Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

R. Schumann, Fantasie-Stücke op. 12 und Papillons op. 2


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Robert Schumann,
Vier Stücke aus: Fantasiestücke op. 12

No 2 Aufschwung f-moll
No 3 Warum Des-Dur
No 5 In der Nacht f-moll
No 7 Traumes-Wirren F-Dur

Papillons, op. 2

"dédiés à Therese, Rosalie et Emilie"


Schumann komponierte die acht Stücke, denen er den Titel "Fantasiestücke op. 12" gab, innerhalb einer einzigen Woche im Juli 1837. Er scheint sehr stolz auf sie gewesen zu sein und war höchst erfreut, als er erfuhr, dass seine Verlobte, Clara Wieck, die er nicht treffen durfte, die Stücke aufgeführt hatte. Auch Liszt brachte sie in einem Konzert Anfang des Jahres 1838 zu Gehör. Obwohl er jedes Stück mit einem beschreibenden Titel versah, war Schumann gegen zu offensichtliche Programmmusik. Er bevorzugte es, wenn die Phantasie der Zuhörer mehr intuitiv den Stücken Inhalte zuordnen konnte. Dennoch bezog er die Geschichte von Hero und Leander auf sein Lieblingsstück "In der Nacht", das vielleicht wichtigste Stück des Zyklus. Op. 12 wurde zunächst in zwei Teilen veröffentlicht. Obwohl es ein musikalisches Thema gibt, das alle Stücke verbindet, ist es durchaus üblich, die Stücke auch einzeln zu spielen. Im heutigen Konzert erklingen zwei aus jedem der Teile. "Aufschwung" - das wohl bekannteste Stück - fließt leidenschaftlich über von geschmeidigen Arpeggien in schwingendem 6/8 Takt. "Warum?" ist ein mysteriöses Gedicht mit tief nach innen gerichtetem Blick. "In der Nacht" ist ein dunkel brütendes Lied ohne Worte, in dem eine beinahe inpressionistische Landschaft heraufbeschworden wird. "Traumes-Wirren" - ein flüchtig schillernder, fiebriger Tanz, der außergewöhnlich hohe virtuose Anforderungen stellt.

Nicholas Ashton


"Wie ich aufhörte, sah ich zum Fenster heraus u. am schönen Frühlingshimmel hinauf - leise Luftwogen fühl’ ich da; auch eine Nachtigall hört’ ich so innig - Und wie ich so recht an die Papillons dachte, schwärmte ein schöner, großer Nachtschmetterling an’s Fenster heran. Er blieb aber fern vom Lichte u. versengte sich die Flügel nicht. Dies war eine schöne Deutung für mich." (aus Schumanns Tagebuch 1832)

Das Stück beginnt, indem sich gleichsam ein Vorhang öffnet (D-Dur), auf der Bühne wir ein melancholischer Walzer getanzt, der das Hauptthema des Stückes bildet. Plötzlich stürzt der aufgeregte Florestan herein, sein Charakter wird vorgestellt in den Nummern 3, 4, 6, 8 und 9. Im Gegensatz wirkt die empfindliche Melancholie von Eusebius in den Nummern 1, 5 und 7. Die beiden phantastischen Persönlichkeiten finden in den Nummern 10, 11 und Finale zusammen. Ein Besonderheit ist die chromatische Verwendung der Tonarten durchs ganze Werk hindurch. Zusätzlich bewirken im Finale das unheimliche Verschwinden des Walzerthemas vom Beginn und das Schlussthema ("Großvatertanz") ein unheimliches und halluzinatorisches Gefühl.

Nicholas Ashton


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