Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

278. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Strauss, Violinsonate Es-Dur op. 18


Handelskammer Hamburg, Börsensaal, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Richard Strauss,
Violinsonate Es-Dur op. 18 (1887/88)

1. Allegro, ma non troppo
2. Improvisation: Andante cantabile
3. Finale: Andante - Allegro


Richard Strauss komponierte seine Violinsonate zu einem Zeitpunkt, an dem seine Lehrzeit als Komponist gewissermaßen abgeschlossen war. Nach einer sehr klassischen, an Bach, Mozart, Beethoven und Brahms orientierten Ausbildung lernte der 23-jährige Strauss den Geiger, Librettisten und Komponisten Alexander Ritter kennen. Ritter war mit der Nichte Richard Wagners verheiratet und spielte als Konzertmeister der Meininger Hofkapelle unter dem Dirigat Hans von Bülows, dem späteren Mentor Richard Strauss'. Die beiden jungen Musiker freundeten sich an und Ritter führte Strauss in die Musik der sogenannten Norddeutschen Schule ein, deren Protagonisten Franz Liszt und Richard Wagner waren. Diese "revolutionäre Musik" war dem jungen Strauss von seinem äußerst konservativen Vater, der selbst Berufsmusiker war, immer verboten worden. Ihre Entdeckung eröffnete Strauss einen faszinierenden Kosmos neuer kompositorischer, klanglicher und formaler Möglichkeiten. Seinen Freund und Förderer Alexander Ritter bezeichnete er später in seinen Memoiren als den "entscheidenden Ausschlag für meine zukünftige Entwicklung". Die Begegnung mit der Norddeutschen Schule beeinflusste Richard Strauss' weitere Entwicklung wesentlich, insbesondere, was seinen Umgang mit dem Orchesterklang und der Gesangsstimme betraf.

Der zauberische Bann von Pauline de Ahna, die später Strauss' Frau werden sollte, floss in die Komposition der Violinsonate 1887/88 mit ein. Das Werk ist voll jugendlicher Energie, Hoffnung und Erwartung. Auffällig ist die brennende Inbrunst der liedhaften Melodielinien. Besonders der zweite Satz erinnert den Hörer oft an die Lieder und Opern, die später in Strauss' Karriere entstehen sollten. Formal orientiert sich die Sonate noch am klassischen Modell. So ist sie dreisätzig angelegt, in der Anordnung schnell-langsam-schnell. Klanglich und harmonisch ist sie aber bereits weit ausschweifender als die vorangegangen Werke aus Strauss' Jugendzeit. Neben der Violinsonate arbeite Strauss gleichzeitig noch an seinen ersten symphonischen Dichtungen, „Aus Italien", „Macbeth" und „Don Juan". Deutlich ist der Einfluss seines Idols Richard Wagner zu spüren.

Kurz und fanfarenartig eröffnet das Klavier den ersten Satz. Ein wenig betrübt und nachdenklich antwortet dem die Violinstimme. Doch dieser gedämpfte Moment ist nicht von Dauer, denn bald steigen beide Instrumente in gemeinsame Höhen. Der zweite Satz ("Improvisation") könnte als Abschiedsgeste von der klassischen Tradition verstanden werden. Diese befand sich mit ihren prominenten Vertretern Schumann und Brahms in einem öffentlichen Streit mit der Norddeutschen Schule. Dieser zweite Satz ist zudem eine versteckte Hommage an Ludwig van Beethoven: Formen und Motive sowie zentrale Strukturen sind von Beethovens Schaffensweise abgeleitet. Der Finalsatz mutet an wie eine Vorahnung auf Strauss' späteres Opernschaffen. Spieltechnisch verlangt Strauss von beiden Instrumentalisten Großes. Die Violinsonate gilt als eine der technisch aufwändigsten Sonaten des romantischen Violine-Klavierrepertoires.


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