Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Laeiszhalle

Haydn, Debussy und Prokofieff


Brahmsfoyer der Musikhalle Hamburg, Gastronomie ab 11.30 Uhr


Joseph Haydn,
Variationen f-moll Hob. XVII:6

Un piccolo Divertimento - Andante con variazioni

Claude Debussy,
Six Images, Deuxième Livre

IV. Cloches à travers les feuilles. Lent.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut. Lent.

VI. Poissons d'or. Animé.

Sergei Sergejewitsch Prokofjew,
Klaviersonate Nr. 3 a-moll op. 28 (1907/17)

Allegro tempestoso


Als im Jahr 1793 mit Marianne von Genzinger eine treue Freundin Joseph Haydns verstarb, wurde der Komponist möglicherweise durch die schmerzliche Erfahrung dazu veranlasst, die Variationen in f-moll zu schreiben. Interessanterweise ist dieses Werk im Autograph noch mit „Sonata“ betitelt, später wurde es dann in „Un piccolo divertimento“ umbenannt. Der exakte Ursprung der Variationen wird wohl Gegenstand von Spekulationen bleiben, da das Werk ursprünglich für Barbara von Ployer, eine Schülerin Mozarts, geschrieben, letztendlich jedoch 1799 der Baronin Josefine von Braun gewidmet wurde. Das Werk offenbart für Haydn ungewöhnlich tiefe Emotionen, bis hin zum dramatischen und leidenschaftlichen Ausbruch gegen Ende des Stücks.


Claude Debussy gilt als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus, obwohl er sich gegen diese aus der Malerei entlehnte Bezeichnung zeitlebens gewehrt hat. „Die Dummköpfe nennen es ‚Impressionismus“ – ein Begriff, der so schlecht angewandt ist wie nur irgend möglich!“, wird er zitiert. Debussy wollte mit seiner Musik Stimmungsbilder erschaffen, ein Kompositionsprinzip, das sich in den beiden Bänden der „Images“ besonders gut erfahren lässt. Von der Wirkung seiner „Images“ war der Komponist absolut überzeugt: „Ich glaube, dass diese Stücke […] ihren Platz in der Klavierliteratur einnehmen werden, […] zur Linken Schumanns und zur Rechten Chopins.“

IV. Cloches à travers les feuilles - Glockenklang durchdringt die Blätter

Der Musikkritiker und Schriftsteller Louis Laloy, der Debussy zu diesem und zu dem folgenden „Image“ anregte, teilt mit, dass altem ländlichen Brauch zufolge von Allerheiligen bis Allerseelen die Glocken geläutet wurden, deren Klang sich als zarter akustischer Schleier über die herbstliche Landschaft legte. Debussy vereint hier die Reize des Lichts und das Irisieren der Blätter mit dem Klang der Glocken zu verschiedenen perspektivischen Schichten, die Nähe und Ferne suggerieren, verdichtet zu einem musikalisch-konstruktivistischen Naturgemälde.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut - Und der Mond senkt sich über den vergangenen Tempel

Ein antikes, orientalisch geprägtes Bild mit Momenten von Stille und quälend einsamer Entrückung. Dem „Canope“ aus dem zweiten Band der Préludes ähnlich, beschwört es nicht nur die Vision des Monduntergangs über einer Tempelruine, sondern erscheint wie ein fernes Traumbild, als Ahnung der Gegenwart vergangener Kulturen.

VI. Poissons d'or - Goldfische

Angeregt von einer japanischen Lackmalerei. Die musikalische Realität dieses Stückes geht weit über die eher beschaulichen Assoziationen, die der Titel weckt, hinaus und entwickelt sich mehr und mehr zu einer humoristischen Wassermusik, die sich bei aller Strenge ihrer „harmonischen Chemie“ (Debussy) einem ungemein heiter-turbulenten Finale, das den Hörer zu dem Sujet des ersten Images („Reflets dans l'eau“) zurückführt, nicht verschließt.


Sergei Prokofjews Klaviersprache mutet für Nichtrussen heute als typisch russisch an. Dabei wird leicht vergessen, dass Prokovieff eine völlig eigentümliche Klaviersprache entwickelte, die in Russland nicht sofort verstanden und geschätzt wurde. Seine große Klangmacht steht absolut in der russischen Tradition. Er ließ aber, ähnlich wie Debussy und Ravel in Frankreich, die Romantik hinter sich, die in Moskau durch Rachmaninow ja noch blühte. Neu war vor allem, dass er die Tür für Witz und Hässlichkeiten in der russischen Musik öffnete. Man könnte ihn als den Erfinder des skurrilen Humors in der russischen Musik bezeichnen.

Franck-Thomas Link


Mehr zur Reihe Lunchkonzerte in der Handelskammer Hamburg.