291. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg
Prokofieff, Sonate für Violoncello und Klavier op. 119
Handelskammer Hamburg, Börsensaal
Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus
Revolution, Resolutionen und Reglementierungen, Ideologien und Idiotien: in deren konfliktgeladenen Spannungsfeldern befand sich auch Sergej Prokofjew. Vor der offiziellen Uraufführung der Cellosonate am 1. März 1950 im Kleinen Saal des Moskauer Konservatoriums wurde das neue Werk in verschiedenen staatlichen Institutionen durchlauscht und schließlich „freigegeben“. Seine späte Cellosonate C-Dur ist, wie viele andere seiner letzten Werke, von weiten Melodien, lyrischer Stimmung, leiser Resignation und einem fast romantischen Tonfall gekennzeichnet.
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Johannes Krebs, Bremen, Violoncello
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Franck-Thomas Link, Klavier
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Sergej Sergejewitsch Prokofieff,
Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op. 119
Andante grave
Moderato
Allegro, ma non troppo
Die Sonate für Cello und Klavier op. 119 von Sergej Prokovieff ist das letzte kammermusikalische Werk des Komponisten. Sie entstand im Jahr 1949, einer Zeit, in der sich Prokovieff von einem seiner schwierigsten Jahre, 1948, erholen musste: In diesem Jahr wurde nicht nur seine erste Frau verhaftet, auch starb sein bester Freund Eisenstein und er wurde vom Zentralkomite der KPdSU als „Formalist“ verurteilt und künstlerisch zu mehr Volkstümlichkeit aufgerufen.
Er musste sich öffentlich selbst bezichtigen, versuchte sich mit einer neuen Oper „Die Geschichte vom wahren Menschen“ durch eingängige Melodien zu rehabilitieren, aber die Vorwürfe der Regierung blieben weiter bestehen, ihm wurde weiterhin vorgeworfen, die Sowietunion nur „von außen in „grobschlächtigem, naturalistischem Stil“ behandelt zu haben.
Nach dieser künstlerisch-politischen wie auch persönlichen Krise distanzierte sich Prokovieff vom sowjetischen Komponistenverband. Er wandte sich mit der Sonate wieder der Kammermusik zu, was seiner neuen Gleichgültigkeit gegenüber der „sowjetischen Musik mit ihrem angeblichen Realismus“ Ausdruck verlieh.
Die Sonate für Cello und Klavier ist, wie viele andere seiner letzten Werke, von weiten Melodien, lyrischer Stimmung, leiser Resignation und einem fast romantischen Tonfall gekennzeichnet. Erstaunlich also, dass die Sonate trotzdem in einer nichtöffentlichen Voraufführung 1949 vom ZK akzeptiert und zur öffentlichen Aufführung freigegeben wurde.
Auch wenn Prokovieff die Sonate für Cello und Klavier dem Arrangeur und Komponistenkollegen Lewon Atowmjam gewidmet ist, schrieb Prokovieff das Werk eigentlich für den damals 22-jährigen Cellisten Mstislav Rostropowitsch, der zusammen mit dem Pianisten Swjatoslaw Richter die Uraufführung am 1. März 1949 in Moskau die Uraufführung spielte.