Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

284. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

György Ligeti, Musica ricercata

Musica ricercata

Der Hamburger Pianist Franck-Thomas Link spielt György Ligetis „Musica ricercata“, die Stanley Kubrik in seinem Film „Eyes Wide Shut“ verwendete, in der Handelskammer Hamburg als Auftaktkonzert zur 9. Saison der ältesten Lunchkonzert-Reihe Deutschlands.



Der Eintritt ist frei.


Handelskammer Hamburg, Börsensaal, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


György Ligeti,
Musica ricercata

I Sostenuto - Misurato
II Mesto, rigido e cerimoniale
III Allegro con spirito
IV Tempo di Valse (poco vivace - „à l'orgue de Barbarie“)
V Rubato, Lamentoso
VI Allegro molto capricioso
VII Cantabile molto legato
VIII Vivace. Energico
IX Adagio. Mesto (Béla Bartók in memoriam)
X Vivace. Capricioso
XI Andante misurato e tranquillo (Omaggio a Girolamo Frescobaldi)


György Ligetis „Musica ricercata“, die er in den Jahren 1951-53 komponierte, galt bei seiner Ausreise aus Ungarn als sein wichtigster Klavierzyklus (inzwischen sind viele wichtige Klavierstücke, insbesondere die Etüden, entstanden), den er seinerzeit sicher nicht veröffentlichen konnte. Die Zensur kannte seinerzeit in Ungarn kein Pardon, Ligeti hatte künstlerisch einen sehr schweren Stand, zum einen weil er jüdischer Abstammung war, zum anderen weil man seine Musik weder verstehen konnte und noch wollte. Das 10. der 11 Stücke wurde sogar wegen „Dekadenz“ verboten, Ligeti hatte 6 der Stücke für Bläserquintett bearbeitet (u.a. die Nr. 10) und musste vor der Uraufführung dieses Stück wieder zurückziehen.

Der Zyklus ist augmentativ angelegt. Das bedeutet hier, dass das erste Stück zunächst nur mit einem Ton (a in allen auf dem Klavier möglichen Oktaven) spielt, - nur zum Schluss gesellt sich noch ein zweiter Ton (d) dazu. Das zweite Stück spielt mit 2 Tönen (f und fis), auch hier kommt am Ende eine Erweiterung durch einen dritten Ton. Bekannt wurde dieses zweite Stück durch seine Verwendung in Stanley Kubriks Film „Eyes Wide Shut“ (1999). So baut sich der Zyklus auf, bis schließlich im letzten, dem elften Stück, einer langsamen Fuge, die Girolamo Frescobaldi gewidmet ist, alle 12 Töne am musikalischen Geschehen beteiligt sind. Das Thema dieser Fuge ist dem Beginn der „Recercar cromatico post il Credo“ aus Frescobaldis „Messa delli Apostoli“ aus dem Jahre 1635 nachgebildet. In dieser Fuge wechselt Ligeti immer wieder die Möglichkeit einer strengen Befolgung der für diese Art von Fugen üblichen Regeln und deren Karikatur. Er hat diese Fuge später auch für Orgel bearbeitet.

Jahre nach der Entstehung des Werkes sagte er selbst über die Music Ricercata: „1951 begann ich mit sehr einfachen klanglichen und rhythmischen Strukturen zu experimentieren und eine neu Art von Musik, sozusagen vom Nullpunkt ausgehend, aufzubauen. Die Isolation allerdings, in der ich arbeitete, verurteilte meine mutmaßliche Selbstbefreiung zu teilweisem Scheitern, denn das vertraute Bartók'sche Idiom schlug als stilistisches Kennzeichen wie in meiner früheren Musik noch immer durch.“ Neben der Widmung an Frescobaldi (Nr. 11) gibt es in dem Zyklus auch ein Stück, das Bartók gewidmet ist (Nr. 9).


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