Lunchkonzert in der Laeiszhalle
Haydn, Debussy und Prokofieff
Brahmsfoyer der Musikhalle Hamburg
Gastronomie ab 11.30 Uhr
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Franck-Thomas Link, Klavier
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Joseph Haydn,
Variationen f-moll Hob. XVII:6
Un piccolo Divertimento
Claude Debussy,
Six Images, Deuxième Livre
IV. Cloches à travers les feuilles. Lent.
V. Et la lune descend sur le temple quit fut. Lent.
VI. Poissons d'or. Animé.
Sergej Sergejewitsch Prokofieff,
Klaviersonate Nr. 3 a-moll op. 28 (1907/17)
Allegro tempestoso
Als im Jahr 1793 mit Marianne von Genzinger eine treue Freundin Joseph Haydns verstarb, wurde der Komponist möglicherweise durch die schmerzliche Erfahrung dazu veranlasst, die Variationen in f-moll zu schreiben. Interessanterweise ist dieses Werk im Autograph noch mit „Sonata“ betitelt, später wurde es dann in „Un piccolo divertimento“ umbenannt. Der exakte Ursprung der Variationen wird wohl Gegenstand von Spekulationen bleiben, da das Werk ursprünglich für Barbara von Ployer, eine Schülerin Mozarts, geschrieben, letztendlich jedoch 1799 der Baronin Josefine von Braun gewidmet wurde. Das Werk offenbart für Haydn ungewöhnlich tiefe Emotionen, bis hin zum dramatischen und leidenschaftlichen Ausbruch gegen Ende des Stücks.
In den beiden Heften der „Images“ (Premier Livre, 1904, und Deuxième Livre, 1907) entwickelt Claude Debussy eine neuartige synthetische Bildsprache, die sensibles Klangempfinden mit konsequenten, der romantischen Tradition entgegengesetzten Konstruktionsprinzipien verbindet und die dem Begriff des Impressionismus in der Malerei ein musikalisches Gegenstück zur Seite stellt. Die Zahl der Vortragsanweisungen stellt selbst den erfahrenen Pianisten vor die Frage, ob er diese so genaue wie vielschichtig-rätselhafte Notation derart verinnerlicht hat, dass er loslassen kann, damit das Schwierige leicht und flüssig erscheint.
Der Musikkritiker und Schriftsteller Louis Laloy, der Debussy zu „Cloches à travers les feuilles“ („Glockenklang durchdringt die Blätter“) und dem folgenden Image anregte, teilt mit, dass altem ländlichen Brauch zufolge von Allerheiligen bis Allerseelen die Glocken geläutet wurden, deren Klang sich als zarter akustischer Schleier über die Landschaft legte. Debussy verdichtet hier das irisierende Licht herbstlicher Blätter mit dem Klang der Glocken, die Nähe und Ferne suggerieren, zu einem vielschichtig konstruierten Naturgemälde.
„Et la lune descend sur le temple quit fut“ („Und der Mond senkt sich über den vergangenen Tempel“) ist ein antikes, orientalisch geprägtes Bild mit Momenten von Stille und quälend einsamer Entrückung. Dem „Canope“ aus dem zweiten Band der Préludes ähnlich, beschwört es nicht nur die Vision des Monduntergangs über einer Tempelruine, sondern erscheint wie ein fernes Traumbild, als Ahnung und Vergegenwärtigung vergangener Kulturen.
Angeregt von einer japanischen Lackmalerei geht die musikalische Realität von „Poissons d'or“ („Goldfische“) weit über die eher beschaulichen Assoziationen, die der Titel weckt, hinaus und entwickelt sich mehr und mehr zu einer humoristischen Wassermusik, die sich bei aller Strenge ihrer „harmonischen Chemie“ (Debussy) einem ungemein heiter-turbulenten Finale, das den Hörer zu dem Sujet des ersten Images („Reflets dans l'eau“) zurückführt, nicht verschließt.
Prokovieffs Klaviersprache mutet für Nichtrussen heute als so typisch russisch an, dass dabei leicht vergessen wird, dass Prokovieff eine völlig eigentümliche Klaviersprache entwickelte, die in Russland nicht sofort verstanden und geschätzt wurde. Seine große Klangmacht steht absolut in der russischen Tradition. Er ließ aber, ähnlich wie Debussy und Ravel in Frankreich, die Romantik hinter sich, die in Moskau durch Rachmaninow ja noch blühte. Neu war vor allem, dass er die Tür für Witz und Hässlichkeiten in der russischen Musik öffnete. Man könnte ihn als den Erfinder des skurrilen Humors in der russischen Musik bezeichnen.
kammerkunst.de/795/