Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Sonatenrezital mit Werken von Mozart und Messiaen


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Wolfgang Amadeus Mozart,
Sonate B-Dur KV 454

Largo - Allegro
Andante
Allegretto

Olivier Messiaen,
Thème et Variations

Thème: Modéré
Modéré
Un peu moins modéré
Modéré, avec éclat
Vif et passioné
Très lent


Die Sonate B-Dur KV 454 von W. A. Mozart gehört zu den Wiener Violinsonaten. Sie ist formal viel größer angelegt als viele andere Sonaten. Sie hat einen großen langsamen Satz, der Kopfsatz wird mit einer feierlichen Introduktion im Largo vorbereitet und das Finale ist ein ausgedehntes, virtuoses Rondo. Die ganze Anlage des Stückes ist ähnlich wie bei einem Solokonzert, viele Passagen lassen an das Doppelkonzert für Klavier, Violine und Orchester denken. Die Sonate entstand im Jahre 1784, ein Jahr bevor das d-moll Klavierkonzert erschien, und Mozart hat sie der Geigerin Regina Strinasacchi gewidmet. Es ist anzunehmen, dass er selbst die Klavierpartie übernahm.


Olivier Messiaen wurde 1908 in Avignon und starb 1992 in Paris. Die rhythmischen und klangfarblichen Elemente seiner Musik sind komplex, sorgfältig zusammengestellt und erklingen in großer Schönheit.

Er steht in der Tradition von Komponisten und Organisten wie Saint-Saëns und César Franck. Seine größte Inspirationsquelle war jedoch der Katholizismus. Er meinte, Musiker zu sein heiße, ein Glaubender zu sein, gehalten durch die Unendlichkeit Gottes. Unmittelbar im Anschluss an sein Studium wurde er Hauptorganist an der Kirche La Trinité in Paris, eine Stellung, die er über 40 Jahre bekleidete.

Messian begann bereits im Alter von sieben Jahren zu komponieren, unmittelbar beeinflusst von Claude Debussys Oper "Pelléas et Mélisande" und mit dem festen Vorsatz, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Er begann ein Studium am Conservatoire de Paris, wo er in allen Fächern stets mit Auszeichnung bestand. Noch als Student, publizierte er seine ersten Stücke im Jahre 1928.

"Thème et Variations" ist ein 10 minütiges Jugendwerk Messiaens, komponiert im Jahre 1932 als Folge von fünf Variationen über ein Thema. Das Thema ist einfach konstruiert, hat 28 Takte und setzt sich zusammen aus drei Motiven, die leicht herauszuhören sind. Die Gestalt des Themas ist, obwohl es so kurz ist, sehr klar uns besonders im mittleren Teil sehr expressiv. Sein Ende ist, so auch in allen Variationen, sehr offen und führt entweder zur folgenden Variation oder hinterlässt das Gefühl einer unbeantworteten Frage.

Die erste Variation ist einfach und nach vorne gerichtet und in formaler Hinsicht wie das Thema gebaut. Sie ist jedoch ein wenig rascher. Die Verwandschaft mit dem Thema ist in den folgenden drei Variationen immer schwieriger zu erkennen. Die zweite Variation ist kontrapunktisch angelegt mit drei Stimmen, die sich jeweis aus den drei Motiven den Themas herleiten, jedoch gleichzeitig erklingen. Die dritte Variation klingt brilliant, das Metrum wird jedoch so verändert, dass die rhythmische Symmetrie aus dem Gleichgewicht gerät. Die vierte Variation, die sich aus der dritten gleichsam herausschält, bildet die Brücke zum Höhepunkt der Schlussvariation. Erhitzt und mit zunehmender Geschwindigkeit gleicht der zweite Teil der vierten Variation einer Tarantella. Im Klavier ist beständige Bewegung, die Geige führt das Thema in Bruchstücken wieder ein. Zu guter letzt kehrt das Thema in der fünften Variation wieder, und zwar in der Geige, jedoch eine Oktave höher. Sein Charkter hat sich jedoch durch die dazwischenliegenden Variationen völlig verändert. Majestätisch, mystisch und geheimnisvoll liegt die Geigenstimme über den prachtvollen Akkorden des Klaviers. Romantisch in melancholischer Wiederholung des schon Gehörten endet das Stück, ohne Abschluss, mit einem Bewusstsein der Unabänderlichkeit des Schicksals.

In vielen Stücken kommt Messiaens Glauben zum Ausdruck, nur sehr wenige zeigen seine Gefühle seiner Familie gegenüber. "Thème et Variations" war ein Hochzeitsgeschenk an seine Frau, Claire Delbos, die selbst Geigerin und Komponistin war.

Als Jugendwerk Messiaens ist das Stück längst nicht so ausgereift wir seine späteren Kompositionen. So naiv es jedoch vergleichsweise erscheinen mag, es trägt die Wurzeln der einzigartigen musikalischen Sprache Messiaens bereits in sich.


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