Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Werke von Beethoven und Askin

Wir laden herzlich ein zu einem Clubabend in der gewohnt familiären Atmosphäre des Wandsbeker Probensaals. Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt.

Eintritt 5 €, Mitglieder frei, Abendkasse

Karten-Vorbestellungen unter Telefon 040 / 25 32 96 13 und per Mail unter mehlbeer@kammerkunst.de



Probensaal in Wandsbek, Hamburger Kammerkunstverein, Von-Bargen-Straße 18, Haus E, 22041 Hamburg


Ludwig van Beethoven,
Notturno G-Dur op. 42 für Viola und Klavier (1804)

Marcia, Allegro
Adagio
Minuetto
Adagio
Allegretto alla Polacca
Andante quasi Allegretto

Ludwig van Beethoven,
Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3

Presto
Largo e mesto
Menuetto: Allegro - Trio - Allegro
Rondo: Allegro

Ali N. Askin,
string street (for viola solo)

I. Viertel = 130
II. Viertel = ca. 55 frei, espressivo
III. Viertel = 120
IV. Sehr frei / Ruhig Viertel = ca. 55
V. Punkierte Viertel = 135 bouncy


Wer sich über die Entstehung des Notturno in D-Dur informiert, findet verschiedene Erklärungen, von denen man keine als eindeutig zutreffend bezeichnen möchte.
Selbst die Musikwissenschaft hält mehrere Theorien für möglich, keine jedoch für die Richtige. In jeder Hinsicht gibt es viel Anlass zu Spekulationen. Fest steht, dass mit diesem Werk eine Perle der Kammermusik in der Reihe der Lunchkonzerte auf die Bühne geholt wird.

Das heute gespielte Notturno op. 42 für Viola und Klavier wurde im Jahr 1804 veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nahm man an, das Werk sei von Beethoven selbst nach seiner Serenade für Violine, Viola und Violoncello arrangiert worden.
Ulrich Druner, Experte für Viola-Musik des 19. Jahrhunderts, vermutet in diesem Zusammenhang hingegen, dass die veröffentlichte Transkription in Wirklichkeit das Werk eines anderen Künstlers sei. Möglicherweise liege der Verdienst bei Franz Xaver Kleinheinz oder Ferdinand Ries. Beethoven selbst sei lediglich für das Sichten des Manuskripts sowie für einige Korrekturen in der Partitur verantwortlich gewesen. Er begründet dies auf der Grundlage von Beethovens Aufzeichnungen. Im Jahr 1979 veröffentlichte Druner letztlich einen exemplarischen Urtext des Notturno. Zuvor bereits gewann das Werk eine ungeahnte Popularität durch die überarbeitete Druckversion des Viola-Virtuosen William Primrose. Trotz der vielen, durchaus zweifelhaften Freiheiten, die sich Primrose bei seiner Edition gegenüber dem originalen Notentext erlaubte, bestritt er mit „seinem Notturno“ unzählige Aufführungen.

Die beim heutigen Konzert verwendete Ausgabe basiert zwar auf dem Urtext, ist aber gleichzeitig ein Versuch die Aussagekraft beider Instrumente sowie deren künstlerische Qualitäten durch interpretatorische Vorschläge anzugleichen.

Henning Albrecht


Die Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 gehört zu den frühen Sonaten Beethovens und entstand im Jahre 1798. Der erste Satz „Presto“ ist der klanglich und technisch reichste Sonatenhauptsatz, den Beethoven bis dahin geschrieben hatte. Er zeichnet sich durch eine, wie es Reclams Klaviermusik-Führer beschreibt, „wirbelnde Fülle kontrastierender Gestalten und Stimmungen“ aus. Gleichwohl ist dieser Satz mit sehr sparsamen Mitteln konzipiert. Beide Hauptthemen sind aus sehr ähnlichem Material komponiert. Der stürmische Charakter des Satzes, der eigentlich bereits in der Exposition etabliert zu sein scheint, wird in der Durchführung noch weiter getrieben, indem Beethoven sofort die eigentliche Tonart verlässt und nach B-Dur ausbricht. Es wirkt, als hätte sich Beethoven in großer Hast lediglich die Zeit genommen, den Kopf des ersten Hauptthemas mitzunehmen, denn nur der wird in der Durchführung eine Rolle spielen. Das restliche thematische Material taucht erst in der Reprise wieder auf. Über den zweiten Satz „Largo e mesto“ ist es schwer zu schreiben, so eindeutig ist er in seiner musikalischen Komposition. Wie die Vortragsbezeichnung „mesto“ (ital. „traurig“) bereits mitteilt, gilt dieser Satz als einer der finstersten und tragischsten Sätze in Beethovens Klaviermusik. Er habe den Seelenzustand eines Melancholikers schildern wollen, hat Beethoven einmal seinem Schüler Schindler erklärt. Die Schlichtheit und Einfachheit des dritten Satzes, dem Menuett, scheint die tiefe Trauer, von der vorher die Rede war, zu trösten und zu transformieren. Das führt uns direkt in den Finalsatz „Rondo“, der im Gegensatz zum tragischen Zentrum des Werkes äußerst fröhlich und und voller Esprit und Einfallsreichtum diese herrliche Klaviersonate zu Ende führt.

Franck-Thomas Link


„string street (for viola solo)“ hatte seinen Ursprung in der Idee, einige Stationen der berühmten Seidenstrasse zu illustrieren. Aus „Seidenstrasse“ wurde „Seitenstrasse“, daraus dann „Saitenstrasse“ und schließlich der endgültige Titel. In den 5 Stücken dieser Pseudo-Sonate wende ich jeweils verschiedene Kompositionstechniken an, um mög­lichst kontrastierende Wirkungen zu erzielen. Trotzdem war es mir wichtig, dabei die Geschlossenheit und den Zusammenhalt des gesamten Werkes zu erhalten. Komponiert habe ich das Stück im Jahr 2003 für Miriam Götting.

Ali N. Askin


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