Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

L. v. Beethoven: Andante favori WO 53 F-Dur, Rondo op. 51.1 C-Dur, Thema und Variationen op. 34 F-Dur


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Ludwig van Beethoven,
Andante Favori, F-Dur (Kinsky-Halm WoO57)

Ludwig van Beethoven,
Rondo op. 51 no 1 C-Dur

Ludwig van Beethoven,
Thema und Variationen op. 34 F-Dur


Dieses Werk, 1806 komponiert, sollte den langsamen Mittelsatz der Waldstein-Sonate op. 53 bilden. Dem Rat von Freunden folgend, die das Werk für zu lang und ausgefeilt hielten, lies Beethoven das Andante fallen und ersetzte es durch eine kurze Einleitung - ebenfalls in F-Dur - die nun als wunderbar erweiterte Kadenz für das abschließende Rondo dient. Schwerlich lässt sich eine bessere als diese Lösung vorstellen. Die geschlossene Form, die das Andante Favori hat, hätte von der organischen Einheit der Sonate abgelenkt. Gleichwohl, eben weil das Andante eine Symmetrie und Eleganz ganz aus sich heraus besitzt, wurde es später selbst ein sehr beliebtes Stück und deshalb auch mit dem Beinamen "favori" versehen.

Nicholas Ashton


Diese entzückende Komposition aus dem Jahr 1797 zeigt eine Seite Beethovens, die oft übersehen wird – seine Fähigkeit, ganz in klassischem Stile zu schreiben durch elegante und symmtrische Meldodiebildung, dem Stile Mozarts sehr ähnlich. Obwohl das Stück wahrscheinlich für einen Studenten oder Bewunderer geschrieben wurde, sind doch Züge von Beethovens kompositorischen Genius anwesend. Das beste Beispiel hierfür ist die wunderbare Wendung des Themas nach As-Dur in der Mitte des Stücks.

Nicholas Ashton


Dieses schöne kleine Stück ist die zweite von nur vier Kompositionen freistehender Variationen, die Beethoven über eigene Themen schrieb. Abgesehen von fünf herrlichen Beipielen von Variationsformen über eigene Themen innerhalb der Sonaten stehen, sind die anderen 18 Variations-Kompositionen, die von einladender Einfachkeit bis zur größten Raffiniertheit reichen, abgeleitet von bekannten Melodien anderer Komponisten.

Alle zeugen sie von der außergewöhnlichen Einfallskraft des Komponisten. Oft ist das Ergebnis umso aufregender, je einfältiger das Ausgangsthema ist, so beispielsweise bei den Diabelli-Variationen. Arnold Schönbergs Aussage, dass musikalische Komposition sich notwenigerweise um Variation und die Form, die sich daraus herstellen lässt, dreht, scheint also auf Beethoven vollkommen zuzutreffen.

Hier ist das Thema jedoch von außergewöhlicher melodischer Qualität und ungewöhnlich lang. Es erinnert an einen hymnischen Gesang mit rezitativischen Einlschüssen. Die erste Variation steht wagemutig in D-Dur, alle folgenden Variationen folgen in mediantischer Tonartverwandschaft. Ein Übergang führt zu einem fließenden 6/8 Finale und einer Coda, die das Thema erweitert unter Verwendung von Trillern, Akkordbrechungen und Tonleitern über die ganze Tastatur, ganz im Stile der abschließenden Variation seiner letzten Sonate op. 111. Trotz der vergleichsweisen Kürze dieses Werkes hat es Anmut und Ruhe im Gestus, und verweist damit auf den Stil von Beethovens später Phase. Außerdem zeigt es ebenso deutlich, dass Beethoven wunderbar und ausgefallen improvisieren konnte.

Nicholas Ashton


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