234. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg
Beethoven, Sonate op. 10 Nr. 3 D-Dur u.a.
Handelskammer Hamburg
Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus
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Franck-Thomas Link, Klavier
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Ludwig van Beethoven,
Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3
Presto
Largo e mesto
Menuetto: Allegro - Trio - Allegro
Rondo: Allegro
Ferruccio Busoni,
Chaconne in d-moll, BWV 1004
aus der Partita Nr. 2 für Violine solo von J. S. Bach
Die Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 gehört zu den frühen Sonaten Beethovens und entstand im Jahre 1798. Der erste Satz „Presto“ ist der klanglich und technisch reichste Sonatenhauptsatz, den Beethoven bis dahin geschrieben hatte. Er zeichnet sich durch eine, wie es Reclams Klaviermusik-Führer beschreibt, „wirbelnde Fülle kontrastierender Gestalten und Stimmungen“ aus. Gleichwohl ist dieser Satz mit sehr sparsamen Mitteln konzipiert. Beide Hauptthemen sind aus sehr ähnlichem Material komponiert. Der stürmische Charakter des Satzes, der eigentlich bereits in der Exposition etabliert zu sein scheint, wird in der Durchführung noch weiter getrieben, indem Beethoven sofort die eigentliche Tonart verlässt und nach B-Dur ausbricht. Es wirkt, als hätte sich Beethoven in großer Hast lediglich die Zeit genommen, den Kopf des ersten Hauptthemas mitzunehmen, denn nur der wird in der Durchführung eine Rolle spielen. Das restliche thematische Material taucht erst in der Reprise wieder auf. Über den zweiten Satz „Largo e mesto“ ist es schwer zu schreiben, so eindeutig ist er in seiner musikalischen Komposition. Wie die Vortragsbezeichnung „mesto“ (ital. „traurig“) bereits mitteilt, gilt dieser Satz als einer der finstersten und tragischsten Sätze in Beethovens Klaviermusik. Er habe den Seelenzustand eines Melancholikers schildern wollen, hat Beethoven einmal seinem Schüler Schindler erklärt. Die Schlichtheit und Einfachheit des dritten Satzes, dem Menuett, scheint die tiefe Trauer, von der vorher die Rede war, zu trösten und zu transformieren. Das führt uns direkt in den Finalsatz „Rondo“, der im Gegensatz zum tragischen Zentrum des Werkes äußerst fröhlich und und voller Esprit und Einfallsreichtum diese herrliche Klaviersonate zu Ende führt.
Franck-Thomas Link
Die Chaconne d-moll von Johann Sebastian Bach ist eines der wichtigsten Werke in der gesamten Literatur für Violine solo. Sie ist der letzte Satz der d-moll Partita und ist geistig und technisch für wahrscheinlich jeden Geiger eine Art Heiligtum. Abgesehen davon, dass es geigerisch so ungeheuer interessant ist, gilt dieses Werk immer auch als Höhepunkt der Form "Chaconne". Eine Chaconne beinhaltet zwei grundsätzliche Dinge: Das Grundthema stammt in seinem Charakter von der Sarabande, einem Schreittanz mit einem schweren Akzent auf dem zweiten Schlag des Taktes. Außerdem ist die Chaconne eine Variationsform, die eigentlich nicht erlaubt, dass der Komponist von Thema abweicht, d. h. das Thema ist immer mehr oder weniger versteckt präsent. Die Chaconne aus der Violinpartita d-moll von J. S. Bach hat als großes Meisterwerk immer wieder Komponisten und Instrumentalisten dazu angeregt, sie für ein anderes Instrument umzuschreiben. In sehr modernen Fassungen wird sie inzwischen manchmal von Flötisten und Marimbaphonspielern aufgegriffen. Eine der Wichtigsten dieser Bearbeitungen ist die von Johannes Brahms für Klavier linke Hand. Sie wurde vor einigen Wochen hier im Lunchkonzert vom südafrikanischen Pianisten Nico Benadie vorgestellt. Die heute gespielte Bearbeitung entstammt der Feder des italienischen Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni aus dem Jahre 1892. Während Brahms sich wörtlich an Bachs Text gehalten und keine einzige zuusätzliche Note zugefügt hat, hat sich Busoni virtuose Freiheiten genommen. Diese wurden ihm gelegentlich von Puristen angekreidet. Busoni hat sich jedoch beim Bearbeiten nicht nur mit der Transkription der Töne beschäftigt, sondern auch mit der Transkription des technischen Aufwandes, den dieses Werk im Original dem Geiger abverlangt. In diesem Zusammenhang sprach Claudio Arrau von der "transzendentalen Kraft der technischen Schwierigkeit". Sicher ist es werktreuer, wenn Brahms diese für den Ausdruck notwendige Schwierigkeit damit herstellt, dass er das komplette Werk nur mit einer Hand auf dem Klavier spielen lässt. Dennoch lag die Busoni-Fassung ebenso im Geist ihrer Zeit. Während Brahms den barocken Stil der Chaconne erhält, verändert sich die Chaconne bei Busoni zu einem romantischen Klavierstück. Die Arbeit an Bachs d-moll Chaconne steht bei Busoni in einer langen Reihe von Bearbeitungen von Werken Bachs. Er hat u. a. Orgeltoccaten und Choralvorspiele für das Klavier bearbeitet, die noch immer in der ganzen Welt gespielt werden.
Franck-Thomas Link
kammerkunst.de/603/