Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

392. Lunchkonzert in der Handelskammer Hamburg

Johannes Brahms, Klavierquartett g-moll op. 25


Der Eintritt ist frei.


Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, U Bahn Rathaus


Johannes Brahms,
Klavierquartett g-moll op. 25, 1861

Allegro
Intermezzo: Allegro ma non troppo
Andante con moto
Rondo alla zingarese


Die Gattung Klavierquartett (Klavier, Violine, Viola, Violoncello) hat eine langsame Entwicklung über Jahrhunderte durchgemacht. Die ersten Werke in dieser Besetzung stammen von Mozart, danach hat erst Robert Schumann sich wieder damit beschäftigt. Johannes Brahms hat mit drei demonstrativ großen Monumenten dafür gesorgt, dass diese Besetzung auch noch heute in der Kammermusik eine sehr wichtige Rolle spielt. So schloss z.B. der für das 20. Jahrhundert äußerst wichtige amerikanische Komponist Morton Feldman sein Lebenswerk mit einem solchen Quartett ab. Das g-moll Quartett gilt auf den Konzertpodien der ganzen Welt als eines der beliebtesten Werke seiner Gattung, nicht zuletzt weil sich der Ernst und die Tiefe der ersten drei Sätze im „Rondo alla zingarese“ aufhellen. Dieses Finale ist ein zigeunermusikalisches Feuerwerk, mit allen Stilmitteln, die die Zigeunermusik zu bieten hat: ein großes Cymbal-Solo (in Vertretung vom Klavier zelebriert), melancholische Melodien, und vor allem das immer wiederkehrende, tanzende Ritornell. Der Satz scheint ein ganzes Zigeunerfest zu verkörpern. Brahms' Affinität zur Zigeunermusik (man denke in diesem Zusammenhang auch an seine beiden Zyklen von Zigeunerliedern op. 103 und op. 112) geht einerseits auf seine tiefe Liebe zur Volksmusik zurück, andererseits war die Zigeunermusik in Wien in Mode. Es war populär, in „exotischem“ Stil zu komponieren. In vergleichbarem Zusammenhang entstanden auch Brahms' Ungarische Tänze. Das g-moll Quartett ist so reich in seiner Architektur und in seinen musikalischen Nuancen, dass Arnold Schönberg dieses Werk für Orchester bearbeitet hat, um, wie er sagte, „endlich einmal alles zu hören, was in der Partitur steht“.

Franck-Thomas Link


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