Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

L. v. Beethoven, Erzherzogtrio


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Ludwig van Beethoven,
Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97.1 ("Erzherzog")

Allegro moderato
Scherzo
Andante cantabile
Allegro moderato


Das "Erzherzog-Trio" wurde 1811 komponiert und ist dem Erzherzog Rudolph von Österreich gewidmet. Es war Beethovens letzte vollendete Triokomposition und hat immer schon einen Sonderplatz in der Trioliteratur eingenommen. So wie die IX. Symphonie und die letzten Streichquartette als unübertreffliche Höhepunkte der jeweiligen Werkreihen und als Vermächtnis an die Nachwelt begriffen wurden, so sah man auch in diesem Werk die Summe der von Beethoven im Genre Klaviertrio gemachten Erfahrungen und Fortschritte. Nur drei große Werke Beethovens aus seinen letzten zwanzig Lebensjahren stehen in B-Dur: das "Erzherzog-Trio", die "Hammerklavier-Sonate" (op. 106) und das ursprünglich als Einheit konzipierte Streichquartett mit Großer Fuge (op. 130/133). Alle drei Werke sind unmittelbar nach durch Schaffenskrisen, Krankheiten oder persönliche Erschütterungen verursachten Zäsuren in Beethovens Schaffen entstanden. Und wie op. 130/133 in dem kurz davor geschriebenen a-Moll-Streichquartett op. 132 sein "dunkles" Pendant hat, so geht auch dem Opus 97 ein dunkel getöntes Werk voraus: das Streichquartett f-Moll op. 95.

Jeder der vier Sätze ist seiner Ausdehnung, Form und kompositorischen Dichte ein jeweils geschlossener Kosmos. Der Kopfstz ist formal ein klassischer Sonatensatz, Scherzo, Trio und da capo sind ebenso modellartig perfekt gebaut wie die Variationen des dritten Satzes, und auch das Finalrondo ist formal typisch. Allerdings bedingen sich die Sätze in ihrer Anordnung und in der ungewöhnlichen Reihenfolge: Das Scherzo ist vorgezogen und steht an zweiter Stelle, was den äußerst tiefsinnigen Ausdruck des langsamen Variationssatzes an dritter Stelle hinauszögert und dadurch seine Wirkung zusätzlich begünstigt. Die Variationen münden dann ohne Pause (attaca) ins Finale (Allegro moderato).

In seiner späten Schaffensphase, die zeitlich eigentlich spätestens mit seiner Klaviersonate op. 101 erreicht ist, war für Beethoven von wesentlicher Bedeutung, bestehende Formen zu überwinden, d. h. sie so tief zu durchdringen, dass quasi eine Fragmentierung stattfand und dadurch ganz neue formale Grundsätze entstehen konnten. Man denke hier an die letzten Klaviersonaten oder die späten Streichquartette. Vor diesem Hintergrund mutet das B-Dur Trio an wie eine letzte Bestandaufnahme Beethovens gegenüber den althergebrachten Formen (hier: Sonatensatz, Scherzo, Variationssatz und Rondo), bevor er diese Formen nach allen Regeln der Kunst brach.


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