Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

J. Brahms, Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Johannes Brahms,
Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78

Vivace ma non troppo
Adagio
Allegro molto moderato


Die erste Violinsonate von Johannes Brahms entstand, als er die Hoffnung, doch noch in seiner Heimatstadt Hamburg eine Anstellung zu finden, aufgegeben hatte. Er lebte in Wien und wurde dort - teils zu seinem Glück, teils zu seinem Unglück - als Nachfolger Beethovens gefeiert. Brahms knüpft mit seiner ersten Violinsonate (G-Dur, op.78) unmittelbar an Beethovens letztes Werk dieser Gattung (G-Dur, op.96) an. Er verwendet beispielsweise die selbe Tonartenfolge wie Beethoven (G-Dur - Es-Dur - g-moll - G-Dur). Noch auffälliger sind aber die Unterschiede zu Beethovens Partitur: das Wegfallen des Scherzos und die "Poetisierung" des Textes - der letzte Satz ist eine Meditation über zwei, schon 1873 komponierte Lieder ("Regenlied" op. 59 Nr. 3, und "Nachklang" op. 59 Nr. 4, beide auf Texte von Brahms Freund Klaus Groth), worauf sich der manchmal für das Werk verwendete Name "Regenliedsonate" bezieht. Das Werk entstand in den Sommern der Jahre 1878 und 1879 in Pörtschach am Wörthersee und wurde schon am 8. November 1879 in Bonn von dem Ehepaar Marie Heckmann-Hertwig (1843-1890), Klavier, und Robert Heckmann (1848-1891), Violine, uraufgeführt.


Walle, Regen, walle nieder,
Wecke mir die Träume wieder,
Die ich in der Kindheit träumte,
Wenn das Naß im Sande schäumte!


Wenn die matte Sommerschwüle
Lässig stritt mit frischer Kühle,
Und die blanken Blätter tauten,
Und die Saaten dunkler blauten.


Welche Wonne, in dem Fließen
Dann zu stehn mit nackten Füßen,
An dem Grase hin zu streifen
Und den Schaum mit Händen greifen.


Oder mit den heißen Wangen
Kalte Tropfen aufzufangen,
Und den neuerwachten Düften
Seine Kinderbrust zu lüften!


Wie die Kelche, die da troffen,
Stand die Seele atmend offen,
Wie die Blumen, düftertrunken,
In dem Himmelstau versunken.


Schauernd kühlte jeder Tropfen
Tief bis an des Herzens Klopfen,
Und der Schöpfung heilig Weben
Drang bis ins verborgne Leben.


Walle, Regen, walle nieder,
Wecke meine alten Lieder,
Die wir in der Türe sangen,
Wenn die Tropfen draußen klangen!


Möchte ihnen wieder lauschen,
Ihrem süßen, feuchten Rauschen,
Meine Seele sanft betauen
Mit dem frommen Kindergrauen.

("Regenlied", Text von Klaus Groth (1819-1899), aus: Hundert Blätter, Paralipomena zu Quickborn, Hamburg, 1854, als Lied vertont von Johannes Brahms, op. 59 Nr. 3 (1873))


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