Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Laeiszhalle

Werke von Mozart, Halvorsen und Bach

Miriam Müller, Violine
Li Li, Violoncello


Brahmsfoyer der Musikhalle Hamburg, Gastronomie ab 11.30 Uhr


Tagesprogramm als PDF


Lunchkonzert 30. Juni 2009

Bach, Invention Nr. 1, C-Dur
Bach, Invention Nr. 6, E-Dur
Bach, Invention Nr. 8, F-Dur


Mozart, Duo für Violine und Violoncello G-Dur, KV 423

Händel/Halvorsen, Passacaglia


Johann Sebastian Bach komponierte seine zwei- und dreistimmigen Inventionen ursprünglich für den Klavierunterricht seines ersten Sohnes und hat sie als "Klavierbüchlein für Friedemann Bach" veröffentlicht. Noch heute gehören die Inventionen zum Standardrepertoire jeden Klavierunterrichts, und das aus gutem Grund. Im Vorwort des Autographen von 1723 erklärt Bach, dass der Spieler anhand dieser Stücke lernen könne, zuerst einen zweistimmigen, später dann auch einen dreistimmigen Satz zu beherrschen, ihn "rein" zu spielen und mit den selbständigen und gleichberechtigten Stimmen "richtig und wohl zu verfahren". Die Inventionen sind allerdings weit mehr als nur Lehrmaterial für die untere Mittelstufe des Klavierspiels. Bach nannte diese Stücke "Inventionen", also "Erfindungen" oder "Einfälle", weil sie jeweils auf einer einzigen musikalischen Idee basieren, die dann teils im Charakter eines Präludiums oder einer Fantasie, teils im Charakter eines Fugato durchgeführt wird. Durch die einzigartige Verbindung von Einfachkeit des musikalischen Materials und der Vollkommenheit seiner Behandlung ergötzen diese wunderbaren Miniaturen seit fast 300 Jahren Ausführende und Zuhörer gleichermaßen. Zu Bachs Zeiten war es üblich, Musik in der Besetzung zu spielen, die gerade verfügbar war, für manche Werke des Barock wurde die Besetzung nicht einmal genau festgelegt. So ist es eine höchst stimmige Idee der beiden Künstlerinnen des heutigen Lunchkonzertes, drei der zweistimmigen Inventionen mit Violine und Violoncello aufzuführen.

Das Duo G-Dur KV 423 von Wolfgang Amadeus Mozart ist ursprünglich für Violine und Viola. Es ist - wie sein Schwesterwerk, das Duo KV 424 in B-Dur – dreisätzig. Mozart schrieb diese beiden Meisterwerke in Vertretung für seinen Freund Michael Haydn, dem Bruder des berühmteren Joseph Haydn. Michael hatte dem Kompositionsauftrag seines Dienstherren aus gesundheitlichen Gründen nicht rechtzeitig Folge leisten können. Die beiden Stücke wurden zunächst unter Michael Haydns Namen weitergereicht, erst viel später wurde der offizielle Urheber der Duos bekannt.

Der Begriff "Passacaglia" geht zurück auf das spanische "pasar una calle" (eine Straße entlang gehen). Die Passacaglia war ursprünglich ein spanischer Volkstanz, der im 16. Jahrhundert auch in Frankreich und Italien sehr beliebt war und der sich dann zu einer eigenen Gattung innerhalb der Konzertmusik entwickelte. Formal ist eine Passacaglia, ähnlich wie die Chaconne, auf einer immer wiederkehrenden Basslinie aufgebaut. Über dieser meist vier- oder achttaktigen Basslinie (Basso ostinato) entwickeln sich Variationen über das eingangs exponierte Grundthema, die sich im Verlauf des Werkes im Tempo steigern. Die Bearbeitung der Händelschen Passacaglia für Violine und Violoncello durch den Norweger Johan Halvorsen (1864 – 1935) ist ein musikalisches Feuerwerk. Man glaubt ein ganzes Kammerorchester vor sich zu haben und doch sind nur zwei Musiker auf der Bühne.

Franck-Thomas Link


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