Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

260. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Franz Schubert, C-Dur Sonate für Klavier zu vier Händen (Grand Duo) D 812


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Franz Schubert,
Grand Duo, C-Dur Sonate für Klavier zu vier Händen, D 812, 1824

Allegro moderato
Andante
Scherzo und Trio (Allegro vivace)
Finale (Allegro vivace)


„Wer so viel schreibt wie Schubert, macht mit Titeln am Ende nicht viel Federlesens, und so überschrieb er sein Werk in der Eile vielleicht Sonate, während es als Symphonie in seinem Kopfe fertig stand“. Kein Geringerer als Robert Schumann war es, der die Sonate C-Dur D 812 für das Arrangement einer Symphonie hielt. Und völlig Unrecht hatte er damit nicht. So schrieb Schumann: „Man hört Saiten- und Blasinstrumente, Tutti, einzelne Soli und Paukenwirbel“. Zweifellos wartet das Duo mit orchestralen Klangvorstellungen auf, dennoch ist es ein echtes Klavierwerk.

Das Opus für Klavier zu vier Händen entstand 1824 für die beiden Töchter des Grafen Esterhazy, die Franz Schubert im ungarischen Zseliz unterrichtete. Wie viele seiner Werke wurde auch dieses vor seinem Tod nicht veröffentlicht. Dies geschah erst 1838, und zu diesem Zeitpunkt erhielt die Sonate durch den Verleger Anton Diabelli auch den Beinamen „Grand Duo“.

Wie kein Zweiter hat sich Schubert der Komposition für Klavier vierhändig gewidmet. Möglicherweise hat ihn dabei das erheblich größere Klangvolumen dieser Gattung fasziniert. Waren die früh entstandenen Stücke eher für die Hausmusik bestimmt, so bestechen die späteren Kompositionen durch ihre enormen klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten. Aus diesem Grund ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele seiner vierhändigen Werke zudem eine Instrumentierung erfuhren. Joseph Joachim instrumentierte die heute gespielte Sonate im Jahre 1855, die auch schon als die erste „vierhändige Symphonie“ bezeichnet wurde.

Eröffnet wird der erste Satz mit einem kantablen Hauptthema, welches den Klang eines Streichorchesters suggeriert. Das Motiv ist harmonisch doppeldeutig, da es sowohl der Tonart C-Dur als auch a-Moll angehören könnte. Das darauf folgende Seitenthema hebt sich in As-Dur deutlich ab, ist jedoch nur eine melodische Variante des Hauptthemas. Der zweite Satz, ein Andante mit lyrischen Eigenschaften, erinnert thematisch an die langsamen Sätze von Beethovens Zweiter und Fünfter Symphonie. Fast schon wild und übermütig kommt das Scherzo, eingeleitet durch einen Fortissimo-Auftakt, daher. Das furios einsetzende Finale, welches den Dur-Moll-Konflikt des ersten Satzes wieder aufgreift, bildet schließlich einen brillanten Abschluss des Werkes, das im Bereich der Klaviermusik zu den bedeutendsten Schuberts zählt.

Henning Albrecht


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