Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

277. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Britten, Toledo, Scelsi


Handelskammer Hamburg, Börsensaal, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Benjamin Britten,
Metamorphosen nach Ovid op. 49 für Oboe solo

Pan
Phaeton
Niobe
Bachus
Narcissus
Arethusa

Marcelo Toledo,
Aliento/Arrugas für Flöte Solo

komponiert 1998

Giacinto Scelsi,
Rucke di Guck für Piccoloflöte und Oboe (1957)

I - II - III


In seinen Metamorphosen op. 49 nach Ovid zeichnet Benjamin Britten (1913-1936) tonmalerisch die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid (Ovidus Naso, 43 v. Chr - 17 n. Chr) nach.

Pan, der auf seiner Rohrpfeife spielt, welche Syrinx seine geliebte Nymphe war. Pan war den Nymphen sehr gefällig. Als er einst Syrinx verfolgte, eine Tochter des Flußgottes Ladon, und sie seinen Umarmungen nicht zu entfliehen wußte, rief sie ihren Vater um Hilfe an, dieser verwandelte sie augenblicklich in Schilfrohr, woraus Pan von da an seine Pfeifen schnitt.

Phaeton, der strahlende Sohn des Sonnengottes Helios, bat seinen Vater einmal den Sonnenwagen lenken zu dürfen. Die ungestümen Pferde gingen jedoch bei dem unerfahrenen Lenker durch, gerieten aus der Bahn und setzten große Teile der Erde in Brand. Um gößeren Schaden zu verhindern, schleuderte Zeus auf Bitten der Menschen Phaeton durch einen Blitz in den Fluß Po.

Niobe, die Tochter des Tantalos, hatte vierzehn Kinder. Als sie sich dieser Vielzahl gegenüber der einstigen Freundin Leto rühmte, rächten sich auf deren Klage ihre Kinder Apollon und Artemis, indem sie alle Kinder der Niobe erschossen. Zeus selbst verwandelte sodann diese in Stein. Niobe wurde gleichfalls versteinert und in das Siphylosgebirge versetzt, wo Quell und Regenwasser als ewige Tränen aus ihren Augen rinnen.

Bacchus, Sohn des Zeus, Gott des Weines und allschöpferischer Natur, auf dessen Festen man gackernde Weiber, lallende Zungen und das Grölen junger Männer hören kann.

Narcissus, der schöne Jüngling, welcher sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt und in eine Blume verwandelt wird.

Arethusa, eine Nymphe der gleichnamigen Stadtquelle Syrakus, flieht vor der Liebe des Flußgottes Alpheus und wird von diesem in eine Fontäne verwandelt.

Simon Strasser


Über sein Solo Flötenstück schrieb Toledo: "Aliento/Arrugas (Breath/Furrows) is a sonic exploration of the instrument using the breathing of the performer as an element of organic expression. Inhaling and exhaling generate a continuum made out of sound gamut from colored noise to complex granular sounds obtained by the dense combination of several sound productions. Flutter tongue, tongue noise, percussive sounds, singing and playing simultaneously, create a textural/timbrical sonic world where the flute functions as a filter, a masking device, and a resonance body."


Es ist nicht bekannt, ob Scelsi mit dem Titel „Rucke di Guck“ auf das Märchen Aschenputtel Bezug nimmt - zweifellos erinnern aber die melodisch wie rhythmisch ausgeprägten Figuren der beiden hohen Holzbläser an Vogelgezwitscher. So lauscht man einem Zwiegespräch, mal kontrastierend, mal weiterführend, kommentierend, widersprechend...


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