Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

255. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Rezital für Oboe und Klavier


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Francis Poulenc,
Sonate für Oboe und Klavier (1962)

Élégie (Paisiblement)
Scherzo (Très animé)
Déploration (Très calme)

Pavel Haas,
Suite für Oboe und Klavier op. 17 (1939)

I. Furioso
II. Con Fuoco
III. Moderato


Poulencs Oboensonate, komponiert 1962 als letzte seiner drei Sonaten für Holzbläser, ist dem Gedenken an Sergei Prokofiew gewidmet. Die eröffnende Élégie beginnt mit einem hohen D der Oboe als erstem Ton einer einleitenden Vierton-Phrase. Was folgt, ist gleichfalls typisch Poulenc: eine durchgehende Basslinie unter pulsierenden Akkorden, mit denen das Klavier die Klagelinie der Oboe unterstützt. Dann bringt das Klavier ein lyrisches Nebenthema herein, das die Oboe übernimmt. Ein drittes Thema, das ein doppelt punktiertes Motiv vorstellt, bildet den Höhepunkt des Satzes, bevor eine friedliche Wiederholung des vorangegangenen musikalischen Materials den Satz ruhig beschließt. Das Scherzo im Zentrum ist ein belebter Satz im 6/8 Takt, in welchem punktierte Rhythmen weicheren Motiven gegenüberstehen. Ein Mittelteil, der etwas langsamer und lyrischer gehalten ist, erhebt sich zum Höhepunkt im Klavier, um stufenweise wieder abzusteigen zu einem dominantischen Schluß, bevor das toccataartige Scherzo zu einem schroffen Ende findet. Die abschließende Déploration bewegt sich über einem choralartigen Thema, das durch das Klavier vorgestellt wird. Ein "Vers" folgt, bevor die Oboe endlich die Klage vollständig aussingt über einem pulsierenden Viertel-Rhythmus im Klavier, der mit der Bezeichnung "monoton" verstehen ist. Nach einigen Tonartwechseln endet der Satz in trauriger Stimmung.


Die 1939 entstandene Suite für Oboe und Klavier von Pavel Haas lässt erkennen, wie aufgewühlt Haas auf den Beginn des zweiten Weltkrieges und die Okkupation seines Heimatlandes durch die Deutschen reagierte. Im ersten Satz befreit er sich mühsam aus der Depression, schöpft aber gegen Ende im Erklingen des St. Wenzels-Choral wieder neuen Mut. Im zweiten Satz steigert sich die Stimmung zu trotziger Entschlossenheit, auszuharren und zu kämpfen - unterstrichen durch das Zitat des Hussitenliedes "Wer seid ihr, Gottesstreiter?". Ebenso trotzig klingt das von den Nazis zur Siegesfeier angeordnete Glockengeläute, mit dem dieser Satz endet. Der dritte Satz wird mit einer genauen Wiedergabe des St. Wenzels-Choral eingeleitet. Im weiteren Verlauf verarbeitet Haas die einzelnen Teile des Chorals und beschließt die Suite mit einem hymnischen Bekenntnis seines unerschütterlichen Glaubens an den Sieg der unterdrückten Nation. Ursprünglich war die Komposition für Gesang und Klavier geschrieben, jedoch ging der antinazistische Text verloren und so wurde die Suite vom Komponisten der Oboe zugeschrieben.


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