der Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts vergleichend auseinanderzusetzen, aber das würde den Rahmen dieses Programmtextes sprengen. Es sei nur so viel gesagt: Bei genauer Analyse kann man beobachten, dass die vielen so verschiedenen Strömungen alle den Abschied von der Emotionalität der romantischen Musik zum Gegenstand hatten und sich um die Findung einer neuen Grammatik und neuer Inhalte in der Musik bemühten.

Janáček fand seine neue Grammatik durch die Volkslieder und die „Sprechmelodie“, wie er es nannte. Sein Umgang mit dem Abschied von der romantischen Emotionalität bestand eigentlich in einer Übersteigerung derselben. Wenige Werke in meinem Repertoire sind emotional so fordernd wie Janáčeks Violinsonate. Ich empfinde diese Musik als eine Art „Mega-Romantik“, was nicht verwechselt werden soll mit dem Begriff der Hochromantik. Es ist eher eine hysterische Romantik.

Die Sonate entstand während des ersten Weltkriegs, wurde allerdings erst 1922, nach vielen Korrekturen gedruckt. Der Komponist sagte einmal über sie: „In der Sonate für Violine und Klavier 1914 konnte ich das Stahlgewitter in meinem besorgten Kopf hören“. Das macht die Sonate zu einem entsetzlichen Zeugnis der „Naturgeräusche“, mit denen Leoš Janáček seine Musik nährte.

Die deutsche Uraufführung der Sonate fand übrigens 1923 in Frankfurt statt. Kein geringerer als der Komponist Paul Hindemith spielte die Violine.

Franck-Thomas Link


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