Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Solorezital mit Werken von W.A. Mozart und C. Debussy


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Claude Debussy,
Six Images, Deuxième Livre

IV. Cloches à travers les feuilles. Lent.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut. Lent.

VI. Poissons d'or. Animé.

Wolfgang Amadeus Mozart,
Sonate F-Dur KV 332 (300k)

Allegro
Adagio
Allegro assai


Claude Debussy gilt als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus, obwohl er sich gegen diese aus der Malerei entlehnte Bezeichnung zeitlebens gewehrt hat. „Die Dummköpfe nennen es ‚Impressionismus“ – ein Begriff, der so schlecht angewandt ist wie nur irgend möglich!“, wird er zitiert. Debussy wollte mit seiner Musik Stimmungsbilder erschaffen, ein Kompositionsprinzip, das sich in den beiden Bänden der „Images“ besonders gut erfahren lässt. Von der Wirkung seiner „Images“ war der Komponist absolut überzeugt: „Ich glaube, dass diese Stücke […] ihren Platz in der Klavierliteratur einnehmen werden, […] zur Linken Schumanns und zur Rechten Chopins.“

IV. Cloches à travers les feuilles - Glockenklang durchdringt die Blätter

Der Musikkritiker und Schriftsteller Louis Laloy, der Debussy zu diesem und zu dem folgenden „Image“ anregte, teilt mit, dass altem ländlichen Brauch zufolge von Allerheiligen bis Allerseelen die Glocken geläutet wurden, deren Klang sich als zarter akustischer Schleier über die herbstliche Landschaft legte. Debussy vereint hier die Reize des Lichts und das Irisieren der Blätter mit dem Klang der Glocken zu verschiedenen perspektivischen Schichten, die Nähe und Ferne suggerieren, verdichtet zu einem musikalisch-konstruktivistischen Naturgemälde.

V. Et la lune descend sur le temple quit fut - Und der Mond senkt sich über den vergangenen Tempel

Ein antikes, orientalisch geprägtes Bild mit Momenten von Stille und quälend einsamer Entrückung. Dem „Canope“ aus dem zweiten Band der Préludes ähnlich, beschwört es nicht nur die Vision des Monduntergangs über einer Tempelruine, sondern erscheint wie ein fernes Traumbild, als Ahnung der Gegenwart vergangener Kulturen.

VI. Poissons d'or - Goldfische

Angeregt von einer japanischen Lackmalerei. Die musikalische Realität dieses Stückes geht weit über die eher beschaulichen Assoziationen, die der Titel weckt, hinaus und entwickelt sich mehr und mehr zu einer humoristischen Wassermusik, die sich bei aller Strenge ihrer „harmonischen Chemie“ (Debussy) einem ungemein heiter-turbulenten Finale, das den Hörer zu dem Sujet des ersten Images („Reflets dans l'eau“) zurückführt, nicht verschließt.


Wie die A-Dur Sonate mit dem türkischen Marsch stammt auch die F-Dur-Sonate aus dem Jahr 1783 und wurde wahrscheinlich in Wien oder Salzburg komponiert. Die Premiere der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ war vom Wiener Publikum mit Begeisterung aufgenommen worden und hatte Mozart zum Star in der kulturellen Weltmetropole gemacht. So erklärt sich, dass Mozart neben seiner Arbeit an Oper, Symphonie und Kammermusik sehr viele hochvirtuose Werke für Soloklavier schrieb, die er selbst an den Höfen und in Konzerthäusern spielte. Durch den Erfolg seiner Musik und die Liebe zu Constanze fühlte sich Mozart ausgeglichen und auf seinem künstlerischen Höhepunkt. Die F-Dur Sonate ist ganz besonders deutlich von dieser Ausgeglichenheit in Form und Inhalt gekennzeichnet. Während der erste Satz sich fast schon symphonisch gestaltet und gelegentlich mehr an ein Orchester denken lässt, ist der letzte Satz ein brillantes Klavierstück, das virtuose Anforderungen an den Spieler stellt, die es zu Mozarts Zeit nur selten gab. Hört man diese Sonate auf einem historischen Instrument, bekommt man einen Eindruck davon, wie sehr Mozart an die technischen Grenzen der Instrumente seiner Zeit ging. Der erste und der dritte Satz sind Sonatenhauptsätze in klassischer Form, mit jeweils zwei stark kontrastierten Themengruppen, die in einer wiederholten Exposition vorgestellt und danach miteinander verflochten, also durchgeführt werden. Der zweite Satz Adagio steht zwischen den beiden großen Ecksätzen wie ein Lied ohne Worte. Im Autograph war er nur 20 Takte lang und sollte wiederholt werden. Zu Mozarts Zeit waren Musiker gewohnt zu improvisieren, die Verzierungstraditionen des Barock waren den Spielern so geläufig. Es verstand sich von selbst, bei der Wiederholung eines langsamen Satzes Verzierungen, zwar im Stile, aber nach eigenem Gusto zu spielen. Erst bei Drucklegung legte Mozart fest, wie die Wiederholung genau zu verzieren sei.

Franck-Thomas Link


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