250. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg
Beethoven, Kreutzer-Sonate
Handelskammer Hamburg
Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus
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Tobias Rempe, Violine
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Franck-Thomas Link, Klavier
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Ludwig van Beethoven,
Sonate Nr. 9 für Violine und Klavier A-Dur op. 47, Kreutzer-Sonate
Adagio sostenuto - Presto
Andante con variazioni
Presto
Die Kreutzer-Sonate ist die neunte von zehn Sonaten für Violine und Klavier, die Beethoven komponiert hat, und entstand in den Jahren 1802 und 1803. Sie ist Beethovens berühmteste Violinsonate und nimmt unter ihren Schwesterwerken in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Das Werk ist weniger kammermusikalisch als vielmehr orchestral angelegt. Auf dem Titelblatt der Originalausgabe steht sogar: "scritta in un stilo molto concertante, quasi come d'un concerto" (in sehr konzertantem Stile komponiert, wie ein Konzert mit Orchester). Neue Kompositions- und Spieltechniken, die Beethoven mit der Kreutzer-Sonate eingeführt hat, deuteten weit in die Zukunft. Vor allem die romantischen Violinsonaten hat er mit diesem symphonischen Monument nachhaltig beeinflusst. Reine Spekulation ist freilich, ob Johannes Brahms, César Franck und Gabriel Fauré allein deshalb ebenfalls eine große Violinsonate in derselben Tonart A-Dur geschrieben haben.
Ursprünglich hatte Beethoven geplant, seine Sonate op. 47 dem aus Polen stammenden Violinisten George Bridgetower zu widmen, mit dem er die Sonate im Jahr 1803 zweimal öffentlich spielte, bevor es zwischen beiden zu einem Streit kam. Als Beethoven im selben Jahr den berühmten französischen Geiger Rodolphe Kreutzer in Wien hörte, beschloss er, diesem die Sonate zu widmen. Kreutzer hat die Sonate allerdings selbst nie gespielt und nannte sie "une torture pour l'instrument" (eine Folter für das Instrument). Zwar war er ein außerordentlich guter Techniker heute noch sind seine 42 Etüden und Capricen ein wichtiges Unterrichtswerk allerdings war er die Anforderungen, die Beethoven mit seinem neuen konzertanten Stil an den Geiger stellte, keineswegs gewohnt.
Die Sonate besteht aus drei Sätzen. Der erste Satz beginnt mit einer langsamen Introduktion, der ein düster-dramatisches Presto folgt. Dieses steht nicht in der angegebenen Tonart, sondern in a-moll, weshalb Musikwissenschaftler immer wieder angeregt haben, man solle die Tonart dieser Sonate mit "in a" angeben, weil nur der Finalsatz in A-Dur steht. Der mittlere Satz ist ein Variationssatz mit einem ausgesprochen liedhaften Thema in F-Dur. Das überrascht nicht, denn Beethoven beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit der Gattung Lied: op. 46 ist sein berühmtes Lied "Adelaide", op. 48 ist ein Zyklus von sechs Liedern. In den meisten großen Sonaten und Konzerten wählte Beethoven für den Finalsatz die Rondoform nicht so in der Kreutzer-Sonate. Hier handelt es sich um einen vollständigen Sonatenhauptsatz, der allerdings durch das wiederkehrende Hauptthema nur verschleiert wahrzunehmen ist; man glaubt sich in einem Rondo. Das Spiel mit solchen "Schleierformen" spielt in Beethovens Schaffen eine große Rolle, war es doch sein Ziel, bestehende Formen zu durchbrechen und neue zu schaffen.