Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Solorezital mit Werken von Haydn und Schubert


Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


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Joseph Haydn,
Klaviersonate Hob. XVI:31, E-Dur

Tempo guisto
Allegretto
Presto

Franz Schubert,
Sonatensätze D. 566

Moderato, e-moll
Allegretto, E-Dur


Haydns Verhältnis zur Sonate für Tastenistrumente entspricht darin der seines Vorgängers Domenico Scarlatti und der seiner Nachfolger Mozart, Beethoven und Schubert, dass seine Sonaten, mehr als 50 an der Zahl, eine Art von Labor sind, in dem er alle seine Ideen über Form, Harmonie, Melodie und Rhythmus entwickelt. Sie zeigen, ganz davon abgesehen, dass sie ein reiches und vernachlässigtes Vermächtnis darstellen, deutlicher als bei jedem anderen Komponisten, die Entwicklung der Tasteninstrumente vom Cembalo zum Klavier. Hier beinhaltet eine geschickte Behandlung der Regeln für den ersten Satz einer Sonate zart verzierte erste und zweite Themen, die Abschnitten mit überraschenden und brillianten Arpeggien und Läufen gegenüber gestellt sind. Das darauffolgende Menuett ist geprägt von expressiver Melancholie, sein Thema mit drei Variationen gibt dem Interpreten Gelegenheit, eine große Vielfalt von Stimmungen und Anschlagsarten zu zeigen.

Nicholas Ashton


Die große Menge von unvollständigem Material, das Schubert uns hinterlassen hat, zu ordnen und zu sichten, ist immer noch eine musikologische Aufgabe von beachtenswerter Schwierigkeit. Daraus folgt unglücklicherweise, dass abgeschlossene Kompositionen von Interpreten meist ernster genommen werden, um dem Verdienst Rechnung zu tragen, das die vergleichsweise größere Vollständigkeit mit sich bringt. Ausnahmen von dieser Borniertheit sind heute jedoch verbreiteter, was wir zum größten Teil dem Vorbild von Musikern wie Schnabel, Kempff, Richter und Brendel zu verdanken haben. Nur durch das Konzertieren kann der Wert solcher Werke erkannt werden. Es ist natürlich absolut falsch anzunehmen, dass Schubert, weil er manche Stücke mitten im Komponieren verworfen hat, notwendigerweise unzufrieden mit ihnen war. Er arbeitete, wie Mozart, gleichzeitig und rasend schnell an verschiedenen Projekten. Meisterwerke wie der Quartettsatz c-moll, die b-moll-Sinfonie und einige Klaviersonaten beweisen die Qualität seines musikalischen Schaffens. Hier sehen wir Schubert mit Form, Hamonie, Melodie und Rhythmus experimentieren, was die späten Werke noch faszinierender macht.

Die Geschichte der e-moll / Dur-Sonate ist ganz besonders kompliziert. Vier Sätze, die ein Rondo in E-Dur D. 506 beinhalten, wurden erst im Jahre 1948 als zusammenhängende Sonate veröffentlicht. Es gibt verschiedene Aufführungsarten, in denen das Werk mit zwei, drei oder vier Sätzen gespielt wird. Das melancholische Eingangsthema spielt mit einer Sequenz von Triolen um einen punktierten Rhythmus und benutzt dazu ein aufsteigendes E-Dur-Arpeggio und eine absteigende Tonleiter. Alle diese Elemente werden dann einzeln fortgesponnen, mit einer schrittweisen, hypnotischen Entwicklung der absteigenden Bewegung. Der zweite Satz zeigt Schuberts ganzen melodischen Einfallsreichtum. Auffallend ist die frappierende Ähnlichkeit zum Anfang des 2. Satzes der e-moll-Sonate op. 90 von Beethoven.

Nicholas Ashton


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