Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

228. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Mozart und Messiaen

Im Rahmen der "Hamburger Kammermusikreihe" der Kulturbehörde; Konzerteinführung um 11.30 Uhr, Raum Elbe, durch Sylvie Kürsten, Kulturwissenschftlerin. Programm: W. A. Mozart, Sonate e-moll KV 304; O. Messiaen, thème et variations; C. Franck, Sonate für Violine und Klavier A-Dur



Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Wolfgang Amadeus Mozart,
Sonate für Klavier und Violine e-moll KV 304 (1778)

Allegro
Tempo di Minuetto

Olivier Messiaen,
Thème et Variations

Thème: Modéré
Modéré
Un peu moins modéré
Modéré, avec éclat
Vif et passioné
Très lent

César Franck,
Sonate A-Dur für Violine (Violoncello) und Klavier

Allegretto ben moderato
Allegro
Recitativo e Fantasia
Allegretto


Die Sonate KV 304 e-moll für Violine und Klavier von W. A. Mozart gehört zu den sechs Mannheimer Sonaten, die er auf seiner großen Reise nach Mannheim und Paris geschrieben hatte, um sich an den verschiedenen Höfen vorzustellen.

1778 veröffentlichte Mozart die Sonaten in Paris und widmete sie der Kurfürstin Maria Elisabeth von der Pfalz. Diese Werke sind mehrheitlich zweisätzig, erst KV 306 erhält die später klassische Form schnell - langsam - schnell.

Die e-moll-Sonate ist die einzige Violin-Sonate von Mozart in Moll. Mozart komponierte sie, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.


Olivier Messiaen wurde 1908 in Avignon und starb 1992 in Paris. Die rhythmischen und klangfarblichen Elemente seiner Musik sind komplex, sorgfältig zusammengestellt und erklingen in großer Schönheit.

Er steht in der Tradition von Komponisten und Organisten wie Saint-Saëns und César Franck. Seine größte Inspirationsquelle war jedoch der Katholizismus. Er meinte, Musiker zu sein heiße, ein Glaubender zu sein, gehalten durch die Unendlichkeit Gottes. Unmittelbar im Anschluss an sein Studium wurde er Hauptorganist an der Kirche La Trinité in Paris, eine Stellung, die er über 40 Jahre bekleidete.

Messian begann bereits im Alter von sieben Jahren zu komponieren, unmittelbar beeinflusst von Claude Debussys Oper "Pelléas et Mélisande" und mit dem festen Vorsatz, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Er begann ein Studium am Conservatoire de Paris, wo er in allen Fächern stets mit Auszeichnung bestand. Noch als Student, publizierte er seine ersten Stücke im Jahre 1928.

"Thème et Variations" ist ein 10 minütiges Jugendwerk Messiaens, komponiert im Jahre 1932 als Folge von fünf Variationen über ein Thema. Das Thema ist einfach konstruiert, hat 28 Takte und setzt sich zusammen aus drei Motiven, die leicht herauszuhören sind. Die Gestalt des Themas ist, obwohl es so kurz ist, sehr klar uns besonders im mittleren Teil sehr expressiv. Sein Ende ist, so auch in allen Variationen, sehr offen und führt entweder zur folgenden Variation oder hinterlässt das Gefühl einer unbeantworteten Frage.

Die erste Variation ist einfach und nach vorne gerichtet und in formaler Hinsicht wie das Thema gebaut. Sie ist jedoch ein wenig rascher. Die Verwandschaft mit dem Thema ist in den folgenden drei Variationen immer schwieriger zu erkennen. Die zweite Variation ist kontrapunktisch angelegt mit drei Stimmen, die sich jeweis aus den drei Motiven den Themas herleiten, jedoch gleichzeitig erklingen. Die dritte Variation klingt brilliant, das Metrum wird jedoch so verändert, dass die rhythmische Symmetrie aus dem Gleichgewicht gerät. Die vierte Variation, die sich aus der dritten gleichsam herausschält, bildet die Brücke zum Höhepunkt der Schlussvariation. Erhitzt und mit zunehmender Geschwindigkeit gleicht der zweite Teil der vierten Variation einer Tarantella. Im Klavier ist beständige Bewegung, die Geige führt das Thema in Bruchstücken wieder ein. Zu guter letzt kehrt das Thema in der fünften Variation wieder, und zwar in der Geige, jedoch eine Oktave höher. Sein Charkter hat sich jedoch durch die dazwischenliegenden Variationen völlig verändert. Majestätisch, mystisch und geheimnisvoll liegt die Geigenstimme über den prachtvollen Akkorden des Klaviers. Romantisch in melancholischer Wiederholung des schon Gehörten endet das Stück, ohne Abschluss, mit einem Bewusstsein der Unabänderlichkeit des Schicksals.

In vielen Stücken kommt Messiaens Glauben zum Ausdruck, nur sehr wenige zeigen seine Gefühle seiner Familie gegenüber. "Thème et Variations" war ein Hochzeitsgeschenk an seine Frau, Claire Delbos, die selbst Geigerin und Komponistin war.

Als Jugendwerk Messiaens ist das Stück längst nicht so ausgereift wir seine späteren Kompositionen. So naiv es jedoch vergleichsweise erscheinen mag, es trägt die Wurzeln der einzigartigen musikalischen Sprache Messiaens bereits in sich.


César Franck ist vornehmlich als Komponist für die Orgel bekannt. Doch hat er auch ein großes Œuvre für Klavier und ausgezeichnete Kammermusik geschaffen. Seine bedeutendste Kammersonate ist die A-Dur-Sonate, die Franck 1886 komponierte und seinem Freund, dem Geigenvirtuosen Eugène Ysaÿe zu dessen Hochzeit widmete. Dieser führte sie am 31. Dezember 1887 in einem Konzert der Pariser Société Nationale de Musique auf.

Im Vergleich zur deutschen romantischen Sonate ist die Satzfolge dieses Werkes eigenwillig und erzeugt einen eigentümlichen dramaturgischen Ablauf. Die langsame Introduktion mündet in den furiosen zweiten Satz, der wie ein Finale anmutet. Dann folgt eine langsame Fantasie mit rezitativischen Soli beider Spieler. Das eigentliche Finale ist ein sanglicher Kanon, in dem die Glut des zweiten Satzes noch nachzuwirken scheint. Trotz seiner Schlichtheit rundet dieser Satz die monumentale Sonate zu völliger emotionaler Zufriedenheit ab.

Franck-Thomas Link


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