Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

222. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Werke von Schumann und Poulenc


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Francis Poulenc,
Sonate für Oboe und Klavier (1962)

Élégie (Paisiblement)
Scherzo (Très animé)
Déploration (Très calme)

Robert Schumann,
Phantasiestücke für Oboe d'amore op. 73

Zart und mit Ausdruck
Lebhaft, leicht
Rasch und mit Feuer


Poulencs Oboensonate, komponiert 1962 als letzte seiner drei Sonaten für Holzbläser, ist dem Gedenken an Sergei Prokofiew gewidmet. Die eröffnende Élégie beginnt mit einem hohen D der Oboe als erstem Ton einer einleitenden Vierton-Phrase. Was folgt, ist gleichfalls typisch Poulenc: eine durchgehende Basslinie unter pulsierenden Akkorden, mit denen das Klavier die Klagelinie der Oboe unterstützt. Dann bringt das Klavier ein lyrisches Nebenthema herein, das die Oboe übernimmt. Ein drittes Thema, das ein doppelt punktiertes Motiv vorstellt, bildet den Höhepunkt des Satzes, bevor eine friedliche Wiederholung des vorangegangenen musikalischen Materials den Satz ruhig beschließt. Das Scherzo im Zentrum ist ein belebter Satz im 6/8 Takt, in welchem punktierte Rhythmen weicheren Motiven gegenüberstehen. Ein Mittelteil, der etwas langsamer und lyrischer gehalten ist, erhebt sich zum Höhepunkt im Klavier, um stufenweise wieder abzusteigen zu einem dominantischen Schluß, bevor das toccataartige Scherzo zu einem schroffen Ende findet. Die abschließende Déploration bewegt sich über einem choralartigen Thema, das durch das Klavier vorgestellt wird. Ein "Vers" folgt, bevor die Oboe endlich die Klage vollständig aussingt über einem pulsierenden Viertel-Rhythmus im Klavier, der mit der Bezeichnung "monoton" verstehen ist. Nach einigen Tonartwechseln endet der Satz in trauriger Stimmung.


Die Phantasiestücke op. 73 von Robert Schumann entstanden 1849. Sie sind ursprünglich für Klarinette in A geschrieben, sind aber so konzipiert, dass sie auch von Violoncello, Violine oder Oboe d'amore gespielt wer-den können. Bereits im Jahr zuvor hatte sich Schumann mit kleinteiligen Formen beschäftigt, in erster Linie in seinem "Album für die Jugend", das heute aus dem Klavierunterricht nicht mehr wegzudenken ist. Daraus ent-standen vier weitere Kammermusikwerke für ein Blasinstrument (alternativ für ein Streichinstrument) und Kla-vier, die weniger für den großen Konzertsaal als für die damals sehr populäre Hausmusik angelegt waren. Das erste Werk in dieser Reihe sind die Phantasiestücke op. 73. Sie bilden einen dreisätzigen Zyklus von Charakterstücken. Während das erste Stück eine liedhafte und schlichte Einleitung bildet, schlägt das zweite einen lebhafteren Ton an, behält aber die Sanglichkeit des ersten Stückes bei. Im dritten Stück verdichtet sich der Ausdruck zu einem dramatischen Finalsatz.


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